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Kandelaber

Ident. Nr.: 6263

ObjID: obj:1958465

Details (expert)

Involved
Wiegand, Theodor (30.10.1864 - 19.12.1936),
Vermittler*in
Material / Technique
Bronze
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 136 x 30 cm

Object Description

Der hohe Bronzeständer ist aus mehreren unterschiedlichen Elementen zusammengefügt. Drei stilisierte Vögel mit ausgebreiteten Schwingen und zweispitziger Federkrone tragen den halbkugelförmigen, auf der Oberseite radial gefurchten Fuß. Der Schaft ist symmetrisch gestaltet. Über einem Knauf zwischen kurzen Rohrstücken folgt ein durchbrochenes Element aus vier komplex miteinander verknoteten Stäben. Die Mitte bilden zwei konische, gegeneinandergesetzte Tüllen. Darüber wiederholen sich Knotenstäbe und Knauf. Den Abschluss bildet ein Korb in Form eines durchbrochen gearbeiteten Kämpferkapitells. Dieses muss ursprünglich einen Einsatz oder Aufsatz besessen haben, vielleicht einen Kerzenhalter, möglicherweise aber auch eine Schale zum Verbrennen von Weihrauch.
Die verknoteten Stäbe sind ein Motiv, das im oströmischen Reich von den türkischen Seldschuken übernommen wurde, die seit der Schlacht von Mandzikert im Jahr 1071 Anatolien besiedelten. In verschiedenen Sammlungen sind Kerzenleuchter mit dem Knotenmotiv erhalten, die in das 12./13. Jahrhundert datiert werden. In diese Zeit passt auch das Ornament des Kapitellkorbes.

Last updated: 15.04.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)