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Tourelle, Rue de l'École de Médecine, 22

Ident. Nr.: SSG 186

ObjID: obj:1065699

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Charles Meryon (1821–1868),
Künstler*in
Date(s)
1861
Additional titles
Collection title: Tourelle, Rue de l'École de Médecine, 22
Translation: House with a Turret, No 22
Geographical references
Material / Technique
Radierung auf Papier
Dimensions
Höhe x Breite: 21,1 x 13 cm
Acquisition
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Object Description

Die Grafik „Tourelle, Rue de l’École de Médecine, 22“ (Türmchen, Rue de l'École de Médecine, 22) zählte Charles Méryon selbst zu seinen besten Blättern. Das Hauptmotiv, das im Titel genannte Haus Nr. 22, bekrönt mit einem Turm am linken Bildrand, ist von historischer Bedeutung – hier soll Charlotte Corday den radikalen Führer der Französischen Revolution Jean-Paul Marat 1793 ermordet haben. Unbeachtet von den Menschen in den Straßen schweben im Himmel mehrere Figuren. Dem Haus Nr. 22 zugewandt und in einem Wolkenwirbel mit einem Rabenkopf zeigt sich Justitia, der Waage und Schwert aus den Händen geglitten sind. Hinter ihr stürzt Veritas, die Wahrheit, mit einem Buch in der Hand herbei. Über ihnen zu sehen ist Amor, dem scheinbar die Flügel ausgerissen wurden, und das Monogramm Méryons. Durch seine Darstellung lässt Méryon eine Ambivalenz entstehen, die sich durch die Kombination des scheinbaren Abbildes der architektonischen Wirklichkeit mit fantastischen Szenen ergeben. Diese subjektiven Fantasien des Künstlers erschweren in zahlreichen Bildern Méryons die Deutung und das Verständnis. Das Mysteriöse in seinen Werken wird betont durch die Darstellungen fantastischer Wesen, die unerwartet in seinen Stadtbildern auftauchen sowie durch starke Licht- und Schattenkontraste. Die gesamten Oberflächen der Motive sind von einer feinen grafischen Struktur überzogen, deren stoffliche Wirkung kaum zu beschreiben ist. Méryons grafisches Werk hatte trotz oder gerade aufgrund des mystischen Charakters Einfluss auf Künstler wie Rodolphe Bresdin, Odilon Redon und James Ensor. | Melanie Wilken

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Feuilles

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Nachdem sich Max Ernst in den 1920er Jahren primär der Technik der Frottage und der Ölmalerei zugewandt hatte, kehrte er Ende des Jahrzehnts zur Collage zurück. „La Femme 100 têtes“, wahlweise als „Die hundertköpfige Frau“ oder als „Kopflose Frau“ zu verstehen, „Rêve d’une petit fille qui voulut entrer au Carmel“ und „Une semaine de bonté“ erschienen zwischen 1929 und 1934 und sind von ihrem Umfang her ganze Collage-Romane. Das unbetitelte Blatt entstand im gleichen Jahr wie wie der Roman „La Femme 100 têtes“. Es arbeitet mit denselben Prinzipien wie er, ohne ihm oder einer Serie zugeordnet werden zu können. Möglicherweise ist es als eine Studie zu verstehen, es erschien als Einzelblatt in der Zeitschrift „Le Surrealisme en 1929“, bevor sich Max Ernst entschloss, in dieser Technik eine große Serie von 145 Blättern, aus denen „La femme 100 têtes“ besteht, zu entwickeln. Diese Blätter unterscheiden sich ganz erheblich von den Papierarbeiten aus den frühen 1920er Jahren. Die frühen Collagen zeigten vor allem technische Schaltpläne, die ins Leere laufen und Aufbau und Organisation sowohl von Maschinen als auch der Gesellschaft infrage stellen. „La femme 100 têtes“ entfaltet eine gänzlich andere Wirkung. Ernst bediente sich hierbei erneut Literatur jedweder Richtung aus dem 19. Jahrhundert wie Romanen sowie wissenschaftlicher Bücher aus den Bereichen Biologie, Physik, Philosophie und Psychologie und nutzte die hier vorgefundenen Illustrationen. Dies erklärt auch den gänzlich anderen Aufbau der Collagen im Vergleich zu denen der DADA-Phase. Ausgangslage waren bei den Roman-Collagen in den meisten Fällen Blätter, die bereits über eine flächenfüllende Raumdisposition verfügten, welche jedoch durch das Hinzufügen der Ernst’schen Fremdkörper und Gegenstände aufgebrochen wurde. Zwar werden auch bisher zusammenhanglose Gegenstände miteinander verknüpft, da es sich aber größtenteils um figurative Darstellungen handelt, ist der Identifikationsgrad beim Rezipienten wesentlich höher. Es entstehen Traumwelten von bestechender bis verstörender Poesie, die beim Betrachten einen unwiderstehlichen assoziativen Sog entwickeln, je länger man sich in sie vertieft. | Katharina Wippermann

