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Drehleierspieler

Ident. Nr.: 1868,1131

ObjID: obj:4186041

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Georges Pull (1810–1889)
Date(s)
Ausführung: um 1867
Geographical references
Material / Technique
Irdenware, bemalt und glasiert
Dimensions
Höhe: 28 cm

Object Description

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355
Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).
ClKa

Last updated: 11.08.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Gerippte Flötenvase mit figürlichen Chinoiserien

Gerippte Flötenvase mit figürlichen Chinoiserien

Gegenstück zur Flötenvase Inv. Nr. M 1841: "Achteckige Form, gerippt, über dem breiten Wulst (als Nodus) kelchförmig ausschwingend. Fußzone leicht ausgestellt. Unter der Mündung, ausgespart aus blauem Grund ein weit herabhängendes Behangwerk in Lambrequinform. Auf dem Nodus ein Behangwerk aus gefältelten Palmetten auf blauem Grund mit girlandenförmig hängenden 'Petersilienblättern'. Auf der hohen Wandung die bekannten chinesischen Figurengruppen in freier Landschaft: 1. eine aus hoher Kanne eingießende weibliche Person und Diener mit Tablett oder Schale, 2. eine am Tisch sitzende Dame mit hinter ihr stehenden Dienerin, 3. eine Schirmträgergruppe ohne Schirm, 4. Landschaft mit Lochfelsen und Büschen. Die Malerei bereichert eine feine Binnen- und Umrißzeichnung in schwärzlichem Grün. Unter dem Wulst, auf der Fußzone, chinesische Figuren in Landschaftskulisse." (Kat. Berlin 2001, "Herrliche Künste und Manufacturen", Kat. Nr. 66)Eine im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts in der Berliner Fayencemanufaktur von Gerhard Wolbeer entwickelte Spezialität waren gerippte Gefäße. Wie Christiane Keisch im Berliner Katalog von 2001 ausführt, war die die komplizierte Technik von der Delfter Fayencekunst nach Berlin übernommen worden. In Delft wurden mit dieser Form jedoch nur sehr selten figürliche Chinoiserien verbunden, da sich durch die Rippung gerade bei den Figuren bisweilen bizarre Verformungen ergeben.Keine Marke.Lit.: Kat. Berlin 2001, "Herrliche Künste und Manufacturen, S. 54, Kat. Nr. 66 (C. Keisch)ClKa

Großer Trichterpokal mit Kugel- und Olivenschliff

Großer Trichterpokal mit Kugel- und Olivenschliff

Kelch aus farblosem, etwas gelbstichigem Glas, schlierig, Abrissnarbe am Boden, angesetzter Massivbalusterschaft mit kleiner Luftblase, über einer Ringscheibe ist die trichterförmige Kuppa mit einem Kranz aus zwei versetzten, polierten Oliven verziert, der untere mit einem Rahmen aus mattierten Perlen, darüber ein Fries aus Vögeln und Blumen zwischen geblänkten Kugelungen, Mündungsrand verwärmt. Der Trichterpokal gehört zu einer Gruppe von formähnlichen Gläsern mit böhmisch anmutendem Dekor aus der Zeit vor 1700, die in der Literatur nach Brandenburg verortet wird (vgl. Poser, Berliner Becher, 2017; Fischer, Gläserne Pracht, 2011, Kat. 98, S. 83, Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 131, 133–136, 166–168; Rückert, Die Glassammlung, 1982, Bd. 2, Kat. 800–802, Taf. 245; Schmidt, Brandenburgischer Gläser, 1914, Taf. 4.2). Allein sechzehn Exemplare sind im Bestand der Stiftung Stadtmuseum Berlin vorhanden (publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas" auf museum-digital.de). Nahezu identische Gläser wurden zeitgleich auch im Riesengebirge hergestellt (vgl. Wierzchucka/Kügler, Barockes Glas, 2016, Kat. 20, S. 46; Jentsch, Licht und Rausch, 2004, Abb. 27, S. 49; Brožová, Sklo v Praze, Ars Vitraria 9, 1989, S. 17). Eine zweifelsfreie Zuschreibung ist unmöglich. Karl-Heinz Poser hat für ihn den Begriff "Potsdamer Kelch" geprägt (Poser, Berliner Becher, 2017). Trifft die Potsdamer Herkunft zu, hat diese charakteristischen Trichterpokale wohl ein in Berlin ansässiger, böhmischer Glasschneider veredelt. Dass hingegen auch andere zeitgenössische Kreideglashütten in Brandenburg Glasschneider beschäftigten, ist dokumentiert. Ab 1654 bis in die 1670er Jahre waren in Marienwalde und Grimnitz drei Brüder Gampe aus Böhmen tätig. Die Standorte Pinnow bei Oranienburg und Zerpenschleuse bei Wandlitz haben der Potsdamer Hütte um 1690 Konkurrenz gemacht und könnten ebenso gut die Rohlinge zur Weiterveredlung beispielsweise nach Berlin geliefert haben (Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 21, 35, 112). [Verena Wasmuth]MAKR

