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Thronende Göttin Isis mit dem Horusknaben (Isis lactans)

Ident. Nr.: ÄM 11472

ObjID: obj:590573

Details (expert)

Creator/Entity
Heinrich Brugsch (18.2.1827 - 9.9.1894),
Grabungsleiter*in
Rudolf Mosse (8.5.1843 - 8.9.1920),
Mäzen*atin
Date(s)
Spätzeit (Ägypten)
Additional titles
Collection title: Thronende Göttin Isis mit dem Horusknaben (Isis lactans)
Translation: Enthroned goddess Isis with her son Horus (Isis lactans)
Geographical references
Material / Technique
Sandstein (Material / Stein), rot
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 15 x 3,7 x 8,4 cm

Object Description

Bei dem Objekt handelt es sich um eine, auf einem Thron sitzende, Figur der Isis, welche die Ehegattin und Schwester des Osiris ist. Thron und Rückenpfeiler sind mit Hieroglyphen beschriftet, wobei einige Zeichen Rückstände rötlicher Farbe erkennen lassen. Auf ihrem Schoß sitzt ihr Sohn Horus in Knabengestalt. Die stark rundliche Körperform der Isis steht im Kontrast zum kantig gestalteten Thron. Sie trägt eine dreigeteilte Strähnenperücke, in deren Mitte sich ein Uräus befindet. Der Kronenschmuck auf ihrem Kopf setzt sich aus einem Uräenkalathos und einem Kuhgehörn mit Sonnenscheibe zusammen. Der fehlende linke Unterarm der Isis stützte das auf dem Schoß sitzende Kind. Vom Horuskind selbst sind ausschließlich beide Beine und der rechte Arm erhalten. Seine Beine schmiegen sich an den linken Oberschenkel der Isis an und enden auf einem kleinen, aus dem Thron herausgearbeiteten Podest. Das Kind umfasst mit seiner rechten Hand den rechten Arm der Isis knapp unter ihrem Handgelenk. Waden und Füße der Göttin sind durch einen Steg mit dem Thron verbunden.
Als Muttergöttin ist Isis schon im Alten Reich in religiösen Texten belegt. Erste figürliche Darstellungen, die Isis als Mutterfigur zeigen, lassen sich seit dem Mittleren Reich finden. Sie wurden vermutlich als Weihgaben verwendet um Schutz und Unterstützung zu erbitten. Ihre Zaubersprüche zum Zwecke der Gefahrenbannung galten in erster Linie dem Schutz ihres Sohnes Horus, hielten mit der Zeit aber immer mehr Einzug in das Repertoire der Alltagszauber. Ab der Dritten Zwischenzeit verschiebt sich das bis dato königliche Privileg des Aufstellens von, meist kleinformatigen Götterfiguren, -statuen und -statuetten in die private Sphäre. Das Motiv der stillenden Isis, auch Isis lactans genannt, lässt sich bis in die römische Zeit nachweisen und diente letztendlich als Vorlage der christlichen Maria lactans.
Für die Datierung der Statuette können einige Merkmale herangezogen werden: Die füllige Körperform, der lächelnde Mund (‚Saitenlächeln‛) und das Doppelkinn der Isis sind kennzeichnend für die Spätzeit. Das Umgreifen der Isis durch das auf dem Schoß sitzende Kind und die Beine des Kindes, die auf einem kleinen Podest stehen, sind Merkmale, die ebenfalls ab der Spätzeit sicher auftreten und sich bis zur frühen Ptolemäerzeit nachweisen lassen. Ihr Kopfschmuck bestehend aus Kuhgehörn und Sonnenscheibe auf einem Uräenkalathos war bis zum Neuen Reich der Hauptschmuck der Göttin Hathor und wird ab diesem Zeitpunkt ikonographisch von Isis übernommen. Somit kann die vorliegende Statuette mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Spätzeit datiert werden.
(Lara Golla)

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Additional items from the collections

