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Fragment einer Scheuklappe

Ident. Nr.: ÄM 21193

ObjID: obj:606191

Schenkung James Simon, 1920

Details (expert)

Creator/Entity
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Date(s)
Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Additional titles
Collection title: Fragment einer Scheuklappe
Translation: Fragment of a blinker
Geographical references
Material / Technique
Bein (Material / Fauna)
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 11,2 x 4,8 x 0,6 cm

Object Description

Selten hat der Name einer Privatperson aus dem Alten Ägypten einen solchen Bekanntheitsgrad erfahren wie der des Bildhauers Thutmosis, dessen einzige Erwähnung sich auf diesem, zunächst unspektakulär aussehenden Fundobjekt befindet. Das anfangs als Fragment eines Gefäßdeckels angesprochene Elfenbeinstückchen verdankt seine Identifikation als Teil einer Pferdescheuklappe den Recherchen von Rolf Krauss und Marianne Eaton-Krauss und kann direkt mit einem Fund aus dem Grab des Tutanchamun sowie mit entsprechenden Darstellungen von Pferdegespannen verglichen werden.
Der bedeutende Fund trat bei den Ausgrabungen entlang der vier großen Baumgruben im Hof des Anwesens von P 47.2 und P 47.3 zutage und wurde im Grabungstagebuch am 17. Dezember 1912 folgendermaßen festgehalten: „Hier wird der ganze Nachmittag an dem großen Brunnen gearbeitet. Nördlich davon werden zwei tiefe Gruben gefunden, die vielleicht früher als Abfallgruben gedient haben. In der westlichen von diesen werden außer einem kl. Alabasterbruchstück und dem Feuersteineinsatz einer Sichel zwei Bruchstücke eines Gegenstandes aus Kupfer gefunden dessen Bedeutung einstweilen noch unklar bleibt. Borchardt, der sich nach dem Mittagessen im Hause verabschiedet, um mit dem 2 Uhr Zug nach Kairo zurück zukehren, erstattet der Grabung noch einen Abschiedsbesuch und konstatiert dabei in dem auf diesem Gegenstand sauber eingeritzten Schriftresten den lang ersehnten Namen unseres Bildhauers –– er heißt Thutmosis. Das Knochenfragment sieht so aus: (es wird also etwa in der skizzierten Weise zu ergänzen sein.) Die Seiten a und b sind im wesentl. vollständig erhalten, wie es bei b und c weiter ging läßt sich nicht mehr feststellen. Die Inschrift lautet „… für den vom guten Gotte Gelobten Vorsteher der Arbeiter und Bildhauer Thutmosis ...“ Auffallend ist es freilich, dass der Mann nicht (wie der bedeutende Oberbildhauer der Teje, Jwtj, Dav. Am. III, 18) Vorsteher der Bildhauer heisst, wie wir es für den Besitzer unseres stattlichen Hauses erwarten sollten. Sollte es am Ende der Name des Mannes sein, der das immerhin nicht schlechte Haus P 47,3 bewohnte und die Oberaufsicht über die umliegenden Werkstätten führte, aber unter den vornehmen Herrn von P 47,2 stand? Der Fundort des Stückes würde auch hierzu passen.“
Obwohl auf den ersten Blick die Identifikation als „Scheuklappenfragment“ noch nicht gelingen konnte, zeigen die Ausgräber bei ihren Schlussfolgerungen große Genauigkeit und Zurückhaltung, insbesondere bei der Zuweisung des Namens an einen der Hausbewohner, und betonen auch, dass Thutmosis lediglich als „Bildhauer“ und nicht als „Oberbildhauer“ bezeichnet wird. Diese Seriosität im Umgang mit dem Stück und der Inschrift ist in der Folgezeit sehr schnell aufgegeben worden, und aus dem „Bildhauer“ wurde – schon von Borchardt lanciert – ein „Oberbildhauer“, womit Thutmosis dann wie von selbst zum Schöpfer der Nofretete-Büste ausgerufen wurde.
Ungeachtet der außerordentlichen Bedeutung des Fundes des Scheuklappenfragmentes, sollten die Fakten bei der Interpretation hier zu größerer Zurückhaltung mahnen. Anderseits wird man an der mittlerweile festgefügten Bezeichnung „Bildhauerwerkstatt des Thutmosis“ wohl nichts mehr ändern können und sollen.
Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 396 (Kat.-Nr. 184).

