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Prophet

Ident. Nr.: 369

ObjID: obj:863286

Details (expert)

Dating
Datierung: um 1410/20
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 86 x 31 x 28 cm

Object Description

Die stark untersetze Figur eines Propheten ist frontal ausgerichtet. Unter dem massiven Block der Gewandung ist das Standmotiv kaum zu erkennen. In der rechten Hand hält der Prophet ein sehr langes Spruchband, das an den Enden mehrfach eingerollt ist, unten geradezu schneckenhausartig zur Seite, und in der Mitte ohne erkennbaren Grund gestaut wird. Der linke Arm ist angewinkelt, der ausgestreckte Zeigefinger der Hand (verloren) wies auf eine bestimmte Stelle des Spruchbands. Über langem, gegürtetem Gewand mit Stehkragen, der vorn mit zwei Knöpfen geschlossen wird, fällt ein schwerer Mantel. Dieser wird oberhalb der Brust von einer offensichtlich gewirkten Kordel mit Quast an zumindest einem Ende gehalten. Durch eine bei Standfiguren übliche Raffung des Mantels unter dem linken Arm entsteht hier eine etwas unorthodoxe Struktur von Falten. Unmotiviert wie die Stauchung des Spruchbands in halber Höhe bilden sich besonders seitlich eigenartig kantige Faltenmotive heraus, die kaum geeignet sind, die lastende Stofflichkeit des Mantels glaubhaft zu vermitteln. Die eingerollten Tütenfalten am Mantelsaum unterhalb des linken Arms beginnen unvermittelt und zu weit unten. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass die Körper gotischer Tonfiguren aufgrund des Herstellungsverfahrens fast immer blockhaft und ihre Gewandfalten reduzierter zu sein hatten, muss dem Künstler der Berliner Figur mangelhafte Aufmerksamkeit gegenüber dem Prophetenkorpus bescheinigt werden.

Sorgfältiger ist der längliche, nach vorn und der frontalen Gesamtausrichtung der Figur folgende Kopf gestaltet. Die glatte Mütze mit Knauf auf der Oberseite drückt das lange und voluminös gelockte Haar nieder, das beidseits in den Nacken fällt. Ebenso symmetrisch ist die Anlage von Oberlippen- und gespaltenem Kinnbart. Durch die nur flüchtige Andeutung der Strähnen mit zum Teil ungenau verlaufenden Rillen wirken Haupthaar und Bart eher wie kompakte, nur locker strukturierte Flächen. Auch die Stirnfalten sind etwas hölzern: Die drei mit dem Messer in den feuchten Ton geritzten Horizontallinien etwa wurden an den Rändern nicht geglättet. Die völlig gerade verlaufende Nase und gleichförmige Augen verleihen dem Gesicht zwar einen relativ jungen Ausdruck, insgesamt aber wenig Individualität.

Auch deshalb, vor allem aber aus ikonografischen Gründen ist davon auszugehen, dass die Figur Teil eines größeren Zyklus alttestamentarischer Propheten gewesen ist, wie er im 15. Jahrhundert in verschiedenen Dimensionen und Zusammenhängen üblich war. Eine Identifikation ist oft nur durch die Inschriften möglich, die Passagen der jeweiligen Weissagungen wiedergaben. Sind diese verloren, wie in unserem Fall, muss die Gestalt heute anonym bleiben.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Last updated: 06.02.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler