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Il grande metafisico

Ident. Nr.: KdZ 26811

ObjID: obj:987310

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giorgio de Chirico (1888 - 1978),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1918
Weitere Titel
Sammlungstitel: Il grande metafisico
Der große Metaphysiker
Material / Technik
Bleistift
Abmessungen
Blattmaß: 30,5 x 20,0 cm
Erwerbung
1987 Ankauf von der Galerie Jan Krugier, Genf

Objektbeschreibung

Giorgio de Chirico gehört mit Carlo Carrä zu den wichtigsten Vertretern der sogenannten »pittura metafisica« und der späteren neoklassizistischen Bewegung im Umkreis der Zeitschrift »Valori Plastici«. De Chirico begann 1910 traumbezogene, autobiographische Bilder von großer Eindringlichkeit zu erarbeiten. Die aus der Auseinandersetzung mit Arnold Böcklin und Friedrich Nietzsche entstandenen metaphysischen Stadtlandschaften waren in ihrer Unwirklichkeit von großem Einfluß auf den Surrealismus. 1914 erschien erstmals auf einem Gemälde der auf eine Tafel gezeichnete Entwurf einer Manichino (Gliederpuppe). Dieses mechanisierte Requisit eines Modisten ersetzte das in de Chiricos Stadtbildern unabdingbare Denkmal und löste es von seinen konkreten historischen und autobiographischen Bindungen. Die Gliederpuppe erschien auch in Arbeiten von Carrä, Morandi und anderen Mitgliedern der »pittura metafisica« und wurde 1920 von George Grosz übernommen.
Die Zeichnung »Der große Metaphysiker« von 1918 gehört in die Endphase der Auseinandersetzung mit derartigen depersonalisierten Figuren und in den Umkreis des gleichnamigen Gemäldes (The Museum of Modern Art, New York, The Philip L. Goodwin Collection). Während im Gemälde die große, aus verschiedenen mit Architektur bzw. dem Entwerfen von Architektur zusammenhängenden Gerätschaften gebaute Figur statuarisch in sich ruht, scheint sie in der Zeichnung vom Sockel herabzuschreiten. Dieser Bewegungseindruck wird durch die gelenkartige Vernietung der Einzelteile verstärkt. Kopf und Schulterpartie sind von einem überdimensionierten Stempel gebildet, so daß die Gestalt eines Architekten oder Konstrukteurs assoziiert werden könnte. Auch der urbane Umraum verweist auf diesen Zusammenhang. In mehrmals gebrochener Perspektive wird eine Platzanlage mit zwei hochaufragenden Häusern, einer breiten Treppenanlage und einer Säule in einen überdachten, modellartigen Innenraum gestellt. Ein sehr ähnlicher Innenraum mit perspektivisch strahlenförmig geordneten Deckenbalken ist auch in der Zeichnung »Consolazioni metafisiche« von 1918 (Galeria Nazionale d'Arte Moderna, Rom) zu sehen. Die mehrfache Verschachtelung scheinbar wirklichkeitsnaher Dinge beleuchtet die metaphysische Dimension einer vom Menschen entworfenen Welt. >Der große Metaphysiken zählt zu den eindrucksvollsten Zeichnungen aus der wichtigsten Schaffensphase de Chiricos.

Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 460 f., Kat. VIII.26 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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