Deutsche Kolonialbilder.
Ident. Nr.: D (33 Q 1359) 173/1988,9
ObjID: obj:2576026
Details (expert)
- Involved
- Dating
- 1941
- Geographical references
- Material / Technique
- Papier, Pappe, Farbdruck, Schriftdruck
- Dimensions
- Höhe x Breite x Tiefe: 14 x 15 x 1 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2576026
Object Description
Gelbe Klapptasche mit Sammelbildern der Berliner Morgenpost mit der Aufschrift "Deutsche Kolonialbilder". Enthalten sind 52 Bilder pro Jahr. Auf der Tasche die Darstellung einer Weltkarte mit dem afrikanischen Kontinent im Fokus. Die die deutschen Kolonialgebiete sind eingezeichnet. Ebenso dargestellt sind als Umriss ein Kolonisator mit Tropenhelm im Profil, Schafe sowie deutlicher kleiner drei Afrikaner*innen mit Kopflast.
Die 52 Karten sind lose eingelegt. Auf der Vorderseite jeder Karte ist jeweils eine farbige Abbildung mit Bildunterschrift und auf der Rückseite ein erläuternder Text dazu.
Die Serie enthält je 52 Bilder pro Jahr. Um 1900 sind Sammelbilder beliebte Werbemaßnahmen, vor allem von Alltagswaren wie Margarine, Schuhcreme, Schokolade, etc. Im größeren, hier vorliegenden Format von 1941 waren sie auch bei Zeitungen gebräuchlich. Die farbig gedruckten kleinformatigen Bilder erschienen dabei meist in thematischen Serien, die Konsument*innen bzw. deren (jugendliche) Kinder sammeln konnten. Auf der Rückseite waren neben der Werbung für ein Produkt meist auch Erläuterungen zur Darstellung auf der Vorderseite zu sehen. Große Firmen produzierten hunderte Serien; Millionen von Sammelbildern waren im Umlauf. Sammelbilder, die koloniale Begebenheiten darstellen, bilden immer die Perspektive der Kolonialisatoren ab. Durch ihre weite Verbreitung trugen Sammelbilder als Medium der Massenkultur stark zur stereotypisierenden und rassistischen Wirkung von Abbildungen von Menschen aus den ehemaligen Kolonialgebieten bei.
Die Hülle der 52 Sammelbilder unterstreicht dies deutlich: Während der Kolonialisator mit Tropenhelm in einer passiven Haltung des Eroberers zu sehen ist, sind die Schwarzen Personen aktiv dargestellt. Sie tragen nicht nur die kolonialen Rohstoffe auf ihren Köpfen, sondern sind auch im Maßstab deutlich kleiner als der Kolonialisator dargestellt, vermutlich um ihre vermeintliche Unterlegenheit darzustellen.
Exemplarisch sei hier das Sammelbild Nr. 36 besprochen, das in der Woche vom 7.-13.9.1941 erschienen ist:
Das Bild zeigt eine Sisalplantage, die sich bis zum Horizont erstreckt. Im Bildvordergrund steht die einzige weiße Person zentral im Bildmittelpunkt. Typisch für die Darstellung ist, dass ihre Arme hinter dem Rücken verschränkt sind. Diese passive Körperhaltung findet sich auch in anderen Sammelbildern mit kolonialen Motiven und unterstreicht die Tatsache, dass auf den Plantagen die Einheimischen zum Arbeiten gezwungen wurden während die Kolonialisatoren lediglich die Arbeit überwachen. Ebenso typisch ist die weiße Kleidung mit Tropenhelm. Im Gegenzug werden die Arbeiter*innen immer bei verschiedenen Tätigkeiten gezeigt, häufig mit gebeugtem Rücken, wodurch sie auch optisch kleiner wirken. Hier sieht man sie die Blätter der Sisalagaven schneiden, bündeln und einen Eisenbahnwaggon damit beladen.
