Logo

Christus vor Pilatus

Ident. Nr.: 10/76

ObjID: obj:2039105

Details (expert)

Dating
1. Hälfte 17. Jahrhundert
Material / Technique
Bronze
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 14,8 x 12,3 x 1,2 cm
Gewicht: 383 g

Object Description

Das Relief stellt das bei allen Evangelisten geschilderte Verhör und die Verurteilung Christi vor Pilatus dar. Vor einem gemauerten Torbogen, der den Blick auf die Türme einer Stadtkulisse freigibt, thront rechts unter einem Baldachin Pilatus. Von links, in Begleitung von gerüsteten Soldaten, wird Jesus mit gebundenen Händen seinem Richter vorgeführt. Von rechts lenken zwei in bürgerlicher Tracht gekleidete Repoussoirfiguren den Blick des Betrachters in das Geschehen ein.
Die Komposition geht auf eine Darstellung aus der Passion Christi zurück, die der niederländische Maler und Kupferstecher Hendrck Goltzius (1558-1617) 1596 entworfen hat. Die von ihm in der Manier von Albrecht Dürer (1471-1528) und Lucas von Leyden (1494-1533) gestochene Serie ging 1599 in Druck, welche dem Erzbischof von Mailand, Federico Borromeo (1564-1631), gewidmet wurde. Die insgesamt 12 Kupferstiche dienten als Vorlage für den so genannten Silberaltar in der Marienkirche zu Rügenwalde (ponisch: Darlowo) in Pommern. Dieser war von Herzog Philipp II. (1573-1618) in Augsburg bestellt und schließlich von der Herzogin-Witwe nach Rügenwalde gebracht worden. Der 3 m hohe Renaissance-Altar war 1616 vollendet und enthielt insgesamt 37 in Silber getriebene Flachreliefs von Johannes Körver (+ 1607) aus Braunschweig und dem Augsburger Silberschmid Zacharias Lencker (+ 1612) mit Themen aus dem Neuen Testament, von denen 12 aus der Passion nach Stichen von Hendrick Goltzius stammen. Der Silberaltar wurde 1944 im Tresor der Kreissparkasse evakuiert, doch zum Ende des 2. Weltkrieges geplündert. Bislang sind acht der Reliefs wieder aufgetaucht, die im Museum in Stolp (polnisch: Slupsk) ausgestellt sind.
Das Berliner Relief ist eine spätere Reduktion in Bronze, die vermutlich am Anfang des 17. Jahrhunderts in Süddeutschland entstand.
Hans-Ulrich Kessler

Last updated: 06.02.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Junge Frau

Junge Frau

Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

Heiliger Nikolaus

Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)