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Komposition

Ident. Nr.: SSG 4

ObjID: obj:1065767

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Willi Baumeister (1889 - 1955),
Künstler*in
Date(s)
1947
Geographical references
Material / Technique
Kohle und Pastell auf Bütten
Dimensions
Höhe x Breite: 31,7 x 48,3 cm
Acquisition
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Object Description

Baumeister entwickelte eine Formensprache, die den traditionellen Bildraum thematisiert und zugleich infrage stellt. In der Komposition treffen verschiedene Durchreibungen von Formelementen aufeinander, sie werden so angeordnet, dass eine verhaltene Schwingung sie scheinbar schwebend trägt. Die organische Anmutung der Grundformen, ihr irregulärer Zuschnitt, ein mäandernder Verlauf im Bild sowie eine reliefartige Andeutung verleihen den Elementen Zeichenhaftigkeit. Baumeister erkannte in den Symbolen, Zeichen und Figuren der Höhlenmalerei eine Bildsprache, auf die er in seinem Œuvre immer wieder Bezug nahm. Er beschäftigte sich mit Felszeichnungen, die im damaligen Rhodesien entdeckt worden waren, sowie mit anderen alten Kulturen, sammelte prähistorische Funde, Kleinskulpturen und Werkzeuge. So begegnet man in „Komposition“ Formen, mit denen sich Verschiedenes assoziieren lässt wie unbekannte Kleinstlebewesen, kalligrafische oder zufällige Fragmente, die sich zu einer geheimnisvollen Ordnung konstellieren. Hierin vermag sich Baumeisters mystische Sicht auf die Welt auszudrücken, in der er unbekannte Kräfte vermutete. In seiner noch 1943 während des Krieges entstandenen und 1947 veröffentlichten Schrift „Über das Unbekannte in der Kunst“ legte er seine Auffassung von der Kunst dar. Demnach kommt dem Schaffensprozess bei der Motivfindung eine besondere Rolle zu, denn das Motiv entsteht erst aus diesem heraus, scheinbar ganz von selbst. Baumeister zufolge setzt sich der Künstler zu Beginn des Schaffens zwar immer ein Ziel, allerdings kann dieses nur ein „Scheinziel“ sein. Denn während des Prozesses schleichen sich andere, unbekannte Kräfte ein. Sie lassen den Künstler zunächst scheitern, verhindern sie doch, dass er zu einem anderen Resultat als dem vorher anvisierten kommt. In Baumeisters Sinne ist die Abweichung freilich kein Verlust, sondern der erstrebenswerte „schöpferische Winkel“. Seine Schrift „Über das Unbekannte in der Kunst“ gehört zu den künstlerischen Statements gegen die Herrschaft des Nationalsozialismus, die in der Nachkriegszeit fundamentale Bedeutung für die Rezeption der Moderne erlangten. | Melanie Franke

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Étude pour "Banlieue de la ville paranoïaque-critique"

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Salvador Dalí ging davon aus, dass Paranoiker aufgrund der Überempfindlichkeit ihres verstörten Geistes die Fähigkeit besitzen, doppelte Vorstellungsbilder aufzuspüren, und er nutzte diese Erkenntnis für seine Kunst: „Durch einen eindeutig paranoischen Vorgang ist es möglich geworden, ein doppeltes Vorstellungsbild zu erhalten, das heißt die Darstellung eines Gegenstandes, die ohne die mindeste figürliche oder anatomische Veränderung gleichzeitig die Darstellung eines anderen, völlig verschiedenen Gegenstandes ist.“ Das ausgearbeitete Studienblatt veranschaulicht diesen Vorgang, den Dalí als „paranoisch-kritische Methode“ bezeichnete. In der oberen Reihe vollzieht sich die Metamorphose eines Pferdes in dessen eigenen Totenschädel, in der mittleren Reihe wird das Tier in runde Formen aufgelöst, die einer Traube gleichen. In der unteren Reihe demonstriert Dalí, wie seine Frau Gala mit Trauben in der Hand zum Vorstellungsbild der vorangegangenen Gegenstände werden kann. Das Blatt ist eine Studie zu dem Gemälde „Banlieue de la ville paranoïaque-critique“, in dem eine Pferdestatue, der Pferdeschädel und im Mittelpunkt Gala, die Trauben in der Hand haltend, in einer Dreierkonstellation aufeinander bezogen sind. Dalí kommentierte die Zeichnung Jahre später: „Erinnerung an Cadaquès, wo Gala auf einer alten Steinmauer schwarze Trauben verzehrte; und sie wurde schöner mit jeder Traube.“ Von Galas existenzieller Bedeutung für Dalís künstlerisches Schaffen zeugt auch die gemeinsame Signatur: „‘Es ist vor allem Dein Blut, Gala, mit dem ich meine Bilder male’, sagte ich eines Tages zu ihr. Und ich beschloss, von da an mit unser beider Namen gemeinsam zu signieren.“ | Silke Krohn

