Logo

"Der Handkuss" - Dame, Kavalier, Junge und Hund auf einem Sockel

Ident. Nr.: 1908,20

ObjID: obj:2386370

Details (expert)

Creator/Entity
Entwurf: Anton Grassi (1755 - 1807),
Modelleur*in
Ausführung: Wiener Porzellanmanufaktur (1718–1864),
Hersteller*in
Date(s)
um 1785
Material / Technique
Biskuitporzellan
Dimensions
Höhe: 26,5 cm
Länge: 23,5 cm
Tiefe: 16 cm

Object Description

Die Figurengruppe ist auf einen hohen, quasi ovalen, felsartigen Sockel platziert: Auf einer Bank mit Tierfüßen sitzt eine Dame mit hoher Lockenperücke, langem Kleid und Berloque (einen Schmuckanhänger an der Uhrenkette) am Rockbund. Ihre Linke hält sie einem neben ihr stehenden Kavalier zum Handkuss entgegen. Der Kavalier hat eine Zopfperücke und trägt Rock, Weste, Culotte (Kniebundhose) und Schnallenschuhe. Seine Linke hält er an seinen Degen. An der rechten Seite der Frau lehnt ein kleiner Junge mit Schärpe. Den linken Arm hat die Frau auf der Banklehne abgelehnt - möglicherweise ist die Handhaltung jedoch nicht original, da es eine Bruchstelle am Unterarm gibt und in anderen Porzellanversionen die Hand der Frau auf der Schulter des Jungen liegt. Vor dem Jungen duckt sich ein kleiner Hund, ein Spitz, zum Spiel, dem der Junge seine Hände entgegenstreckt. Auf der Unterseite ist die Gruppe mit der Wiener Fabrikmarke (Bindenschild in Blau) bezeichnet.
Den Entwurf zu der Figurengruppe liefert Anton Grassi, der seit 1784 Modellmeister an der Wiener Porzellanmanufaktur war und hier maßgeblich den stilistischen Wandel vom späten Rokoko zum Klassizismus prägte. Die Gruppe "Der Handkuss" wurde in weiß glasiertem oder auch staffiertem Porzellan ausgeführt (Vgl.objekte im Wiener Museum für Angewandte Kunst und im Karlsruher Badischen Landesmuseum).
ClKa

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Weltallschale

Weltallschale

Eine Inschrift nennt 1589 als Entstehungsjahr und den Nürnberger Goldschmied Jonas Silber als Hersteller des in seiner Form wie im Bildprogramm ganz einmaligen Schaugefäßes. Der dreipassförmige Fuß symbolisiert die Kontinente Asien, Afrika und Amerika. Als Ständer fungiert der Paradiesbaum mit Adam und Eva, er trägt einen Knauf in Gestalt des Salomonischen Tempels. Die Unterseite der Schale stellt die politische Ordnung des Heiligen Römischen Reiches mit Kaiser, Kurfürsten und den Wappen der Reichsstände dar, während ihr Inneres eine Personifikation Europas in Form einer anthropomorphen Landkarte enthält. Diese erscheint gewestet, so dass Spanien das gekrönte Haupt, Italien den rechten und Dänemark den linken Arm der Figur bilden. Die dafür verwendete Vorlage ist ursprünglich bereits 1537 entstanden, als Spanien tatsächlich die Krone des Reiches innehatte.Der Deckel führt Innen die meist legendären königlichen Ahnherren der deutschen Nation vor Augen, während seine Oberseite eine Himmelskarte mit Sternzeichen zeigt. Über alldem thront Christus als Weltenherrscher. Im komplexen Bildprogramm der Weltallschale durchdringen sich religiöse und profane Themen. Sie formulieren merkbildartig reichspolitisch-nationale, wissenschaftlich-humanistische und heilsgeschichtlich-kosmologische Aspekte von Raum und Zeit.Das Werk gelangte 1703 als Huldigungsgabe der Halberstädter Juden in den Besitz König Friedrichs I. in Preußen. Aus einem damals beigefügten Schreiben ging angeblich hervor, dass das Gefäß im Auftrag und nach Weisung Kaiser Rudolfs II. (reg. 1576–1612) entstanden sei. Unter anderem mit Verweis auf die dezidiert deutsch-nationale Tendenz des Bildprogramms ist die Herkunft der Weltallschale aus dem Rudolfinischen Kunstkreis in der jüngeren Forschung jedoch bestritten worden. LL

Maria von einer Kreuzigungsgruppe

Maria von einer Kreuzigungsgruppe

Die Figuren der trauernden Maria „in der Mantelfülle“ (Inv. Nr. K 3866) und des Evangelisten Johannes (K 3865) waren ursprünglich Teil einer Kreuzigungsdarstellung. In fein differenzierter Weise reagieren sie gestisch und mimisch auf die einst über ihnen erscheinende Darstellung des Christus am Kreuz. Die klagend vor der Brust gekreuzten Hände der Maria und ihr demutsvoll wehmütiger Blick in die Ferne vermitteln einen Seelenzustand stiller mütterlicher Trauer, der von dem plötzlichen Entsetzen des Johannes spürbar abweicht. Der Lieblingsjünger Christi schaut erschrocken, mit beinahe abwehrendem Gestus auf zum Kreuz, als könne er das Geschehene nicht fassen. Die überzeugende Erfassung und nuancierte Darstellung menschlicher Emotionen machen die kleinformatigen Treibarbeiten zu Bildwerken von besonders hohem künstlerischen Rang. Die bewegte Faltenbildung, die fein gravierten Schmuckborten und die technisch perfekte Strichpunzierung an den Innenseiten der Mäntel entsprechen der herausragenden Qualität der Figurenbildung. Gesichter und Hände sind in einem blassen Inkarnatton und der Kopfschleier der Maria in weiß „kalt“ bemalt. Die Technik des teilweisen farbigen Fassens von Metallfiguren war in der zweiten Hälfte des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts besonders beliebt.Beide Figuren besitzen an der Unterseite Vorrichtungen für eine Montierung. Es bleibt allerdings fraglich, ob sie ursprünglich als Assistenzfiguren einer „Kleinen Kreuzigung“ auf einem architektonisch gebildeten Reliquiar ein so genanntes Kapellenkreuz bildeten, als Teil eines vielfigurigen Kalvarienberges dienten oder aber aus einem anderen Zusammenhang stammen. Die Statuetten befanden sich bereits im 18. Jahrhundert in der Kunstkammer der Hohenzollern im Berliner Schloss. LL

Himmelfahrt der Hl. Maria Magdalena

Himmelfahrt der Hl. Maria Magdalena

Die Gestalt Maria Magdalenas war mit verschiedenen in den Evangelien genannten Frauen gleichgesetzt und ihre Vita in den Legendarien zu einem abenteuerlichen Schicksal erweitert worden: Nachdem Jesus ihr die Sünden ihrer zügellosen Jugend vergeben hatte, gehörte sie zum engsten Kreis seiner Vertrauten, war die erste Zeugin seiner Auferstehung und verlebte die letzten dreißig Jahre ihres Daseins in vollkommener Askese als Einsiedlerin in der Wüste. Sie avancierte zu einer der am stärksten verehrten weiblichen Heiligen des Mittelalters.Ihre Versöhnung mit Gott belegt gleichnishaft ihre wundersame Erhebung, wie sie auch in der „Legenda aurea“ geschildert wird. Demnach wurde Maria Magdalena in der Wüste täglich zu den sieben kanonischen Gebetsstunden von Engeln in die Lüfte gehoben, um dem Lobgesang der himmlischen Heerscharen zu lauschen. Von dieser Speise war sie derart erquickt, dass sie keiner irdischen Nahrung mehr bedurfte, auch „strahlte ihr Antlitz so sehr vom immerwährenden Schauen der Engel, dass man eher in die Sonne hätte sehen mögen, denn in ihr Angesicht.Die Szene ist auf dem Glasgemälde anschaulich und nicht ohne Sinn für Dramatik ins Bild gesetzt. Scheinbar schwerelos und von zwei Engeln eher sacht berührt als getragen schwebt die Heilige vor rotem Bildgrund über einem jäh aufklaffenden Felsspalt. Ihr zum Zeichen der Askese von Fell bedeckter Körper, von dem nur Gesicht, Brüste, Hände und Füße ausgespart sind, ist wie die Lichtgestalten der Engel ganz in Weiß bzw. zartemRosa gehalten und bringt so das überirdische Leuchten ihrer Erscheinung zur Geltung.CVMA 98739