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Auf die Zither herabfliegende Wildgänse

Ident. Nr.: 6010-04.355

ObjID: obj:982268

Details (Expert)

Beteiligte
Suzuki Harunobu 鈴木春信 (um 1725–1770),
Künstler*in
Datierung
Datierung: 1766
Datierung: Edo (Tokugawa)-Zeit
Weitere Titel
Sammlungstitel: Auf die Zither herabfliegende Wildgänse
Übersetzung: Descending Geese of the Koto Bridges
Originaltitel: 琴路の落雁
Acht Ansichten von Innenräumen
Übersetzung: Eight Views of the Parlor
Originaltitel: 坐舗八景
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Abmessungen
Blattmaß: 28,4 x 20,9 cm
Erwerbung
1967 übertragen aus der Kunstbibliothek, SMB. Geschenkt 1904 von Gustav Jacoby, Berlin, erworben bei Hôtel Drouot, Paris, Auktion Slg. Gillot.

Objektbeschreibung

Die insgesamt acht Blätter umfassende Serie travestiert ein klassisches Motiv der chinesischen Landschaftsmalerei, "Die Acht Ansichten von Xiao und Xiang". Seit der Muromachi-Zeit fand dieses Thema auch Eingang in das Repertoire japanischer Künstler. Um 1500 wurde es gar japanisiert: In Anlehnung an das chinesische Vorbild wurden acht pittoreske Szenen aus den Dörfern rund um den Biwa-See in der Provinz Omi ausgewählt. In der Tokugawa-zeitlichen Holzschnittkunst, deren Motivwahl hauptsächlich aus der Welt der metropolitanen Vergnügungsviertel schöpfte, travestierten die Holzschnittmeister das klassische Motiv abermals. Anstelle der Landschaften bildete nun das hedonistische Leben in den Innenräumen der vielen Teehäuser in Yoshiwara das Hauptthema. Auf dem vorliegenden Blatt schickt sich die in prachtvolle Kimonos gekleidete Kurtisane zum Spiel auf der japanischen Zither an. Eine schräg vor ihr sitzende Dienerin wählt aus einem Stapel Notenbücher ein passendes Musikstück aus. Die schwarzen, V-förmigen Stege der Zither erwecken hier die Assoziation an eine Schar herabfliegender Wildgänse. Dies entspricht der ersten Szene in der klassischen Version "Auf flache Sandbänke herabfliegende Wildgänse". Der ausführende Künstler Harunobu tritt in der Komposition nicht namentlich auf, sein Stil ist jedoch in der zurückhaltenden Eleganz der Darstellung unverkennbar. Harunobus subtile Linienführung und Farbgebung sowie seine androgyn wirkenden Figuren beeinflussten nachhaltig das Werk der frühen Hollzschnittmeister. Harunobu gilt auch als Erfinder der Paßmarken auf den Druckstöcken, mit deren Hilfe der Vielfarbendruck erst möglich wurde.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Der Maskentyp des "Kleinen Gesichts" (ko-omote) wurde für die Darstellungen der anmutigen, jungen Frauengestalten in Drittspielen (Katsura Nô) geschaffen. Er spiegelt das weibliche Schönheitsideal der Heian-Zeit wider. Das ins rundliche gehende ovale Gesicht verjüngt sich zur Stirn hin und wird durch die aufgeschminkten, hoch angesetzten Augenbrauen zusätzlich gelängt. Die Augenwinkel verlaufen in einer geraden Linie, die Sehlöcher sind eckig. Die Nasenlöcher sind weich geformt, ähnlich wie der leicht geöffnete Mund, der die geschwärzten Zähne sichtbar werden läßt. Die Unterlippe ist betont vorgeschoben und endet in hochgezogenen Mundwinkeln. Es formt sich das für die Ko-omote charakteristische jugendlich-unbekümmerte Lächeln. Die Wangen sind füllig, das leichte Doppelkinn wird auffallend plastisch formuliert. Der Ausdruck lieblicher, verinnerlichter Schönheit jedoch, wie ihn die überlieferten Abbilder (utsushi) der dem Schnitzer Tatsuemon (Ende 14. Jahrhundert) zugeschriebenen Prototypen (honmen) besitzen, ist bei dieser Maske einer derberen Nuance gewichen und läßt sie in die Nähe des Maskentyps der Manbi (Tausend Koketterien) rücken. Diese Maske verkörpert die sinnlich-erotischen Aspekte der Frauengestalten im Nô und wurde erstmals zu Beginn der Tokugawa-Zeit, als die Entstehung neuer Spiele neue Maskentypen erforderte, geschaffen. Die drei feinen, seitlich verlaufenden parallelen Haarsträhnen (kegaki) geben jedoch den eindeutigen Hinweis auf den Typ der Ko-omote, da sie bei der Maske der Manbi nicht vorkommen. Im Laufe der Tokugawa-Zeit bildeten sich die repräsentativen Frauenmasken für weibliche Hauptrollen innerhalb der großen Nô-Schulen heraus. Zwei Familien, Komparu und Kita, benutzen den Typ der Ko-omote bis heute dafür. Die anderen Schulen wählten Masken vom Ko-omote-Typ für ihre weiblichen Nebenrollen (tsure). Möglicherweise handelt es sich bei unserer unsignierten Maske um eine solche tsuremen. [SM8HF]