Statuette der Göttin Seschat

Statuette der Göttin Seschat

Die Bronzestatuette stellt die Göttin Seschat in stehender Haltung mit herabhängenden, eng am Körper liegenden Armen dar. Sie trägt über der Strähnenperücke einen Kopfschmuck, der aus einer Geierhaube mit einer Uräusschlange und der darüber liegenden Hieroglyphe ihres Namens besteht. Das hieroglyphische Zeichen setzt sich aus einer stilisierten Rosette auf einem Stängel, die von beiden Seiten von zwei sich anblickenden Schlangen umgeben ist, zusammen. Sie ist in einem eng anliegenden, knöchellangen Kleid gekleidet, über dem sie ein Halskragen trägt. An ihren Armen und Beinen sind zudem mehrere Arm- und Beinreifen zu sehen.Seschat war die Göttin des Schreibens, Rechnens und Bauwesens, die schon seit der ägyptischen Frühzeit belegt ist. Zudem war sie für die Gründung und den Erhalt der Tempel sowie dem damit verknüpften Fortdauern des Königtums verantwortlich. In der Zeit nach dem Alten Reich wurde Seschat verstärkt dem König zugeordnet. Daher erscheint sie auch häufiger in der Ikonographie des mit dem König und Tempel verbundenen Wesenszugs. Obwohl Seschat häufig auf Flachbildern belegt ist, sind bisher nur sehr wenige rundplastische Darstellungen von ihr bekannt. Sie sind zudem alle in die Spätzeit zu datieren. Die Berliner Bronzestatuette ÄM 19656 gehört zu der extrem wenigen Belegen aus der Spätzeit für die Darstellung der Seschat in rundplastischer Umsetzung.Bislang lässt sich die kultische Verehrung der Seschat lediglich vom Alten bis Mittleren Reich nachweisen. In der Spätzeit in Sais sowie ungefähr zeitgleich in Verbindung mit Thot in der oberägyptischen Stadt Hermopolis magna, ist der Kult der Seschat erneut belegt. Die spätzeitlichen Statuetten der Göttin könnten als Votivgaben in ihren Kultstätten geweiht worden sein.(I. Liao)

Kleiner Kasten mit Deckel aus dem Grab der Tadja

Kleiner Kasten mit Deckel aus dem Grab der Tadja

Aus dem reichen Grabinventar der Tadja aus Abusir el-Meleq stammt auch der kleine Schmuckkasten aus blauer Fayence. Er besitzt einen gewölbten, abnehmbaren Deckel und einen rechteckigen Kasten mit vier rechteckigen Füßen. Die beiden Teile sind mit Ritzdekorationen geschmückt und vollständig mit einer dunkelblauen Glasur überzogen. Alle Bildfelder werden von Doppellinien gerahmt. Auf der Vorderseite des Kastens sowie des Deckels ist jeweils ein mit einer Rosette verzierter Knauf angebracht.In dem Bildfeld auf der Vorderseite des Kastens flankieren zwei weibliche Personen mit Sistren eine mittig stehende, sich nach oben verjüngende Papyrussäule. Vor den Beinen der beiden Sistrumspielerinnen sind zwei Papyruspflanzen abgebildet. Ähnlich steht in der Mitte der Kasten-Rückseite eine sich nach oben verjüngende Papyrussäule, zu deren Seiten symmetrisch gespiegelt je eine Papyruspflanze und ein darüber fliegender Wasservogel dargestellt sind. Das Papyruskapitell ist bewusst halbplastisch ausgearbeitet und dient als Auflagefläche für das Scharnier des Deckels. Dem gleichen Dekorationsschema folgend zieren jeweils eine Papyrussäule und flankierende, stilisierte Papyrusdolden die beiden Schmalseiten des Kastens. Oberhalb der zentralen Papyrussäule ist ein querrechteckiges Loch eingefügt. Des Weiteren wird die Deckeloberseite von den rahmenden Doppellinien in zwei rechteckige Bildfelder unterteilt. Jeweils vier stilisierte, aufrecht stehende Papyrusdolden und drei Kreise schmücken die beiden Darstellungsflächen des Deckels. Die beiden giebelförmigen Felder der Deckelschmalseiten sind mit einer Kreuzschraffur geschmückt.Auffällig ist bei der Verzierung des Schmuckkastens die Dominanz der Motive, die mit der Papyruspflanze in Verbindung stehen. Die Papyruspflanze ist gleichzeitig die Hieroglyphe und Sinnbild für „Grünen“, „Gedeihen“ und damit verbunden ein heilbringendes Zeichen. Neben dekorativen Zwecken könnte ihr hier eine apotropäische Funktion zugeschrieben werden. Des Weiteren ist der Papyrus die Wappenpflanze Unterägyptens. Die besondere Hervorhebung des Papyrus auf dem Objekt hängt möglicherweise auch mit seiner Herkunft aus dem unterägyptischen Ort Abusir el-Meleq zusammen.I. Liao

