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Artemis und Endymion. Karton zu den Deckenbildern der Münchner Glyptothek

Ident. Nr.: A I 132

ObjID: obj:2262435

Details (expert)

Creator/Entity
Peter von Cornelius (1783 - 1867),
Maler*in
Date(s)
1820
Systematics/Type
Provenance
Preußischer Staat (aus dem Nachlaß des Künstlers übernommen),
nach 6.3.1867 - 13.9.1875
Dimensions
Höhe x Breite: 169 x 182 cm
Acquisition
1875 vom preußischen Staat an die Nationalgalerie überwiesen

Object Description

Mit der deutschen Romantik war der Wunsch wachgeworden, öffentliche Räume mit inhaltlich bedeutsamen, monumentalen Bilderzyklen auszustatten. Die Gelegenheit zu einem ersten Probelauf hatte Jakob Salomon Bartholdy in seiner römischen Wohnung geboten. Schon im April 1818 wurde der wichtigste der vier beteiligten Künstler, Peter Cornelius, vom bayerischen Kronprinzen Ludwig für die Ausmalung von drei Sälen der Münchner Glyptothek gewonnen; im Herbst 1819 nahm er die Arbeit in München auf.
Das palladianisch gestimmte Gehäuse für diese Antikensammlung, die bereits die berühmten Giebelskulpturen vom Aphaia-Tempel auf Ägina verwahrte, errichtete Leo von Klenze von 1815 bis 1830, und der Bilderschmuck aller Räume sollte auf die darin ausgestellten Werke Bezug nehmen. Die von Cornelius auszumalenden Säle waren für griechische Skulpturen bestimmt; die Wahl des Künstlers allerdings mißbilligte der Architekt bis zum Schluß, weil er wie andere »diesen steifen Herrn« für unfähig hielt, »sich mit dem freien Geiste dieser Architektur und antiken Plastik [zu] verschwistern« (Schreiben an Kronprinz Ludwig vom 31.8.1819, zit. nach: Leo von Klenze, Ausst.-Kat., München 2000, S. 148). Der Maler wiederum fürchtete für die Bilder eine Einbuße an autonomer Bedeutsamkeit.
Die zwei durch ein Vestibül getrennten Säle gehörten zum rückwärtigen Flügel des Gebäudes, der zeitweise als Eingang vorgesehen war. Es war Klenzes Gedanke, »in dem ersten Saale die kosmischen Mythen, im zweiten die Heroengeschlechte und im mittleren kleinen Vestibül Arabesken zu malen« (zit. nach: F. Büttner, Peter Cornelius. Fresken und Freskenobjekte, Bd. 1, Wiesbaden 1980, S. 134). Damit standen die Themen des ›Göttersaals‹ und des ›Heroensaals‹ fest; aus den ›Arabesken‹ des Vestibüls wurden Darstellungen aus der Titanenzeit. Die Bildformate ergaben sich aus der Vielteiligkeit der Saaldecken: jeweils ein Kreuzgewölbe mit unterschiedlich gestalteter Mitte. Figürliche ebenso wie ornamentale zwickel- und kreisförmige Felder, dazu Arabeskenstreifen ergänzten die Hauptbilder. Diese waren in jedem Gewölbeviertel des Göttersaals als Dreiergruppen, die des Heroensaals als Paare angelegt. Hinzu kamen jeweils bogenförmige Wandbilder: Im Göttersaal mit den Darstellungen von Olymp, Unterwelt und Wasserwelt, während die Gewölbefresken, jeweils in Dreiergruppen, den Tageszeiten gewidmet waren. Jeweils im rechteckigen Mittelfeld lenkten die den Tageszeiten zugeordneten Götter ihren Himmelswagen; dreieckige Seitenfelder zeigten Gestalten ihrer Umgebung und nicht zuletzt ihre Begegnungen mit Sterblichen, wodurch Kosmos und Menschenleben hyperbolisch umspannt wurden. Im Unterschied zu diesem allegorisierenden Programm erzählten die Bilder des Heroensaales nach Homers »Ilias« Belagerung und Untergang Trojas; Götter kamen darin nur vor, insofern sie in die Handlung eingreifen, nicht aber in ihrer zeitlosen Existenz.
Die Arbeit an den Fresken war zur Eröffnung 1830 abgeschlossen. Während die Wandbilder selbst im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurden, haben die meisten der Kartons in der Nationalgalerie überdauert. Diese mit Kohle auf Papier schon in endgültiger Größe gezeichneten Kompositionen sind nicht Entwürfe, sondern Werkzeichnungen, nach denen eine, wie die Freskotechnik es stets erfordert, zügige farbige Umsetzung möglich ist. Für sie waren – einer Praxis entsprechend, der erst Hans von Marées entsagen sollte – großenteils Mitarbeiter verantwortlich. Unabhängig davon, daß auch an den Kartons Schüler mitarbeiten konnten, weil Cornelius der ›Erfindung‹ entschieden höheren Wert beimaß als der Ausführung, waren sich Bewunderer wie Kritiker immer darin einig, daß sich Cornelius’ Kunstauffassung im Schwarzweiß am reinsten realisiert, weshalb seine Kartons schon früh als eigenständige Werke ausgestellt wurden: zuerst 1820 in Berlin. Stilistisch orientiert sich der Romantiker Cornelius nicht, wie der ihm vorgegebene Stoff erwarten ließe, an antiker Kunst, sondern an der Malerei Michelangelos, des späten Raffael, Annibale Carraccis. Dabei entsteht in den vorwiegend zuständlichen Kompositionen des Göttersaales ein behutsamer, melodischer Linienfluß, eine lyrische Verschwiegenheit, die Cornelius nicht wieder erreichen sollte. Schon die heftig bewegten Dramen, die in den Fünfeckfeldern des Heroensaales inszeniert sind, bringen größeren Figurenreichtum, mehr Requisiten, drastischere Motive und damit auch formal harte Kontraste, scharfe Winkel hervor, und selbst die Modellierung der Leiber mit ihren angespannten Muskeln ist unruhiger.
Beim Tode des Künstlers im März 1867 war der Ankauf der in seinem Besitz verbliebenen, durch Ausstellungen auch in Paris und Brüssel berühmt gewordenen Kartons längst beschlossen. Der Staat besaß bereits die kolossalen religiösen Kompositionen für das Campo Santo am Berliner Dom, außerdem Arbeiten für die Münchner Ludwigskirche. Für die insgesamt 71 Kartons wurden die beiden überhöhten Oberlichtsäle des Mittelgeschosses der Nationalgalerie gestaltet. | Claude Keisch

Zur Darstellung: Die Abendgöttin hat sich in den Jäger Endymion verliebt und beugt sich zu dem Schlafenden. Eros hält den wachsamen Hund fest.

Last updated: 31.08.2026

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Institution:

Alte Nationalgalerie

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hielt sich Herrmann häufiger bei seinem Freund, dem belgischen Maler, Gestalter und Kunsttheoretiker Henry van de Velde, in Weimar auf. Auf Betreiben Harry Graf Kesslers leitete dieser dort seit 1902 das neu gegründete Kunstgewerbliche Seminar. 1907/1908 ließ sich van de Velde eine Villa an der Allee nach Belvedere, dem Sommerschloss der großherzoglichen Familie, bauen. Herrmann wohnte als deren Gast 1909 für einige Zeit im Schloss Belvedere selbst, wovon einige Bilder zeugen. Im Sommer 1912 logierte er in der Villa van de Veldes, für seine malerischen Studien wandte er sich erneut dem Belvedere-Motiv zu. In jener Phase versuchte Herrmann das Pointillistische mit dem Linearen zu verbinden. Die Bilder sind meist nach dem Goldenen Schnitt aufgebaut, die gewählten Farben pastellartig hell – „dekorativ“ war in diesen Jahren kein abwertender Begriff. 1911 hatte Herrmann in dem Buch „Der Kampf um den Stil“ seine Auffassung vom Neoimpressionismus dargelegt, einer Strömung, mit der er sich seit Beginn seiner Freundschaft mit van de Velde 1897 und mit Paul Signac 1902 auseinandersetzte. Man kann darin lesen: „In der Malerei, so glaube ich, wird über die bisherigen Anfänge hinweg der Neoimpressionismus sich zum reinen, von der Linie beherrschten Licht- und Farbenstil entwickeln […] ein Sinnbild […] alles Reinen, eine Verkörperung der geheimnisvollen Gesetze der Harmonie und Schönheit“ (Curt Herrmann, Der Kampf um den Stil, Berlin 1911, S. 142). 1924 widmete die Nationalgalerie Herrmann zum 70. Geburtstag eine große Ausstellung. | Angelika Wesenberg

