Logo

Die Landschaft mit den drei Bäumen

Ident. Nr.: 303-1898

ObjID: obj:991958

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Rembrandt Harmensz van Rijn (1606 - 1669),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1643
Provenienz
Johann Carl Diedrich Hebich (1818-1891),
67787
Franz Gawet (1865-1847),
317851
Kauf: August Sträter (1810-1897),
bis 1897
Nachlass/Vermächtnis: Erben von August Sträter (1810-1897),
1897-1898
Abmessungen
Höhe x Breite: 21,3 x 27,9 cm (Plattenrand)
Erwerbung
1898 auf der Auktion Sträter durch L. Meder und Rudolf Kann in Paris angekauft

Objektbeschreibung

Rembrandt griff das Thema der Landschaft in seinem druckgraphischen Werk häufig auf. Unübertroffen aber bleibt die Wiedergabe atmosphärischer Stimmungen in der größten und seit jeher auch berühmtesten Landschaftsradierung, deren Hauptmotiv drei Bäume bilden. Ihre Kronen wiegen sich leicht im Wind, Sonnenstrahlen erfassen sie von hinten. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, daß auch Menschen dargestellt sind, ein Schäferpaar beim Angeln, Viehhirten auf dem Weideland und auf der Anhöhe ganz rechts ein Zeichner vor der Natur. Verborgen in dem dichten Gestrüpp rechts im Vordergrund sitzt ein Liebespaar. Alles strahlt einen tiefen Frieden aus, und deshalb scheint hier keine Sturm- oder Gewitterstimmung wiedergegeben zu sein, wie oft behauptet wird, sondern das dramatisch-schöne Schauspiel eines Sonnenaufgangs oder Untergangs. Die Stadtsilhouette in der Ferne erinnert an Amsterdam, dennoch liegt hier keine topographisch genaue, sondern eine aus der Phantasie frei gestaltete Ansicht vor.
Die Komposition ist bildhaft abgeschlossen, und in der Tat wetteiferte Rembrandt mit seinen Landschaftsgemälden, deren tonale Farbigkeit er durch Ausschöpfung aller technischen Möglichkeiten – so entstanden die feinen Übergänge von Licht- zu Schattenpartien in der Ebene durch eine körnige Schwefelpulverätzung – meisterhaft in die schwarzweiße Durckgraphik umzusetzen verstand.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 210, Kat. IV.58 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Nach dem Verlorenen Sohn ist der Teufel, der, während die Landarbeiter schlafen, Unkraut zwischen den Weizen sät, wohl das um 1600 am häufigsten dargestellte Gleichnis Jesu. De Gheyn zeigt sich in der Weise, wie die ganze Landschaft von einer Spannung ergriffen wird, die in der Hauptfigur kulminiert, als einer der führenden Manieristen. Obwohl Studienzeichnungen erhalten sind, in denen das Modell dem links am Baum Schlafenden ähnelt, wird jede Naturwahrheit zugunsten des Ausdrucks zurückgestellt. Von dem in Bewegungsrichtung des feindlichen Sämannes abschüssigen Feld über die bizarren Kopfweiden bis zu den Pilzen, die vorn ganz unwahrscheinlich auf dem frisch gepflügten Acker sprießen, kündigt sich Unheil an, das nicht nur durch den Teufel versinnbildlicht wird, sondern auch in den Hexenreitern am brodelnden Himmel, mit denen der Zeichner weit über den Bibeltext hinausgreift. Im scharfen Gegensatz dazu stehen rechts die idyllisch schlafende Gruppe und links die ruhigen Tiere, die schweren Säcke mit dem Saatgut und der nach dem reichlichen Mittagsmahl ruhende Arbeiter. In diesen Themen ist de Gheyn auf der Höhe der Zeit; auch andere Künstler wie vor allem A. Bloemaert zeichnen in diesen Jahren das bäuerliche Leben, wobei der Ton immer auf Muße und Verfall liegt. Die biblische Geschichte gibt de Gheyn die Möglichkeit, dies mit Zügen seiner Hexensabbat-Darstellungen zu verbinden, mit denen er Salvator Rosa vorangeht.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 190, Kat. IV.31 (mit weiterer Literatur)