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La petite espagnole

Ident. Nr.: SSG 171

ObjID: obj:1065701

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Henri Laurens (1885 - 1954),
Künstler*in
Date(s)
1954
Additional titles
Collection title: La petite espagnole
Die kleine Spanierin
Translation: Little Spanish Woman
Geographical references
Material / Technique
Bronze
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 25 x 18 x 21 cm
Acquisition
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Last updated: 24.08.2026

Contact

Institution:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Tourelle, Rue de l'École de Médecine, 22

Tourelle, Rue de l'École de Médecine, 22

Die Grafik „Tourelle, Rue de l’École de Médecine, 22“ (Türmchen, Rue de l'École de Médecine, 22) zählte Charles Méryon selbst zu seinen besten Blättern. Das Hauptmotiv, das im Titel genannte Haus Nr. 22, bekrönt mit einem Turm am linken Bildrand, ist von historischer Bedeutung – hier soll Charlotte Corday den radikalen Führer der Französischen Revolution Jean-Paul Marat 1793 ermordet haben. Unbeachtet von den Menschen in den Straßen schweben im Himmel mehrere Figuren. Dem Haus Nr. 22 zugewandt und in einem Wolkenwirbel mit einem Rabenkopf zeigt sich Justitia, der Waage und Schwert aus den Händen geglitten sind. Hinter ihr stürzt Veritas, die Wahrheit, mit einem Buch in der Hand herbei. Über ihnen zu sehen ist Amor, dem scheinbar die Flügel ausgerissen wurden, und das Monogramm Méryons. Durch seine Darstellung lässt Méryon eine Ambivalenz entstehen, die sich durch die Kombination des scheinbaren Abbildes der architektonischen Wirklichkeit mit fantastischen Szenen ergeben. Diese subjektiven Fantasien des Künstlers erschweren in zahlreichen Bildern Méryons die Deutung und das Verständnis. Das Mysteriöse in seinen Werken wird betont durch die Darstellungen fantastischer Wesen, die unerwartet in seinen Stadtbildern auftauchen sowie durch starke Licht- und Schattenkontraste. Die gesamten Oberflächen der Motive sind von einer feinen grafischen Struktur überzogen, deren stoffliche Wirkung kaum zu beschreiben ist. Méryons grafisches Werk hatte trotz oder gerade aufgrund des mystischen Charakters Einfluss auf Künstler wie Rodolphe Bresdin, Odilon Redon und James Ensor. | Melanie Wilken

Hommage à Goya

Hommage à Goya

Zehn Jahre vor Entstehung dieses Blattes hatte Odilon Redon sein lithografiertes Album „Hommage à Goya“ herausgegeben. In jenem Album findet sich als sechstes Blatt ein ernster Mädchenkopf mit eng anliegendem Haar und delikatem Haarschmuck. Dieses Motiv greift Redon in vorliegendem Blatt wieder auf, aber er dreht den nunmehr halslosen Kopf im Ganzen wie eine Scheibe aufwärts und lässt die Pupille nahezu unsichtbar werden, sodass der Augapfel zu blickloser Weiße wird: ein Fenster ins Jenseits. Bei Moreau hatte Redon die Leuchtkraft einer Palette studieren können, die mit wenigen strahlenden Tönen und Partien operiert, denen ein ganz besonderer Glanz verliehen wird, indem sie neben dunkeltonigen und schweren Partien mit opakem mystischem Schimmern stehen. Die Relation der Palette, das auffällige Aufscheinen der Glanzpunkte – das hat eine Kostbarkeit, wie man sie von Möbeln des 18. Jahrhunderts mit ihren Schildpatt- und Holzeinlegearbeiten kennt, aus deren Dunkeltonigkeit dann Perlmutt und Silber mit kryptischem Glanz heraustreten. Eine solch irritierende und irisierende Noblesse ist auch dem himmelwärts schauenden Kopf eigen. Gleich einem jungfräulich reinen Wesen schwebt das Bildnis ätherisch daher, alles Irdische – Leib wie Blickbezug – hinter sich lassend. Doch was bei Goya in den „Disparates“ und den „Caprichos“ dämonisch erscheint, wird bei Redon gleich einer Fata Morgana ins Magische und Transzendentale transferiert, es wird poetisiert, doch nicht verharmlost: Visionen hier wie dort. | Bernhard Maaz