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Schon Ende 1853 hatte der Schlesische Kunstverein in Breslau bei Menzel – der seine Geburtsprovinz niemals vergessen hatte – ein Bild aus der schlesischen Geschichte bestellt, ihm die Wahl des Themas aber überlassen. Das große Bild konnte im Juli 1855 in der Lüderitzschen Buchhandlung in Berlin ausgestellt werden. Lange gehörte es dem Schlesischen Museum der bildenden Künste in Breslau und befindet sich heute als Treuhandgut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Nationalgalerie (vgl. auch die Studie Inv.-Nr. A III 505).In einem Holzschnitt Menzels zum 15. Kapitel von Franz Kuglers »Geschichte Friedrichs des Großen« (1840–1842) ist das Ereignis schon in einer auf drei Personen konzentrierten Darstellung festgehalten. Aus dem Kontext wird deutlich, daß die Zeremonie keineswegs nur einer Routine folgte, sondern erst durch den erfolgreichen Verlauf des Feldzuges von 1741 ermöglicht wurde. Die Erbhuldigung im Fürstensaal des Breslauer Rathauses am 7. November 1841 sollte die auch in späteren Jahren umstrittene Eroberung Schlesiens legitimieren. Menzel folgt einem (apokryphen) Bericht von Friedrichs Freund Baron Bielfeld, wonach das Reichsschwert, auf das die Ständevertreter ihren Schwur leisten mußten, unauffindbar blieb, worauf Friedrich kurzentschlossen und keck seinen Degen zog, um es zu ersetzen.Eine Zeichnung Menzels (Verbleib unbekannt) verzeichnet die Namen der Anwesenden, unter ihnen Prinz Leopold I. von Anhalt-Dessau (hinter Feldmarschall Graf von Schwerin, der von Friedrich den Degen entgegennimmt) und Prinz August Wilhelm, Friedrichs Bruder (rechts vom König) sowie Staatsminister Graf von Podewils (an den Thronstufen). Rechts stehen Vertreter der Kirche. Bei der Übertragung in das große Format wurden Lichtführung und auch Figurenmotive verändert, was die Gesamtwirkung ruhiger und geschlossener, aber auch zeremonieller und konventioneller macht. | Claude Keisch

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Engländer in der Campagna

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Die Arbeiten von Spitzweg, der stets die Kehrseite der romantischen Motivik beleuchtete, zeigen statt einsamer Wanderer (vgl. etwa Carl Gustav Carus, »Pilger im Felsental«, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 416) kurzsichtig-neugierige Mineraliensammler, banale Familienausflüge oder den lauten, störenden Einbruch einer Schar von Ausflüglern in eine Landschaft. Dem modernen Tourismus begegnete Spitzweg schon auf seiner ersten Reise nach Italien 1832, ein Jahr vor dem Entschluß, den Apothekerberuf zugunsten der Malerei aufzugeben. Der Andrang banausischer Bourgeois schien damals Italien zu verderben. »Erträglich ist die Welt, wo der Engländer nicht hinkommt mit seinem Geld«, schrieb 1840 der Philosoph Friedrich Theodor Vischer (Brief vom 25.1.1840, in: Deutsche Briefe aus Italien, Leipzig 1965, S. 316). In Joseph Anton Kochs Pamphlet »Moderne Kunstchronik« (1834) heißt es, das moderne Rom sei »der Tummelplatz eingebildeter ästhetischer Dummköpfe, welche einer eingebildeten Faulheit pflegen und sich dabei hoch dünken, weil sie alles das als klassisch achten, was in ihrem gefrornen nordischen Gehirn noch nicht zur einheimischen Mode geworden« (zit. nach der Neuausgabe, Leipzig 1984, S. 81). Nach Kochs Beschreibung fallen die englischen Kunstreisenden mit besonders wahllosem Eifer und törichter Arglosigkeit betrügerischen Künstlern oder Wegelagerern in die Hände. Ein Abgrund trennt sie von den kultivierten englischen Kavalieren, die sich im 18. Jahrhundert auf der ›Grand Tour‹ porträtieren ließen. Auch Spitzwegs Touristen haben zur Romantik der römischen Ruinenlandschaft keine Beziehung; mit ihren Brillen, Reisehandbüchern und vielerlei praktischen Requisiten haben sie Zeichen ihres sehnsuchtslosen Fremdseins mitgebracht. Spitzweg schildert sie scharf pointierend, skizzenhaft flott und distanziert, nicht ohne Seitenblick auf die damals verbreiteten englischen und französischen Karikaturen. | Claude Keisch