Étude pour "Banlieue de la ville paranoïaque-critique"

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Salvador Dalí ging davon aus, dass Paranoiker aufgrund der Überempfindlichkeit ihres verstörten Geistes die Fähigkeit besitzen, doppelte Vorstellungsbilder aufzuspüren, und er nutzte diese Erkenntnis für seine Kunst: „Durch einen eindeutig paranoischen Vorgang ist es möglich geworden, ein doppeltes Vorstellungsbild zu erhalten, das heißt die Darstellung eines Gegenstandes, die ohne die mindeste figürliche oder anatomische Veränderung gleichzeitig die Darstellung eines anderen, völlig verschiedenen Gegenstandes ist.“ Das ausgearbeitete Studienblatt veranschaulicht diesen Vorgang, den Dalí als „paranoisch-kritische Methode“ bezeichnete. In der oberen Reihe vollzieht sich die Metamorphose eines Pferdes in dessen eigenen Totenschädel, in der mittleren Reihe wird das Tier in runde Formen aufgelöst, die einer Traube gleichen. In der unteren Reihe demonstriert Dalí, wie seine Frau Gala mit Trauben in der Hand zum Vorstellungsbild der vorangegangenen Gegenstände werden kann. Das Blatt ist eine Studie zu dem Gemälde „Banlieue de la ville paranoïaque-critique“, in dem eine Pferdestatue, der Pferdeschädel und im Mittelpunkt Gala, die Trauben in der Hand haltend, in einer Dreierkonstellation aufeinander bezogen sind. Dalí kommentierte die Zeichnung Jahre später: „Erinnerung an Cadaquès, wo Gala auf einer alten Steinmauer schwarze Trauben verzehrte; und sie wurde schöner mit jeder Traube.“ Von Galas existenzieller Bedeutung für Dalís künstlerisches Schaffen zeugt auch die gemeinsame Signatur: „‘Es ist vor allem Dein Blut, Gala, mit dem ich meine Bilder male’, sagte ich eines Tages zu ihr. Und ich beschloss, von da an mit unser beider Namen gemeinsam zu signieren.“ | Silke Krohn

Ohne Titel

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Seligmann hat die Grafik mit den Worten „für den berühmten Sadomasochisten – Georges Hugnet, meinen Freund“ versehen. Der Schweizer Seligmann lebte seit 1932 in Paris, stieß 1934 zu den Surrealisten und lernte dort Hugnet kennen. Widmung und Thema der Radierung spielen auf dessen Collagen an, welche stereotype Abbildungen aus Erotikmagazinen zur Grundlage haben. Zugleich ist das Blatt ein Hinweis auf gemeinsame Arbeiten und Interessen. 1938 veröffentlichten die beiden den Band „Une écriture lisible“ mit Gedichten von Hugnet und Radierungen von Seligmann, welche durch die Lektüre von Lautréamonts „Gesängen des Maldoror“ geprägt waren. Der collageartige Aufbau der von schwarzem Humor bestimmten Radierung und die Betonung der Ausschnitte erinnern an ein Rätsel, das es zu deuten gilt. Die Unterwasserwelt könnte eine Reminiszenz an Lautréamonts Werk sein. Viele der sadistischen Handlungen in den „Gesängen“, denen zumeist Frauen zum Opfer fallen, spielen im submarinen Raum. Die Folterszene und das Hybridwesen, halb Meerestier, halb Dienstmädchen, Objekt sadistischer Begierde, verweisen ebenfalls auf Lautréamonts Werk, in dem, anders als in den Schriften des Marquis de Sade, auch Tiere und Mischwesen Sexualpartner der Menschen sein können. Die einem weiblichen Genital nachempfundene Meeresfrucht mit Tentakeln kommt wie die unten links angedeuteten Schwerter oder Dolche in weiteren Arbeiten Seligmanns vor. Die Gemälde von Hieronymus Bosch bildeten ebenfalls eine der zahlreichen Inspirationsquellen. | Silke Krohn