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Kopfaquamanile aus Riethnordhausen

Ident. Nr.: 1914,28

ObjID: obj:1836560

Details (expert)

Date(s)
2. Hälfte 12. Jahrhundert
Material / Technique
Bronze, gegossen, ziseliert und graviert
Dimensions
Objektmaß: 17,5 x 14,5 cm

Object Description

Das Kopfaquamanile zählt zu der seit dem 12. Jahrhundert in Westeuropa weit verbreiteten Gattung figürlicher Gießgefäße aus Bronze. Neben den profanen Gebrauch solcher Aquamanilien (lat. aqua – Wasser, manus – Hand) trat im christlichen Bereich bereits früh die Verwendung als liturgisches Gerät bei den Handwaschungen des Priesters während der Messfeier. Zum Beispiel stiftete Bischof Werner von Steußlingen seinem Münsteraner Dom zu diesem Zweck 1137 ein „Krüglein, geformt in der Art eines menschlichen Kopfes“ (urceolum in modum capitis humani formatum). Für das 1914 in das Berliner Kunstgewerbemuseum gelangte Kopfaquamanile bezeugt seine Herkunft aus der Dorfkirche zu Riethnordhausen am Kyffhäuser ebenfalls einen wohl schon ursprünglich intendierten sakralen Gebrauch.
Das Berliner Gießgefäß ist von eher bescheidener künstlerischer Qualität. Ein runder, sockelartiger Unterbau auf drei schlichten Füßen trägt einen männlichen Kopf mit gedrungenem Hals, an dessen Stirn das vorn abgeschrägte Ausgussrohr sitzt. Im Scheitel befindet sich die rechteckige Eingussöffnung, die ursprünglich einen Klappverschluss besaß. Zwischen dem seitlichen Rand des Unterbaus und dem Hinterkopf spannt sich der Griff in Gestalt eines schlanken Drachen, dessen Schwanz in einem Blattornament endet. Das schmale, am Kinn spitz zulaufende Gesicht ist wenig organisch gebildet: Eine gerade, seitlich indifferent in die markante Wangenpartie übergehende Nase und übergroße, stark hervortretende mandelförmige Augen unter weit geschwungenen Orbitalen prägen das Antlitz, während der Mund und die Ohren plastisch nur schwach ausgebildet erscheinen. Knopfartige Buckel, bei denen es sich um äußerst reduzierte Darstellungen von Locken handelt, umkränzen den Kopf. Das übrige Haupthaar erscheint kappenartig flach aufgelegt und ist ebenso wie Bart und Wimpern nur durch flüchtige Ritzungen strukturiert. Über der Stirn verläuft eine Binde, die vor den Ohren unmotiviert endet. Sie zeigt das gleiche unregelmäßige Zickzackmuster wie der schmale Kragen mit V-förmigem Ausschnitt am Halsansatz. Auch den Unterbau des Gefäßes ziert dieses charakteristische Ornament, hier ist es jedoch mit parallelen Doppelstrichen ausgeführt.
Mit Sicherheit in der gleichen Werkstatt wie das Gießgefäß aus Riethnordhausen wurde ein ganz ähnlich gebildetes, aber in manchen Details feiner ausgearbeitetes und etwas größeres Kopfaquamanile im Brukenthal-Museum zu Hermannstadt (Sibiu) gefertigt, das 1879 in der Nähe des Dorfes Schellenberg als Bodenfund zutage kam. Es wird vermutet, dass dieses Werk zu Beginn des 13. Jahrhunderts durch sächsische Siedler nach Siebenbürgen gelangt ist, doch kann man auch einen Handelsversand dorthin nicht ausschließen.
Das Kopfaquamanile aus Riethnordhausen wurde mit der Magdeburger Gusswerkstatt aus der die Bronzegrabplatte des Erzbischofs Friedrich von Wettin († 1152) im Magdeburger Dom und die um 1152/56 entstandene, ursprünglich für den Dom zu Płock an der Weichsel bestimmte, Bronzetür des Gießers Riquin am Westportal der Sophien-Kathedrale zu Nowgorod stammen, in Verbindung gebracht. Diese Zuschreibung ist auch von der jüngeren kunsthistorischen Forschung allgemein als wohlbegründet akzeptiert worden. Sie beruht vor allem auf der offenkundigen Ähnlichkeit mit dem Kopftypus der Figuren der Nowgoroder Tür, welcher am Berliner Gießgefäß zwar in starker formaler Reduktion, aber doch mit allen signifikanten Merkmalen auftritt. Auch die markanten geometrischen Ornamente in Rauten- oder Zickzackform verbinden beide Werke. LL

