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Psalterium und Breviarum graeco-latinum: Textseite mit Randzeichnungen: Die Drachen der Erde, Wind, Hagel Feuer, Berge, Bäume, Hirsche, Löwen, Raben, ein Hase, Kaiser und Kaiserin, König und Königin, Richter

Ident. Nr.: 78 A 9, fol. 241 verso

ObjID: obj:3516477

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Unbekannt,
Buchmaler*in
Date(s)
Herstellung: 13. Jh.
Systematics/Type
Dimensions
Blattmaß: 27,0 x 22,0 cm

Last updated: 27.11.2025

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Die Imker

Die Imker

Eine Aufschrift, vom Künstler selbst auf eine Zeichnung geschrieben, gibt die Gewißheit, daß der Sinn der Darstellung von ihm genau überlegt war. In diesem Fall ist ihr Inhalt (»die das Nest kennen, die kennen es, der es raubt, der hat es«) nicht leicht mit dem Sichtbaren in Einklang zu bringen, ja erst die Aufschrift macht allesproblematisch. Üblicherweise gehört sie zu Darstellungen des Sprichworts vom Vogelnest, wo tölpische Bauern einen Knaben beobachten, der frech ein Nest ausnimmt, das sie ebenfalls gekannt hatten, ohne aber ihr Wissen zu nutzen. Auf unsere Darstellung angewendet hieße das, die Imker bereiten mit professioneller Umständlichkeit das Einfangen eines Bienenschwarms vor, den ihnen ein flinker Junge kühn wegschnappt, wobei er, auf Schutzkleidung verzichtend, die schmerzhaften Stiche in Kauf nimmt. Wir sehen jedoch keinen Schwarm, auch keinen Sack, mit dem der Junge die Bienen fangen könnte, sein Tun im Baum bleibt unklar. Hätte Bruegel diese Aussage geben wollen, hätte er sie deutlich gemacht. Insofern hat eine neuerlich vorgeschlagene politische Deutung der Szene viel für sich: Bildersturm und darauf folgende Massenhinrichtungen durch Alba in Brüssel (seit August 1567; uns vertraut durch Goethes Egmont und Schillers Don Carlos) hatten ohne Zweifel auch Bruegel tief erschüttert. Karel van Mander, der niederländische Künstlerbiograph (1604) überliefert, daß Bruegel auf dem Totenbett politisch anstößige Arbeiten durch seine Frau vernichten ließ. War die Aussage verschlüsselt genug, durfte das Blatt erhalten bleiben.Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 183f., Kat. IV.22 (mit weiterer Literatur)

Frauen am Potsdamer Platz

Frauen am Potsdamer Platz

Von 1908/09 an weiten die Künstler der »Brücke« ihre Thematik hin zum »Aktuellen« aus. Ihre bislang bevorzugten Sujets - Interieurs, Porträts, Menschen in der Natur und Landschaften - verlieren nicht an Bedeutung, aber zur Seite treten ihnen nun Momentaufnahmen aus Variete und Zirkus, Stadtansichten und Straßenbilder.Kirchner steuert dazu die einprägsamsten Bilderfindungen bei, und er ist es auch, der auf Berlin, die Unruhe und die Verwerfungen des großtstädtischen Lebens erregter als die anderen antwortet. So wird er am Vorabend des Ersten Weltkriegs neben Meidner (vgl. Ident-Nr. SZ Meidner 6) zum Seismographen der latenten Spannung und des heraufziehenden Unheils.Die »Frauen am Potsdamer Platz«, die er in dieser Zeit auch in verschiedenen Gemälden darstellt, mögen heute auf den ersten Blick als mondäne Damen der Oberschicht erscheinen, denen Kirchner einen großen Auftritt gestattet. In Wahrheit sind ihr Aufzug und ihre Posen Lockmittel zum Kauf, denn es handelt sich um Huren, die sich auf einer Verkehrsinsel postiert haben. Der Vergänglichkeit ihrer Reize und ihrer stetigen Gefährdung entsprechen die Hektik der Menschen auf dem Platz, der heftige Bruch zwischen den Größendimensionen der Gestalten vorn und im Hintergrund, der manches Mal abrupte Wechsel von der Auf- zur Untersicht, die überschnell in die Tiefe fluchtende Straße und die aggressiv-spitzen Winkel, die z.B. hier und an den Ecken des Bahnhofsgebäudes mit der auf die Endlichkeit des Lebens verweisenden Uhr auftreten.»Wie die Kokotten, die ich malte, ist man jetzt selbst. Hingewischt, beim nächsten Male weg. Trotzdem versuche ich immer noch Ordnung in meine Gedanken zu bringen und aus dem Verworrenen ein Bild der Zeit zu schaffen, was ja meine Aufgabe ist.« So Kirchner im März 1916, nachdem er im Krieg körperlich und seelisch zusammengebrochen ist (s. Dube-Heynig 1961, S. 49). Seine »Frauen am Potsdamer Platz« sind neuzeitliche, prophetische Vanitas-Bilder.Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 443 f., Kat. VIII.8 (mit weiterer Literatur)