Le papier timbré

Le papier timbré

Auf diffus-grauem Grund, mit Akzenten in Gelb, Türkis und Rosé versetzt, verläuft leicht links von der Bildmitte eine vertikale Achse feiner Stricheleien und Gekritzel, durchbrochen von einigen horizontalen Elementen. Oben links im Bild ist ein Stempel der Französischen Republik zu erkennen, in dem Justitia mit Zepter und Waaagschale dargestellt ist, ihm gegenüber ist auf der rechten Seite die Nummer RB37950 platziert. Diese systematisch erstellte Nummer steht im Gegensatz zu der wilden Zeichenexplosion des Blattes, aus dem immer wieder anthropomorphe Gebilde aufblitzen. Unter dem Symbol der Gerechtigkeit findet ein Gemetzel statt, gewaltsam entstehen Krater und Wunden, an einigen Stellen meint man Narben zu entdecken, an anderen gar Spuren von Schießpulver. Zwischen schriftähnlichen Zügen entdeckt man Gesichter, Körper, hier eine Figur wie von Giacometti, dort ein Segelschiff. Die wie sehr häufig in WOLS’ Werken um eine zentrale Achse konstruierte Komposition erinnert darüber hinaus entfernt an einen Rorschachtest, der die Befindlichkeit des Patienten durch Assoziationen ausloten soll. Geht es hier um die Befindlichkeit der Republik nach dem Zweiten Weltkrieg? Zahlreich waren die Deutschen, darunter auch WOLS selbst, gewesen, die sich in diesem Land auf der Flucht vor dem nationalsozialistischen Regime in der Falle gesehen hatten, insbesondere nachdem die Regierung von Vichy dieses aktiv und in vorauseilendem Gehorsam unterstützt hatte. Besonders reizvoll an diesem Werk ist die von WOLS inszenierte Konfrontation der aufgestempelten, formell-bürokratischen Elemente mit dem ästhetischen Chaos seiner Zeichnung und Farbgebung. | Kristina Lowis

Arp links Pfeife rauchend...

Arp links Pfeife rauchend...

Mit dieser Fotocollage hat Max Ernst seinen Freunden Sophie Taeuber und Hans Arp ein kleines Denkmal gesetzt. Die Unterlage, den Fond der Arbeit entnahm er der Broschüre Deutsches Kriegsflugwesen von Georg Paul Neumann, die er auch für seine anderen Fotocollagen der DADA-Zeit intensiv ausbeutete. All diese Collagen zeigen kriegsversehrte Menschen, unheimliche Maschinen, Transformationen in neue, fantastische Landschaften. Für sein Doppelporträt drehte Ernst eine Luftaufnahme des Suezkanals um 90 Grad und kombinierte sie mit Abbildungsfragmenten wie dem Panzer eines Krebses und dem Reliefprofil der Voralpen aus dem Kölner Lehrmittelkatalog, einem umfangreichen Musterbuch für Unterrichtsmaterial an Schulen noch aus der Kaiserzeit und Ernsts Vorlagenkompendium für seine Arbeiten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Max Ernst hat ein Doppelporträt in geradezu klassischer Konstellation zusammengestellt, durch die Collage wird diese Form jedoch gleichzeitig konterkariert und verzerrt. Zwar sind noch zwei einander zugewandte Personen im Profil auszumachen, aber ihre Köpfe sind nur noch Schädelknochen, die sich gegenseitig anschauen und ebenso wie ihre Attribute nur noch anhand der Bildlegende zu identifizieren sind. Links im Bild kann man die aus einem Gebiss umgedeutete Pfeife Hans Arps und rechts die Kapuze des Capes von Sophie Taeuber erkennen. In den DADA-Jahren schuf Max Ernst ein kleines Pantheon seiner Familie und Freunde. Für einige der Fotocollagen schrieb er zusammen mit Hans Arp kleine Texte, FATAGAGA genannt, die den Bildern eine poetische Dimension beifügten. Die künstlerische Kooperation war ein echtes Markenzeichen der Kölner Dadaisten, und so hob Max Ernst in seinem vorliegenden Doppelporträt die enge Bindung zwischen Arp und Taeuber hervor, die ebenfalls gemeinsam Kunstwerke geschaffen hatten. Er hat es seinen Freunden zum Geschenk gemacht, die Bildunterschrift stammt aus seiner Feder. Für Hans Arp war die Collage auch noch 1948 wichtig. Er publizierte sie in seinem Buch „On My Way“, das als Sammelband einen Überblick über sein künstlerisches und dichterisches Werk gibt. Die Collage war für ihn, fünf Jahre nach dem Tod seiner über alles geliebten Frau, das beste Doppelporträt von ihnen beiden, ein anderes findet sich im Buch nicht. | Lutz Derenthal