Das Atelier der Gebrüder Gropius

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Nach seiner Lehrzeit an der Königlichen Porzellanmanufaktur war Gaertner ab 1821 für vier Jahre im Atelier des Dekorationsmalers und Theaterinspektors Carl Wilhelm Gropius tätig. Für den Bruder George Gropius, Verleger und Kunsthändler, schuf er mehrere Illustrationen zu Samuel Heinrich Spikers Architekturführer »Berlin in seinen Umgebungen im 19. Jahrhundert«, darunter eine Ansicht des Ateliers der Gebrüder Gropius. Vermutlich entstand in diesem Zusammenhang das kleinformatige Ölbild. Das Atelier war 1830 in der kurzen Bauzeit von nur 28 Tagen errichtet worden, als die Gropius-Brüder beauftragt wurden, dreißig großformatige Dekorationen für das neue Kaiserliche Theater in Sankt Petersburg zu malen. Dargestellt ist die nördliche Schmalseite des spitzgiebeligen Bauwerkes mit der Inschrift »Attelier der Gebrüder Gropius« über dem halbrunden Fenster sowie mit einer auf halb elf stehenden Uhr. Schräg gegenüber, an der Kreuzung Universitäts- und Georgenstraße, sieht man das Gebäude des 1827 von den Gebrüdern Gropius errichteten Dioramas, in dem illuminierte transparente Bilder von Landschaften, Städten und Ereignissen präsentiert wurden. Rechts im Hintergrund ist die Königliche Sternwarte mit dem ersten, Ende des Jahres 1832 errichteten Telegraphen Berlins zu erkennen. Das Gemälde kann deshalb wohl erst danach entstanden sein. Gaertner hat gänzlich auf Staffage verzichtet. Dies ist ungewöhnlich für den Künstler, zeigt doch auch sein Stahlstich für Spikers Buch zahlreiche Spaziergänger und Reiter. Belebend wirken hingegen die sich auf Fassaden- und Straßenflächen subtil entfaltenden Licht- und Schatteneffekte der Vormittagssonne. Das Bild ist weder datiert noch signiert worden und verblieb, vermutlich weil unvollendet, im Besitz des Künstlers. | Birgit Verwiebe

Klosterruine Oybin

Klosterruine Oybin

Das Kloster Oybin, südlich von Zittau in Sachsen über der Burg Oybin gelegen, war im 14. Jahrhundert von Kaiser Karl IV. gestiftet worden. Mitte des 16. Jahrhunderts gab man das Kloster auf, danach wurde es durch einen Blitzschlag zerstört und diente als Steinbruch. Dieses Gemälde der Klosterruine gehört zu den frühesten Tafelbildern Blechens. Die Komposition ist von monochromer, fast düsterer Farbgebung bestimmt. Über das gotische Bauwerk ziehen dunkle Regenwolken. Bäume umstehen das Gemäuer, das bereits von Buschwerk bewachsen ist. Den Klosterbezirk umschließt eine zerfallene Mauer, an deren Tor eine Familie auf regennassem Weg vor einem Unwetter Zuflucht sucht. Das sich an die Ruine schmiegende Haus, aus dessen Schornstein Rauch aufsteigt, wirkt hinfällig und verheißt zugleich Geborgenheit. Vor allem während der Romantik ist das Motiv der Ruine mit Vorstellungen von Vergänglichkeit und Jenseits verknüpft worden. Caspar David Friedrich, der bereits um 1812 die Ruine Oybin malte, könnte Blechen zu diesem Bild inspiriert haben.Das Thema mittelalterlicher Ruinen in wuchernder Natur hat Blechen mehrfach aufgegriffen. 1826 entstand eines seiner Hauptwerke, die »Gotische Kirchenruine« (Gemäldegalerie Neue Meister, Dresden), in der unter brüchigen Gewölben ein Pilger vertrauensvoll schläft. Ein Aquarell aus der gleichen Zeit, »Überschwemmte Kirchenruine« (Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloß Branitz, Cottbus), trägt auf einer Inschrifttafel Verse des Malers: »Es losch geweihter Kerze Schein. Es decket Moos des Altars Stein. Zertrümmert liegt der heilige Schrein, Die Glocke tönt nicht mehr.« Auch in seinen letzten Schaffensjahren stellte Blechen das Motiv gotischer Ruinen im Walde wiederholt dar (vgl. P. O. Rave, Karl Blechen, Berlin 1940, Kat.-Nr. 1862-1900). | Birgit Verwiebe