Last updated: 24.08.2026

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Orakelstatue der Aphrodite Arsinoe II. Philadelphos in griechisch-ägyptischem Stil

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Standfigur des Meh-Chonsu (Mx-Cnzw), eine Osirisfigur haltend (Theophor)

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Pferdetrensen mit durchgehender Achse (Trensengebiss)

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Titel wie „Erster Streitwagenfahrer seiner Majestät“ oder „Vorsteher der Pferde(gespanne) des gesamten Pferdestalles“ zeigen deutlich, dass es in Achet-Aton eine größere militärische Einheit an Streitwagenlenkern und natürlich Pferdeställe gegeben haben muss. Die zahlreichen Abbildungen Echnatons und seiner Familie bei der Ausfahrt im Wagen sprechen ebenfalls für die Beliebtheit von Pferdegespannen.Pferde sind seit der Hyksoszeit (um 1648–1539 v. Chr.) in Ägypten nachweisbar. Ebenso ist die Streitwagentechnologie seit dem Ende der 17. Dynastie (um 1645–1550 v. Chr.) belegt und stammt ursprünglich aus dem vorderasiatischen Raum. Genutzt wurde der schnelle Wagen zur Jagd, zu Ausfahrten und zur sportlichen Betätigung der Elite, kam jedoch vorrangig im Krieg zum Einsatz. Da der Bogenschütze nicht gleichzeitig den Wagen lenken und schießen konnte, stand ihm ein Wagenlenker zur Seite.Mit Hilfe der zwingend notwendigen Trensen konnte der Streitwagenfahrer die Tiere leichter lenken und kontrollieren. Die Trense bildet denjenigen Teil des Pferdegeschirrs, der sich im Pferdemaul befindet und zum Zaum bzw. Riemengestell am Kopf gehört. Die seitlichen Knebel, die als Platten oder Stangen – selten als Scheiben – gestaltet sein können, verhindern das Herausrutschen aus dem Maul. Die beiden fast identischen Stücke des Trensenpaars ÄM 20493 stellen eine absolute Besonderheit dar. Die starre Gebissstange endet auf einer Seite in einem kleinen Knauf, auf der anderen in einer durchbohrten feingliedrigen Faust mit abstehendem Daumen. Die jeweils in einem Stück gegossenen Trensenknebel sind beweglich und wie ein großes durchbrochenes Speichenrad gestaltet. Die Speichen sind abwechselnd als Lotosdolden und Voluten gefertigt. Auf der glatten, nicht ausgearbeiteten Innenseite des Knebels, wo dieser am Maul anlag, sind vier kleine Prickel angebracht, auf deren Druck das Pferd bei jeder richtunggebenden Zügelbewegung sofort reagiert haben muss. Sonderbar ist das Fehlen von Ösen für die Befestigung des Zaums. Vermutlich – so Anja Herold, die Ludwig Borchardts Rekonstruktion im Grabungstagebuch folgt – wurden die Lederriemen direkt durch die „Radspeichen“ des Trensenknebels gezogen. Unklar ist die Funktion der jeweils nur auf einer Seite der Trense angebrachten Durchbohrung der Faust. Borchardt schrieb zu den Stücken im Tagebuch, dass vielleicht „dort ein Zierat (Wedel??)“ herunterhing. Möglich ist auch die Befestigung einer Leine zu den Jocharmen oder die Fixierung der Zügel.Für das Alte Ägypten ist die hier vorliegende Gestaltung der Gebissstange einmalig. Ähnliche Objekte mit Fäusten an den Enden der Stange stammen aus Luristan im Westen des Iran.Nach: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 212 (Kat.-Nr. 11).