Sisal war eine in Ostafrika nicht heimische Pflanze. Ursprünglich aus Mexiko durften Pflanzenableger eigentlich nicht von dort ausgeführt werde. Dem deutschen Agrarwissenschaftler Richard Hindorf (1863-1954) gelang es über Umwege dennoch, dieses Verbot zu umgehen und Sisalableger aus Amerika zu besorgen. Sein Ziel, diese in das damalige deutsche Kolonialgebiet im heutigen Tansania zu bringen und dort. Sisal als Plantagenpflanze industriell anzubauen, erreichte er. Sisal war bis zum 1. Weltkrieg ein sehr wichtiger kolonialer Rohstoff für Deutschland.
Die 52 Karten sind lose eingelegt. Auf der Vorderseite jeder Karte ist jeweils eine farbige Abbildung mit Bildunterschrift und auf der Rückseite ein erläuternder Text dazu.
Die Serie enthält je 52 Bilder pro Jahr. Um 1900 sind Sammelbilder beliebte Werbemaßnahmen, vor allem von Alltagswaren wie Margarine, Schuhcreme, Schokolade, etc. Im größeren, hier vorliegenden Format von 1941 waren sie auch bei Zeitungen gebräuchlich. Die farbig gedruckten kleinformatigen Bilder erschienen dabei meist in thematischen Serien, die Konsument*innen bzw. deren (jugendliche) Kinder sammeln konnten. Auf der Rückseite waren neben der Werbung für ein Produkt meist auch Erläuterungen zur Darstellung auf der Vorderseite zu sehen. Große Firmen produzierten hunderte Serien; Millionen von Sammelbildern waren im Umlauf. Sammelbilder, die koloniale Begebenheiten darstellen, bilden immer die Perspektive der Kolonialisatoren ab. Durch ihre weite Verbreitung trugen Sammelbilder als Medium der Massenkultur stark zur stereotypisierenden und rassistischen Wirkung von Abbildungen von Menschen aus den ehemaligen Kolonialgebieten bei.
Die Hülle der 52 Sammelbilder unterstreicht dies deutlich: Während der Kolonialisator mit Tropenhelm in einer passiven Haltung des Eroberers zu sehen ist, sind die Schwarzen Personen aktiv dargestellt. Sie tragen nicht nur die kolonialen Rohstoffe auf ihren Köpfen, sondern sind auch im Maßstab deutlich kleiner als der Kolonialisator dargestellt, vermutlich um ihre vermeintliche Unterlegenheit darzustellen.
Exemplarisch sei hier das Sammelbild Nr. 36 besprochen, das in der Woche vom 7.-13.9.1941 erschienen ist:
Das Bild zeigt eine Sisalplantage, die sich bis zum Horizont erstreckt. Im Bildvordergrund steht die einzige weiße Person zentral im Bildmittelpunkt. Typisch für die Darstellung ist, dass ihre Arme hinter dem Rücken verschränkt sind. Diese passive Körperhaltung findet sich auch in anderen Sammelbildern mit kolonialen Motiven und unterstreicht die Tatsache, dass auf den Plantagen die Einheimischen zum Arbeiten gezwungen wurden während die Kolonialisatoren lediglich die Arbeit überwachen. Ebenso typisch ist die weiße Kleidung mit Tropenhelm. Im Gegenzug werden die Arbeiter*innen immer bei verschiedenen Tätigkeiten gezeigt, häufig mit gebeugtem Rücken, wodurch sie auch optisch kleiner wirken. Hier sieht man sie die Blätter der Sisalagaven schneiden, bündeln und einen Eisenbahnwaggon damit beladen.
Sisal war eine in Ostafrika nicht heimische Pflanze. Ursprünglich aus Mexiko durften Pflanzenableger eigentlich nicht von dort ausgeführt werde. Dem deutschen Agrarwissenschaftler Richard Hindorf (1863-1954) gelang es über Umwege dennoch, dieses Verbot zu umgehen und Sisalableger aus Amerika zu besorgen. Sein Ziel, diese in das damalige deutsche Kolonialgebiet im heutigen Tansania zu bringen und dort. Sisal als Plantagenpflanze industriell anzubauen, erreichte er. Sisal war bis zum 1. Weltkrieg ein sehr wichtiger kolonialer Rohstoff für Deutschland.
Last updated: 10.06.2026
Contact
Institution:
Museum Europäischer Kulturen
Email:
mek@smb.spk-berlin.de