Stelenartiges Ostrakon mit Darstellung des Gottes Amun in Gestalt einer Gans vor einem Adoranten mit Lotosblüte

Stelenartiges Ostrakon mit Darstellung des Gottes Amun in Gestalt einer Gans vor einem Adoranten mit Lotosblüte

Das Fragment einer kleinen Votivstele zeigt eine große Nilgans, die vor einem Fächer auf einem Sockel steht. Sie ist ein heiliges Tier des Gottes Amun. Vor ihr steht ein Mann und überreicht ihr Lotosblumen. Seine skizzenhafte Figur ist nur undeutlich zu erkennen, Teile des Kopfes und des Gesichtes sind abgesplittert. Auch die Inschrift über ihm ist nicht vollständig erhalten, sodass sein Name nicht rekonstruiert werden kann. Die Stele war zunächst nur bemalt gewesen. Die gemalte Inschrift über dem Fächer gibt einen Hinweis auf die Darstellung: „die schöne Nilgans des Amun, die die Bitten erhört“. Das bedeutet, dass sich Amun in Form der Nilgans dem einzelnen Beter zuwandte und ihm sprichwörtlich ein „Ohr lieh“ beziehungsweise „zuhörte“. Über den Textzeilen sind Reste einer bogenförmigen Linie erhalten, die die kleine Votivstele ursprünglich eingefasst hat. Diese war als Weihgabe für den Gott Amun in einer Kapelle oder einem Tempel aufgestellt. Grundsätzlich stellten diese Art von Stelen neben dem Namen der angesprochenen Gottheit ihr Symbol oder auch ihr heiliges Tier dar. Sie brachten die persönliche Frömmigkeit des Stifters zum Ausdruck. Das Motiv der Nilgans als heiliges Tier für den Gott Amun ist ein besonderes Phänomen im Neuen Reich. Eine Besonderheit dieser Votivstele ist ihre spätere Überarbeitung: Sie wurde nachträglich in Relieftechnik teilweise neu gestaltet. Die Umrisslinien des Opfernden und der Blumen, sowie des Sockels und des Fächers wurden im Kalkstein nachgeritzt. Über der Gans sind neue Hieroglyphen in die Oberfläche eingemeißelt worden, die Bereiche der ursprünglichen Beischrift überdecken. Auch die neue Einfassung der Stele ist mit einer eingekratzten Linie gekennzeichnet. Der Text im Relief nennt ebenso wie die gezeichnete Inschrift die „schöne Nilgans des Amun“. Damit war die scheinbar spätere, sekundäre Verwendung der Stele ebenfalls dem GottAmun gewidmet.(M. Jung)