Dessin automatique

Dessin automatique

Im Jahre 1924 lernte André Masson den theoretischen Kopf der Surrealisten, André Breton, kennen und übertrug dessen auf die Literatur bezogene Methode des unkontrollierten Schreibflusses – Écriture automatique – auf bildnerische Verfahren. Der Titel des Werkes „Dessin automatique“ (Automatische Zeichnung) bezeichnet die dem Werk eigene Methode seiner Entstehung: Er beschreibt jenen Prozess, in dem die spontane Ausdruckskraft des Unbewussten von selbst Bilder hervorbringt, die sich dem rationalen und bewussten Denken entziehen. Diesen Prozess zu formulieren, vermochte keiner besser als Masson selbst: „Wenn man sehr rasch arbeitet, ist die Zeichnung mediumartig, als würde sie vom Unbewussten diktiert. Die Hand muss hinreichend schnell sein, damit das bewusste Denken sich nicht einschaltet und die gestische Bewegung kontrollieren kann […] Wenn das Bild erscheint, nehme ich es an und verwerfe es nicht […] Ich sehe es erst, wenn die Zeichnung fertig ist, nie vorher.“ Um den Gestaltungswillen des Künstlers auszuschalten und um den anderen im Verborgenen schlummernden Kräften und Trieben freien Lauf zu lassen, versetzten sich die Surrealisten bisweilen mit Rauschmitteln und Hypnose in Trancezustände. Betrachtet man die Ergebnisse dieser exzessiven Séancen am Beispiel von Massons „Dessin automatique“, so wird deutlich, dass der Schaffensprozess des Unbewussten, anders als erwartet, etwas entstehen lässt, was nicht intendiert war: scheinbar absichtsvoll gestaltete Formen. So entspringen der wabernden Gestalt aus verschlungenen Linien immer wieder anthropomorphe Elemente wie Hände, Brüste oder Füße. Als Form kontinuierlicher Wandlung zeigt auch diese Zeichnung die Metamorphose des Menschen in ein anderes Element, zeigt dessen Auflösung ins Formlose. | Melanie Franke

Komposition

Komposition

Baumeister entwickelte eine Formensprache, die den traditionellen Bildraum thematisiert und zugleich infrage stellt. In der Komposition treffen verschiedene Durchreibungen von Formelementen aufeinander, sie werden so angeordnet, dass eine verhaltene Schwingung sie scheinbar schwebend trägt. Die organische Anmutung der Grundformen, ihr irregulärer Zuschnitt, ein mäandernder Verlauf im Bild sowie eine reliefartige Andeutung verleihen den Elementen Zeichenhaftigkeit. Baumeister erkannte in den Symbolen, Zeichen und Figuren der Höhlenmalerei eine Bildsprache, auf die er in seinem Œuvre immer wieder Bezug nahm. Er beschäftigte sich mit Felszeichnungen, die im damaligen Rhodesien entdeckt worden waren, sowie mit anderen alten Kulturen, sammelte prähistorische Funde, Kleinskulpturen und Werkzeuge. So begegnet man in „Komposition“ Formen, mit denen sich Verschiedenes assoziieren lässt wie unbekannte Kleinstlebewesen, kalligrafische oder zufällige Fragmente, die sich zu einer geheimnisvollen Ordnung konstellieren. Hierin vermag sich Baumeisters mystische Sicht auf die Welt auszudrücken, in der er unbekannte Kräfte vermutete. In seiner noch 1943 während des Krieges entstandenen und 1947 veröffentlichten Schrift „Über das Unbekannte in der Kunst“ legte er seine Auffassung von der Kunst dar. Demnach kommt dem Schaffensprozess bei der Motivfindung eine besondere Rolle zu, denn das Motiv entsteht erst aus diesem heraus, scheinbar ganz von selbst. Baumeister zufolge setzt sich der Künstler zu Beginn des Schaffens zwar immer ein Ziel, allerdings kann dieses nur ein „Scheinziel“ sein. Denn während des Prozesses schleichen sich andere, unbekannte Kräfte ein. Sie lassen den Künstler zunächst scheitern, verhindern sie doch, dass er zu einem anderen Resultat als dem vorher anvisierten kommt. In Baumeisters Sinne ist die Abweichung freilich kein Verlust, sondern der erstrebenswerte „schöpferische Winkel“. Seine Schrift „Über das Unbekannte in der Kunst“ gehört zu den künstlerischen Statements gegen die Herrschaft des Nationalsozialismus, die in der Nachkriegszeit fundamentale Bedeutung für die Rezeption der Moderne erlangten. | Melanie Franke