Kopf einer Statuette der Königin Teje

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Das kleine Porträtköpfchen der Königin Teje gehört zu den ausdrucksvollsten Bildwerken der altägyptischen Kunst. Selbst wenn das Gesicht grundsätzlich den künstlerischen Normen der Zeit folgt, dürften auch individuelle Züge dieser bemerkenswerten Frauengestalt aus der altägyptischen Geschichte mit eingeflossen sein.Teje wurde als Tochter des „Priesters und Rindervorstehers des Gottes Min“ Juja und dessen Gemahlin Tuja um 1400 v. Chr. geboren und war somit nicht königlicher Herkunft. Die Familie stammte aus Achmim in Mittelägypten. Die bürgerliche Herkunft der Teje wurde durch die Nennung der Eltern im Rahmen des offiziellen Protokolls auf der Serie der so genannten „Hochzeitsskarabäen“ weithin propagiert. Die markanten Gesichtszüge dieses kleinen Statuettenköpfchens erwecken in uns subjektiv den Eindruck einer energischen Frau und starken, gebieterischen Königin, was durchaus der realen Stellung der Teje entsprochen haben dürfte, aber letztlich nichts über ihr tatsächliches Aussehen aussagen kann.Allerdings erhob Amenophis III. seine „Große Königliche Gemahlin“ in eine absolute Sonderstellung, da sie ihm nahezu gleichberechtigt an die Seite gestellt wurde. So übernahm sie auch in offiziellen Kulthandlungen den weiblichen Part göttlicher Rollen, was u. a. das Tragen der Doppelfederkrone mit Sonnenscheibe und Kuhgehörn in Anlehnung an die Göttin Hathor erklärt.Von der Übernahme dieser Symbolik legt auch dieses Figürchen Zeugnis ab, wobei der wohl mit Uräus-Schlangen geschmückte, ringförmige Kronenuntersatz zwischen Perücke und Doppelfederkrone verloren ist und so der ursprüngliche Eindruck der Statuette verfälscht wird. Hinzu kommt, dass man auch die erste Version der Kopfbedeckung unter der später aufgelegten und mit kleinen blauen Perlen besetzten Haube kaum erfassen kann. Erkennbar sind noch die prächtigen Ohrgehänge sowie ein Teil der schwarz korrodierten silbernen Haube, in die zwei Uräusschlangen über der Stirn der Königin eingelassen gewesen waren, deren Schlangenkörper sich unter der zweiten Kopfbedeckung abzeichnen. Mit Hilfe computertomographischer Aufnahmen aus dem Jahr 1995 konnten dagegen alle Details der ursprünglichen Gestaltung virtuell rekonstruiert werden.Über den Zweck dieser Umarbeitung ist sich die Fachwelt bislang nicht einig, doch dürfte der Zeitpunkt erst während der Amarna-Zeit oder unmittelbar danach anzunehmen sein. Auch die Funktion der ehemals ca. 35 cm großen Statuette, die aus den königlichen Anwesen von Medinet el-Gurob im Fayum stammt, bleibt ungeklärt. Entgegen anderslautender Interpretationsansätze wird an dieser Stelle die Umarbeitung allerdings nicht mit einer Erhebung Tejes zu einer Gottheit in Verbindung gebracht, da das Tragen eines Uräen-geschmückten Kalathos mit Doppelfederkrone, Sonnenscheibe und Kuhgehörn nicht nur bei Teje und Nofretete, sondern auch bei Anch-es-en-Amun und allen folgenden Königinnen zum gängigen Erscheinungsbild gehört. Die kugelförmige Perückenumarbeitung, die der Form des darunterliegenden „Chat“-Kopfputzes folgt, sollte hier nicht überinterpretiert werden. „Göttlich“ ist die Rolle der Teje allemal, aber sie wurde sicherlich weder wie die Stammmutter der 18. Dynastie, „Ahmes-Nefertari“, in den Status einer Art „heiliger Patronin“, noch in den einer „Göttin“ erhoben.Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 202 (Kat.-Nr. 4).

Standfigur einer Priesterin

Standfigur einer Priesterin

Statuen aus Bronze wurden ab der 25. Dynastie (746–655 v. Chr.) deutlich beliebter und vielfältiger. Großbronzen in Vollguss dieser Form sind heutzutage aber selten. Auch diese bronzene Frauenfigur ist gekennzeichnet von Spuren der vergangenen Zeit, da ihre beiden Arme fehlen. An einigen Stellen der Statue sind zudem noch Reste einer früheren Vergoldung zu finden. Besonders an der Figur ist vor allem ihre abnehmbare Perücke sowie ihr besonderer Frauenkörper. Dieser zeigt ein ganz neues Frauenideal. Der Körper wird üppiger und vor allem die Brüste und die Hüfte werden stärker betont und voller und langgestreckter dargestellt. Ansonsten wird der Körper von einem dünnen, durchscheinenden Gewand bedeckt, das bis zu den Füßen reicht. Bedeckt wird ihr Kopf von einem Diadem, das ebenfalls unter anderem aus Gold bestand.Die Statue ist zudem mit mehreren Götterdarstellungen eingraviert. Am Bauch befindet sich die Barke des Unterweltsgottes Sokaris, der oft mit seinem Schiff den Übergang zwischen Leben und Wiedergeburt darstellte. Auf der linken Hüfte ist Osiris mit Zepter dargestellt und auf der rechten Hüfte wird Osiris mit Krummstab dargestellt. Auf dem Rücken befindet sich eine Form des Osiris-Fetischs, die die abydische Herkunft des Osiris in abstrakter Weise darstellt. Die starke Repräsentation des Gottes Osiris könnte einerseits mit der Herkunft der Statue erklärt werden: Nach ägyptischem Glauben befand sich in Abydos das Grab des Osiris, sodass diese Statue ein Gegenstand späterer Praktiken gewesen sein könnte. Dies würde auch die abnehmbare Perücke erklären, da diese somit austauschbar war, womöglich um zu verschiedenen kultischen Ereignissen zu passen.Zugleich könnte die Statue als eine Darstellung einer verstorbenen Person interpretiert werden, da nur Götter der Totenwelt dargestellt werden. Die Verbindung von Sokaris und Osiris zur Totenwelt kann durch ihre Repräsentation auf der Statue den Übergang ins Jenseits unterstützen.Der Osiris-Fetisch ist bewusst auf der Rückseite der Statue angebracht. Diese Platzierung unterstreicht seine Funktion als Symbol des Jenseits, das sich ikonographisch „hinter“ der dargestellten Figur befindet. Er ist unter anderem mit der Sonnenscheibe geschmückt und verweist auf die untergehende Sonne im westlichen Gebirge. Beim Betrachten der Statue liegt das Jenseits somit im Rücken der Figur; dies deutet darauf hin, dass sie sich bereits in der jenseitigen Welt befindet und gleichsam aus ihr heraus in die Welt der Lebenden blickt.M. Suckau