Logo

Die drei Kreuze

Ident. Nr.: 646-16

ObjID: obj:992701

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Rembrandt Harmensz van Rijn (1606 - 1669),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1653
Abmessungen
Plattenrand: 38,5 x 45 cm

Objektbeschreibung

1653 bedeutete einen Höhepunkt im druckgraphischen Schaffen Rembrandts. In eine ungewöhlich große Kupferplatte ritzte und stach er eine Kalvarienbergdarstellung – Spuren einer Ätzung sind nicht zu erkennen –, die ohne Vergleich war. Die hereinbrechende Finsternis, von der das Lukasevangelium berichtet, ist durch kräftige Schraffenbündel veranschaulicht, die vom Himmel herabzufallen scheinen. Durch die Dunkelheit bricht ein Lichtkegel und erleuchtet die Szenerie in der Mitte, den gekreuzigten Christus, den Schacher zu seiner Linken sowie die Soldaten und die Gruppe um die zusammengesunkene Maria und Johannes, der voller Verzweiflung die Hände ans Haupt preßt. Besonders hervorgehoben ist der vor dem Kreuz kniende römische Hauptmann, der sich beim Tode Christi bekehrt. Die Figuren sind mit knappen, eckigen Umrißlinien wiedergegeben. Alles ist in Bewegung, in Auflösung begriffen angesichts des erschütternden Ereignisses. Die Gebärden menschlichen Entsetzens sind selten psychologisch eindringlicher erfaßt worden, etwa bei dem hinweggeleiteten Alten vorne links und den Männern, vielleicht jüdischen Schriftgelehrten, die voller Panik auf ein Felsenloch zulaufen.
Dem hier gezeigen dritten Zustand mit Signatur und Datum gingen zwei Zustände, Probedrucke, voraus, die teilweise erheblich voneinander abweichen. Rembrandt probierte in nie gesehener Weise verschiedene Bildwirkungen aus, indem er auf Pergamenten oder asiatischen Papieren druckte und die Intensität der Drukkerschwärze von Platte zu Platte veränderte, um Helligkeit und Dunkelheit jeweils neu zu interpretieren. Kein Abdruck gleicht dem anderen, jeder kann als ein einzigartiges Kunstwerk gelten.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 213f., Kat. IV.62 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)