Aeneas und Anchises

Aeneas und Anchises

Figurengruppe auf rundem Sockel. Dargestellt sind der bärtige, muskulöse Aeneas, der seinen alten Vater Anchises auf dem Rücken trägt, sowie rechts von Aeneas dessen kleiner Sohn Ascanius. Der Modelleintrag (637) lautet: "Eine Gruppe der größten Art stellt den Aeneas vor, wie er, bei der Eroberung von Troja durch den Achilles, einen großen griechischen Heerführer, seinen alten Vater Anchises auf den Rücken nahm und ihn mit seinem Sohn Ascanius in völlige Sicherheit brachte." Aeneas trägt ein Löwenfell um die Hüfte und ist ansonsten unbekleidet. Anchises ist, der antiken Sage folgend, als schwacher und blinker Greis dargestellt. Er gleitet seinem Sohn fast vom Rücken. In seiner Linken hält er eine Figur, das Palladion – die Schutzgottheit der Familie. Sein Kopf ist mit einem zu einem Beutel gebundenen Tuch bedeckt, das bis nach unten reicht und auch seinen Unterkörper verhüllt. Ascanius blickt zurück (imaginär in das brennende Troja und Ausschau haltend nach seiner Mutter), er hält in der Rechten ein Räuchergefäß. Die monumentale Porzellangruppe datiert von 1766 und bildet, den Forschungen von Dorothee Heim zufolge, den Auftakt der Mitarbeit des Bildhauers Wilhelm Christian Meyer bei der KPM Berlin. Der pyramidale Aufbau unterstreicht den bildhauerischen Anspruch der Gruppe, deren Gestaltung die Herkunft Meyers als Großbildhauer zu erkennen gibt. Hierfür spricht auch das für eine Porzellanarbeit ungewöhnlich große Format von 46,3 cm Höhe. Brandrisse zeugen davon, dass die Manufaktur bei der Ausführung an die Grenzen ihrer technischen Möglichkeiten ging. Zwei weitere weiß glasierte Ausformungen befinden sich im Museum Schloss Fasanerie (Eichenzell bei Fulda) und im Nationalmuseum Stockholm.Lit.: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 238-243, Kat. Nr. 20.ClKa

Kelchglas mit Chronos und Fortuna

Kelchglas mit Chronos und Fortuna

Trichterförmiger Pokal bzw. Spitzkelch aus dickwandigem, farblosem Glas. Flache Fußscheibe, Fuß- und Schaftteil mit einem vertieften und polierten Rundbogenfries dekoriert, der im Wechsel mit stehenden Bogenfacetten einen schuppenähnlichen Effekt am Schaft bildet ("Muscheln"). Auf der Kuppawandung die tiefgeschnittene Darstellung des an einem Baum lagernden Chronos, die Personifikation der Zeit, als geflügelter, alter Mann mit Sichel, in der ausgestreckten Rechten eine Kugel, auf der Fortuna, die Personifikation des Schicksals bzw. Glücks, zu tanzen scheint und eine lange Fahne trägt. Darüber die Inschrift: Zeit und glück hat seine Tück. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Das Glas ist fortgeschritten krank. Der Form nach datiert der Pokal in die Zeit 1730 bis 1745, könnte demnach entweder noch aus der Potsdamer Glashütte stammen, die bis 1736 aktiv war, oder aber bereits aus der Nachfolgerin als brandenburgisch-preußische Hofglashütte in Zechlin, die 1737 die Arbeit aufnahm. Beide Hütten beschäftigten nacheinander dieselben Glasmachermeister und -veredler. Ein nahezu identisches Glas mit demselben Sujet und mit der Signatur von Elias Rosbach (tätig 1727–1765) und um 1735 datiert befand sich in der Sammlung Ernesto Wolf (Klesse/Mayr, Veredelte Gläser, 1987, Kat. 137). Dessen Schnittdekor weist eine noch detailreichere und feinere Qualität auf. Die allegorische Verbindung der Vergänglichkeit und des Glücks fand in der Kunst des Barockzeitalters europaweit Verbreitung. [Verena Wasmuth]MAKR

Pokal mit Grenadieren

Pokal mit Grenadieren

Pokal aus farblosem, leicht gelbstichigem Glas, Abriss am Boden, breiter, leicht ansteigender Fuß mit einem versenkten Spitzblattfries, der Balusterschaft über einem kleinen Nodus hat eine eingestochene Luftblase, darüber eine Trommelscheibe, diese sowie der Nodus sind mit einem Kranz aus mattierten Kugeln verziert. Der Baluster, wie auch der Ansatz der becherförmigen Kuppa wiederholt den Spitzblattfries vom Fuß. Die Kuppa ist dreiseitig mit je einer tiefgeschnittenen Grenadierfigur auf einem umlaufenden Landschaftssockel dekoriert, auf dem Kopf eine Grenadiermütze mit dem Monogramm "FR" (Fridericus Rex): Einer macht sich bereit, das geschulterte Gewehr zu laden, einer präsentiert das Gewehr und einer legt es zum Schuß an. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein polierter Fries aus eng gesetzten, großen Kugelungen. Das Glas ist fortgeschritten krank. Mit dem Regierungsantritt König Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) mehrten sich ab 1713 militärische Motive auf Potsdamer Gläsern. Die Darstellung ganzfiguriger Grenadiere in ähnlich freistehender Manier sind auf weiteren Beispielen dokumentiert, mitunter mit Ornamenten oder einer Inschrift (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 67–69, S. 134–136; Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1957, Abb. 12; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 20.2+3, 29.2). Aus derartigen Gläsern wurde sicherlich auf das Wohl des auch als "Soldatenkönig" bezeichneten brandenburgisch-preußischen Regenten getrunken. [Verena Wasmuth]MAKR