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Stutzerpokal aus farblosem Glas, der ansteigende Fuß ist mit Rundfacetten dekoriert und akzentuiert vergoldet. Er geht in einen sehr kurzen Massivschaft über. Die hohe Kuppa ist am Ansatz stark verdickt und mit Ovalkugelungen zwischen scharfkantigen Rippen dekoriert, letztere sind ebenfalls vergoldet. Die Kuppa ziert ein mit der preußischen Bügelkrone bekröntes Medaillon mit dem Profilbildnis Friedrichs II. in Harnisch und mit Zopf, darunter Gitterwerkdekor mit dem Monogramm "FR II", für Fridericus Rex II. Das Medaillon wird auf beiden Seiten von Füllhörnern gerahmt, darüber die Inschrift: Salus Patriae (quasi: Auf das Wohl des Vaterlandes). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Formal handelt es sich bei dem qualitativen Glas um einen sogenannten "Stutzerpokal", ein Produkt der Zechliner Glashütte aus der Zeit um 1750 und etwas früher (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 16, S. 60 und Abb. 48, S. 103). Ein Deckelpokal mit nahezu identischer Schaftform, sehr ähnlichem Dekor mit Verherrlichung Friedrichs II. (1712–1786) sowie der gleichen Inschrift wird von Robert Schmidt dem Glasschneider Elias Rosbach (um 1700–1765) zugeschrieben (ebenda, Taf. 32.2). Gut denkbar, dass auch dieser Pokal von seiner Hand ist. Sehr wahrscheinlich entstanden beide Gläser im Zusammenhang mit der Krönung Friedrichs am 31. Mai 1740. Wohl mangels einer aktuellen Vorlage orientiert sich sein Porträt noch an Profilbildnissen seines Vaters "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) auf anderen Gläsern, mit denselben stereotypischen Merkmalen: Der lange Perückenzopf, das eingedrehte Schulterstück der Rüstung und Ansätzen eines Doppelkinns (vgl. ebenda, Kat. 2 und 3, S. 17; Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 53 und 55, S. 120-122; Klesse, Glassammlung Krug, 1965, Kat. 265). Lediglich die Beischrift "FR II" kennzeichnet den Dargestellten als neuen König. Ein zuvor zugeordneter Deckel (Inv. Nr. O-1982,84 b) ist nicht zugehörig, er passt nicht. Sabine Baumgärtner datiert ein Pendant mit Darstellung Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), der Mutter Friedrichs II., irrtümlich auf um 1730 (Baumgärtner, Bildnisgläser, 1981, Kat. 5). [Verena Wasmuth]MAKR

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Pokal aus farblosem Glas, Abriss am Boden, leicht ansteigender Fuß mit versenktem und mattiertem Spitzblattfries, angesetzt ein wabenfacettierter Balusterschaft zwischen zwei ebenfalls wabenfacettierten Nodi, der Baluster ist mit drei übereinanderliegenden Kränzen aus eingestochenen Luftblasen verziert. Die becherförmige Kuppa wiederholt am Ansatz den Spitzblattdekor vom Fuß und trägt auf der Wandung das fein geschnittene große brandenburgisch-preußische Wappen, beidseitig gehalten von Wilden Männern und unter einem mit Adlern und der Bügelkrone bekrönten Baldachin, hinter dem rechts die Sonne strahlt, unten: Gott mit uns. Die Gegenseite zeigt den preußischen Adler im Flug gegen die Sonne, darunter: Nec soli cedit (Nicht [einmal] der Sonne weicht er), die Devise des sogenannten Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (reg. 1713–1740). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Perlfries unter einer Linie. Bei dem Glas handelt es sich um ein Erzeugnis der Potsdamer Glasmanufaktur, in die Regierungszeit Friedrichs I. datierend, auf den es mit Wappen und Devise gleich zweifach Bezug nimmt. Vermutlich gehörte ein Deckel dazu (der zugeordnete Deckel mit der Inv.-Nr. O-1982,92 b ist zu groß). Ähnliche Deckelpokale mit dem gleichen Sujet sind überliefert (Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 180, 181, 191, 192, 194; Rückert, Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums, Bd. 2, 1982, Kat. 812, S. 275, Taf. 251; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inv. Nrn. XIII 7 und Dln E.St. 01/26; Stiftung Stadtmuseum Berlin Inv. Nr. KH 99/1270 A; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 19.2 und 20.1). Pokale von dieser Größe und mit königlichen Symbolen waren sicherlich für den Hof bestimmt. [Verena Wasmuth]MAKR

Vergoldeter Pokal mit Bildnis Königin Sophie Dorothea von Preußen

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Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, Boden mit Abrissnarbe, die gesamte Oberfläche ist akzentuiert mit Gold staffiert, auf dem Fuß ein Kranz aus Oliven mit Ovalaugen, der massive Schaft ist mit Längsfacetten beschliffen, die sich bis an den Ansatz der bündig anschließenden Kuppa als vertiefte Zungen fortsetzen. Die Kuppawandung ziert in Tiefschnitt unter der Bügelkrone das von einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), flankiert von Adlern und Lorbeerzweigen, darunter fein goldgemaltes Rollwerk und sich überkreuzende Füllhörner. Der verwärmte Mündungsrand ist beidseitig vergoldet. Der Pokal datiert entweder in die letzten Betriebsjahre der Potsdamer oder in die ersten der Zechliner Glashütte und dürfte höchst wahrscheinlich als Paar mit einem Glas konzipiert gewesen sein, das ein Porträt Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) trug (möglicherweise Inv. Nr. O-1982,78, a,b). Eine Reihe sehr ähnlicher bis nahezu identischer Pokalgläser mit Potsdamer Provenienz sind überliefert, die einen zugehörigen Deckel besitzen (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 35.5; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 21; für das Bildnis vgl. Abb. 5, S. 18; Klesse/Mayr, Veredelte Gläser aus Renaissance und Barock, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl, Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 145, S. 280; Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10382; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nr. II 74/185 A, ebenfalls ohne Deckel). Ursprünglich war wohl ein zugehöriger Deckel vorhanden, der zugeordnete Deckel passt nicht, er gehört zu einem kleineren Pokal. [Verena Wasmuth]MAKR