Großer offener Topf mit einem demotischen Brief an einen Gott

Großer offener Topf mit einem demotischen Brief an einen Gott

Die demotische Aufschrift enthält eine in dieser Form singuläre Petition an Thot, verfasst durch Achoapis. Er wendet sich darin zuerst an den Gott sowie an zwei Personen, die vermutlich seine Eltern sind, Djed-Bastet-iuef-und Ar-Hep-er-Mennefer. Der zweite Teil enthält die eigentliche Petition, die im Namen der Frau Tetosiris vorgetragen wurde: Der Ascha-achi hatte der Tetosiris Gegenstände aus ihrem Haus gestohlen, vorher war er offenbar noch in einem andern Haus aktiv (?), dem eines Iripat und „Stadtzugehörigen“ namens Ipy. Tetosiris bittet den Gott daher um Bestrafung des Einbrechers. Abschließend wendet sich Achoapis noch einmal mit einem Segenswunsch an Thot.Die Hinwendungen nicht nur an den Gott, sondern auch an die Eltern des Abfassers dürften dazu gedient haben, dass letztere die Petition aus dem Jenseits unterstützen. Vermutlich wurde daher das Gefäß mit einem Trankopfer gefüllt am Grab der verstorbenen Eltern abgestellt, sicherlich in der Nekropole von Tuna el-Gebel. Tetosiris ist vermutlich eine Verwandte der genannten Personen, vielleicht Schwester, sicher aber nicht Frau des Achoapis, aber das geht aus dem Text nicht explizit hervor. Vielleicht konnte sie nicht selbst schreiben, oder solche Briefe durften nur von einem Mann/ dem Sohn abgefasst werden. Nach der Interpretation von Migahid verfassen Achoapis und Tetosiris gemeinsam die Petition. Dagegen spricht m. E. aber, dass Achoapis allein die finalen Segenswünsche formuliert. Außerdem würden sie wohl eher von „unserem Haus“ und nicht von „meinen Haus“ gesprochen haben. Einige Textstellen sind noch nicht abschließend übersetzt bzw. interpretiert. Der Topf gehörte ursprünglich zur Sammlung von Georges Michaelides (1900 - 1973), und wurde 1965 beim Antikenhändler "Bodes en Bode" in Amsterdam für das Westberliner Museum erworben.J. Moje

Gussform für ein Gegengewicht eines Menit

Gussform für ein Gegengewicht eines Menit

Ein Menit diente als Halsschmuck sowie als Rasselinstrument, bei dem mehrere Perlenketten an einem Gegengewicht befestigt waren. Dieses meistens sehr aufwendig gestaltete Gewicht wurde gewöhnlich aus Bronze in dafür bestimmten Gussformen angefertigt.Borchardt bezeichnete 1913 das im Haus Q 46.5 gefundene Model zunächst irrtümlich als „Gussform für ein Bronzemesser“. Einige Tage später vermerkte er jedoch, dass sich das Objekt auf „merkwürdige Weise“ zu einer „Form für ein mit einem Frauenkopf verziertes Gegengewicht“ veränderte. Im nahe gelegenen Haus O 47.11 wurde ein solches bronzenes Gegengewicht mit einer goldenen Tauschierung (ÄM 21838) gefunden. Am abgebrochenen, oberen Ende des Objekts ist das Profil einer Göttin mit einer Geierhaube zu erkennen. Vermutlich handelt es sich um Hathor, da diese selbst häufig mit einem Menit abgebildet wird und ebenfalls als Göttin der Musik und des Tanzes gilt. Während der Regierungszeit Amenophis’ III. spielte der Hathor-Kult in Theben, durch die Königsgemahlin Teje repräsentiert, eine zunehmend wichtige Rolle. Vermutlich steht auch die vermehrte Verleihung des Titels „Sängerin der Hathor“ in diesem Zusammenhang. Diese Priesterinnen sind häufig mit einem Menit oder einem Sistrum in der Hand dargestellt. Mit diesen Instrumenten versuchten die Musikerinnen, ihre Göttin gnädig zu stimmen.Die erstaunliche Ähnlichkeit der beiden Objekte lässt vermuten, dass sie ihren Ursprung im thebanischen Hathor-Kult hatten und aus der Zeit Amenophis’ III. stammen. Das von Borchardt gefundene Menit gelangte wahrscheinlich mit dem Umzug während der Herrschaft Amenophis’ IV. nach Achet- Aton, oder aber es bezeugt zusammen mit der Gussform das Weiterleben des Hathor-Kults in der neuen Hauptstadt.Nach: Hackbeil, C., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 266 (Kat.-Nr. 45).