Logo

Tulpenbecher

Ident. Nr.: ÄM 35510

ObjID: obj:602137

Details (expert)

Creator/Entity
George Andrew Reisner (5.11.1867 - 6.6.1942),
Grabungsleiter*in
Date(s)
Kerma (Mittel/Obernubien) (Sudan)
Geographical references
Material / Technique
Nilton (Material / Ton, gebrannt)
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 11,3 x 15 cm

Object Description

Die „black-topped red-polished ware“ ist die am häufigsten belegte Gefäßgruppe des Friedhofs von Kerma. Sie zeichnet sich durch ihre schwarz geschmauchten Ränder aus, die in tiefes Rot übergehen, und unvergleichlich dünnwandig sind, weswegen der Ausgräber George A. Reisner fälschlicherweise annahm, sie seien auf einer Töpferscheibe gefertigt worden. Viele dieser Gefäße sind gekennzeichnet durch einen metallisch-weißen Streifen am Farbübergang von Schwarz zu Rot.
Die sogenannten Tulpenbecher gehören angesichts ihrer Färbung und Herstellung zwar in die Gruppe der schwarz geschmauchten Gefäße, doch stechen sie durch ihre ausladende und rundbodige Form als typisch nubische Funde heraus.
Die Tulpenbecher fanden sich in Gruppen von vier bis fünf Exemplaren ineinander gestapelt in der Grabkammer vor den Betten der Verstorbenen, wurden aber auch den geopferten Menschen beigegeben. Häufig sind mehrere dieser Stapel in unmittelbarer Nähe zum Bestatteten nachgewiesen. Dieser Becher wurde zusammen mit zwölf weiteren bei einer der Nebenbestattungen im Grabtumulus K III entdeckt. Der größte Teil der 13 Gefäße wurde in Kopfnähe des Verstorbenen gefunden. Auf Grund der Gefäßform und Lage im Grab können die Tulpenbecher als Trinkgefäße verstanden werden.

Last updated: 25.08.2025

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Additional items from the collections

Jochgehänge aus Perlen mit aufgemalten Udjat-Augen

Jochgehänge aus Perlen mit aufgemalten Udjat-Augen

Die dicke und schwere Perlenkette unterteilt sich in 11 Perlen mit Udjataugen-Bemalung und 24 Perlen mit der Darstellung jeweils einer Iris mit Pupille (so genanntes Fischauge). Eine weitere Perle tritt singulär auf und stellt ein Anch-Zeichen („Leben“ und „Macht“) zwischen zwei Was-Zeptern auf der einen und einen Djed-Pfeiler („Stabilität“ und „Macht“) umgeben von zwei Was-Zeptern auf der anderen Seite dar. Die Kette wurde im Stall des Hauses N 51.3 gefunden und von Ludwig Borchardt als eventueller „Pferdeschmuck?“ bezeichnet. Nach Ulrich Hofmann handelt es sich um ein Jochgehänge, welches in der Keilschriftkorrespondenz mit dem Fürsten Tuschratta als „maninnu sa sisi“ („Kette für Pferde“) bezeichnet wird. Eine große Rolle spielte bei diesem Objekt die symbolische Funktion des Auges, das den Träger, in diesem Falle das Pferd, schützen und ihm Gesundheit schenken sollte. Als gesichert kann dabei die moderne Rekonstruktion mit den aneinandergereihten so genannten Udjataugen gelten. Dabei handelt es sich im übertragenen Sinn um das Auge des Horus, welches ihm gewaltsam von seinem Widersacher Seth entfernt worden war. Im Mythos heilt der Mondgott Thot das Auge, weshalb es als „udja“ – „gesund/heil“ bezeichnet wird. Seither wurde es als Schutz- oder Heilamulett getragen. Die Iris mit Pupille ist hingegen ein selteneres Motiv. Zum Schutz ihres Inhalts erhielten z. B. Glasgefäße ein derartiges Augenmuster, was aber vermutlich schlicht aus der einfachen Herstellungsweise resultiert. Runde Kreise waren weniger aufwendig in Glas zu fertigen als die vielen Biegungen des Horusauges. Fragmente solcher Gefäße sind im Ägyptischen Museum Berlin mit den Nummern ÄM 22091, 25558, 36762 und 36772 vertreten. Die Perle mit den Darstellungen des Anch, des Was-Zepters und des Djed-Pfeilers sollte dem Träger hingegen Lebendigkeit, Macht und dauerhafte Stärke verleihen, was für ein im Krieg eingesetztes Pferd unabdingbar war. Somit bildete das Jochgehänge nicht nur einen ansehnlichen Schmuck, der an der Seite des Pferdegeschirrs befestigt war, sondern war gleichermaßen ein Schutzamulett, welches den Träger und somit auch seinen Herrn stärken und ihm Macht verleihen sollte.Aus: Weber, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 214 (Kat.-Nr. 12).

Statuette einer Spitzmaus mit gravierten geflügelten Wesen auf dem Rücken

Statuette einer Spitzmaus mit gravierten geflügelten Wesen auf dem Rücken

Die kleine Bronzefigur sieht auf dem ersten Blick aus wie eine Spitzmaus, zeigt aber einen Ichneumon, das altägyptische Symboltier für Schutz und Schlagkraft gegen das Chaos. Das schlanke Tier (heute auch als ägyptischer Mungo bekannt) galt den Ägyptern als natürlicher Feind von Schlangen und gefährlichen Tieren, und wurde deshalb mit den Sonnengottheiten wie Atum oder Re verbunden. In der Tiergestalt des Ichneumon sah man ein Wesen, dass das Bedrohliche vertreibt und die Ordnung bewahrt.Die Statuette zeigt den Ichneumon ruhig stehend, mit aufmerksam vorgestreckter Schnauze. Seine Haltung wirkt wachsam, als sei er bereit, jederzeit eine unsichtbare Gefahr abzuwehren. Besonders faszinierend sind die eingravierten Darstellungen auf seinem Rücken: ein geflügelter Skarabäus und ein fliegender Geier. Beide Motive verstärken die Schutzfunktion der Figur.Der Skarabäus steht im Alten Ägypten für Wiedergeburt, Sonnenlauf und ständige Erneuerung – ein kraftvolles Symbol für das Besiegen der Dunkelheit. Der Geier wiederum ist das Tier der Göttin Mut oder Nekhbet, Schutzgöttinnen des Königtums und der Lebenskraft. Durch diese Kombination entsteht ein vielschichtiges Bild: Der Ichneumon trägt buchstäblich die solaren und königlichen Schutzmächte auf seinem Rücken.Gemeinsam formen Tier, Skarabäus und Geier eine kleine, aber bedeutungsvolle Komposition, die die altägyptische Vorstellung von magischem Schutz, Abwehr und kosmischer Ordnung perfekt einfängt. Die Figur stammt aus der Spätzeit (ca. 664 v. Chr.), einer Epoche, in der Kultbronzen besonders beliebt waren und die Verehrung von Tierformen blühte.L. Witt