Ohne Titel

Ohne Titel

Seligmann hat die Grafik mit den Worten „für den berühmten Sadomasochisten – Georges Hugnet, meinen Freund“ versehen. Der Schweizer Seligmann lebte seit 1932 in Paris, stieß 1934 zu den Surrealisten und lernte dort Hugnet kennen. Widmung und Thema der Radierung spielen auf dessen Collagen an, welche stereotype Abbildungen aus Erotikmagazinen zur Grundlage haben. Zugleich ist das Blatt ein Hinweis auf gemeinsame Arbeiten und Interessen. 1938 veröffentlichten die beiden den Band „Une écriture lisible“ mit Gedichten von Hugnet und Radierungen von Seligmann, welche durch die Lektüre von Lautréamonts „Gesängen des Maldoror“ geprägt waren. Der collageartige Aufbau der von schwarzem Humor bestimmten Radierung und die Betonung der Ausschnitte erinnern an ein Rätsel, das es zu deuten gilt. Die Unterwasserwelt könnte eine Reminiszenz an Lautréamonts Werk sein. Viele der sadistischen Handlungen in den „Gesängen“, denen zumeist Frauen zum Opfer fallen, spielen im submarinen Raum. Die Folterszene und das Hybridwesen, halb Meerestier, halb Dienstmädchen, Objekt sadistischer Begierde, verweisen ebenfalls auf Lautréamonts Werk, in dem, anders als in den Schriften des Marquis de Sade, auch Tiere und Mischwesen Sexualpartner der Menschen sein können. Die einem weiblichen Genital nachempfundene Meeresfrucht mit Tentakeln kommt wie die unten links angedeuteten Schwerter oder Dolche in weiteren Arbeiten Seligmanns vor. Die Gemälde von Hieronymus Bosch bildeten ebenfalls eine der zahlreichen Inspirationsquellen. | Silke Krohn

Ansicht der schwer bedrohten Stadt Pinz

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Im März 1916 wurde Klee zum Militärdienst einberufen und kam als Rekrut zur Ausbildung nach Landshut. Von dort aus bat er seine Frau, sie solle dem Kunsthändler Hans Goltz in München „nicht solche schwarz-weißen Sachen schicken, wie sie etwa schon im „Sturm“ reproduziert worden sind, sondern mehr bildartige, wie die Eroberung von Pinz“. Das düster-turbulente Blatt reflektiert die mediale Berichterstattung über den Krieg. Angeregt durch militärische Karten und Propagandaplakate, versuchte Klee die Dynamik der Kriegshandlungen in seine zeichnerische Bildsprache zu übersetzen. Aus dem dunklen Himmel über schneebedeckten Bergen zielen große Pfeile auf Häuser und Fabrikanlagen der Stadt. Von dort aufsteigende kleinere Pfeile signalisieren heftige Gegenwehr. Im Schlachtengetümmel verwirren sich die Perspektiven: Gebäude und Berge sind in der Ansicht gezeigt, Straßen und Schienenwege in der Aufsicht. Die piktogrammartige Darstellung von Bäumen, Häusern, Truppenkonzentrationen und Schlachtlinien scheint Klees Bemühen um bildnerische Abstraktion entgegengekommen zu sein. Die Erinnerungen an Gesehenes oder Gelesenes sind sehr konkret zu entschlüsseln als Anspielungen auf den neuartigen Einsatz von Zeppelinen für Luftangriffe sowie auf das stetige Vorrücken deutscher Truppen an der Ostfront in Richtung der Stadt Pinsk in der Ukraine. Der links im Bild auftauchende Name Weylau hingegen dürfte an eine Schlacht erinnern, die während der Napoleonischen Kriege an der Grenze zwischen Polen und Russland in Eylau stattgefunden hat. | Dieter Scholz