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Marientriptychon

Ident. Nr.: 1238

ObjID: obj:863769

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Meister der Heiligen Sippe (der Ältere) (15. Jahrhundert),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1420
Additional titles
Collection title: Marientriptychon
Translation: Triptych: The Virgin and Child
Geographical references
Köln,
Stadt
Material / Technique
Eichenholz
Dimensions
Tafelmaß: Mitteltafel 39,5 x 33,5 cm mit Rahmen
Acquisition
1821 Ankauf aus der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin

Object Description

Der kleine Hausaltar übersetzt die Form eines großen dreiteiligen Altarretabels, eines sogenannten Triptychons, in Miniaturform. An einer größeren zentralen Tafel sind mittels Scharnieren bewegliche Flügel angebracht, die nur halb so breit wie die Mitteltafel sind. Diese Flügel können so vor das Mittelbild geklappt werden, dass sie es verschließen. Bei großen Altären sind auch die Außenseiten der Flügel bemalt, hier sind Rück- und Außenseiten nur rot gefasst. Die Mitteltafel unseres Triptychons zeigt Maria mit dem Christuskind auf dem Schoß, umgeben von vier hl. Jungfrauen, in einem blühenden Garten. Das mit mancherlei Blumen besetzte Rasenstück ist von einem Zaun umfangen und nach außen hin abgeschlossen. Maria ist durch eine Krone als »regina coeli«, als Himmelskönigin, gekennzeichnet. Die Jungfrauen sind durch Inschriften ihrer Namen in den Nimben und durch beigefügte Attribute bestimmt. Die hl. Dorothea in blauem Kleid, links neben Maria, trägt einen Kranz weißer und roter Rosen auf dem Haupt. Sie bietet dem Christusknaben ein Körbchen mit Rosenblüten dar. Sie war eine Jungfrau in Caesarea in Kappadokien, die während der diokletianischen Christenverfolgung den Tod erlitt. Die Rosen erinnern an ein Wunder während ihrer Marter. Vierzehn Nothelfern zu den auch sie zählt und zusammen mit den Jungfrauen Margareta, Katharina und Barbara zu den »virgines capitales«. Die heilige Margareta, rechts von Maria, in rotem Gewand und grünem Mantel, zeigt ein Kreuz. Während ihres Martyriums erschien ihr der Teufel in Gestalt eines Drachens, den sie mit dem Kreuz vertrieb. Links vorn in gelb-rot schattiertem Mantel sitzt die hl. Katharina. Sie war eine Jungfrau aus königlichem Stamm in Alexandrien in Ägypten. Kaiser Maxentius wollte sie vom christlichen Glauben abbringen und dazu zwingen, den heidnischen Göttern zu opfern. Sie widerstrebte und sollte durch das Rad gerichtet werden. Ein Engel verhinderte dies. Schließlich starb sie durch das Schwert. Dieses und Reste des Rades sind ihr als Attribute beigegeben. Die hl. Barbara, vorne rechts im roten Mantel, trägt einen Turm in ihrem Schoß als Erinnerung daran, dass ihr Vater sie in einem solchen verwahrte. Auch sie erlitt den Tod, weil sie ihrem Glauben treu blieb. Der eingefriedete, abgeschlossene Garten, in dem Maria mit anderen heiligen Jungfrauen auf dem Rasen ruht, ein »hortus conclusus«, ist nach dem Hohenlied Salomonis (»Du bist ein verschlossener Garten, meine Braut …«; 4, 12) auch eine Metapher für Maria. Die Gleichsetzung Mariens mit einem unberührten, verschlossenen Garten verweist sinnbildlich auf die Unbefleckte Empfängnis der Gottesmutter und auf ihre Jungfräulichkeit. Sie spielt aber auch an auf die Gleichsetzung Mariens mit der Braut des Hohenliedes der Bibel. Zugleich meint dieser Ort, an dem es immerwährend blüht, den Garten des Paradieses. Damit verbinden sich Vorstellungen himmlischer und ewiger Freuden. Darstellungen der Maria im Paradiesgarten finden sich seit der Zeit um 1400 mehrfach. Es sind von mystischer Gläubigkeit geprägte Andachtsbilder, die die Seligkeit der Gottesmutter und der Heiligen im Himmel den Gläubigen vor Augen stellen. Die beiden Seitenflügel zeigen einzelne Heilige. Auf dem linken Flügel ist die heilige Elisabeth, die Landgräfin von Thüringen, dargestellt. Sie hat sich während ihres Lebens in Marburg den Armen und Kranken zugewandt und sich deren Pflege gewidmet. Hier reicht sie einem bedürftigen Krüppel ein wärmendes Gewand. Auf dem rechten Flügel ist die heilige Agnes mit einem Lamm zu sehen. Sie starb den Martertod, um ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Das weiße Lamm als Attribut ist Hinweis auf ihre Unschuld. Der Anklang ihres Namens Agnes an »agnus« (Lamm) verbindet sie zugleich mit Christus, dem Lamm, das der Welt Sünde trägt. Der Stil der Tafel ist geprägt von einer hellen, blühenden Farbigkeit, wobei kontrastierende, changierende oder auch komplementäre Farbstellungen bevorzugt werden. Die Falten und Draperien der Gewänder sind in weiche, schmiegsame Kurven gelegt, wie sie charakteristisch sind für den Weichen Stil der Internationalen Gotik um 1400 und danach. Die puppenhaft schönen Köpfchen, die ohne tieferen Ausdruck sind, die maniriert gelängten Gestalten und das Preziöse der Gestik und Haltung spiegeln den Abglanz eines Schönheitsideals, das die höfische Gesellschaft dieser Zeit charakterisiert. Die Verkleinerung mancher Formen, etwa der Attribute – auch der Marterinstrumente–, bis hin zum Spielzeughaften zeigt das Bemühen um Zierlichkeit. Der Ausdruck des Weichen, Lyrischen und Empfindsamen, ferner des Preziösen, der Spätgotik ins - gesamt nicht fremd, kennzeichnet besonders die Kölner Kunst dieser Zeit. Im Stil steht dieses Altärchen der Malerei eines Altarretabels mit der Darstellung der Heiligen Sippe aus St. Heribert in Köln nahe (Köln, Wallraf-Richartz-Museum). Um dieses Werk hat man mehrere stilistisch ähnliche Gemälde gruppiert. Den mutmaßlichen Maler dieser Werke nannte man nach dem Altar aus St. Heribert Meister der Heiligen Sippe. Im Unterschied zu einem anderen anonymen Maler einer Heiligen Sippe vom Ende des Jahrhunderts heißt dieser auch Meister der älteren Heiligen Sippe oder der älteren Sippenaltars. Er war im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts tätig. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The small house altar transposes a larger three-part altarpiece, a so-called triptych, into miniature form. Moveable wings have been attached with hinges to a larger central panel. As they are each only half its width, they can be folded over to cover the middle panel. In larger altarpieces, the reverses of the wings are also painted, but here the back and outsides are simply done in red.

The central panel of this triptych shows Mary with the Christ child on her lap surrounded by four holy virgins in a garden full of flowers in bloom. The grass, strewn with a variety of flowers, is surrounded by a fence and hence closed off to the outside. Mary is wearing a crown, identifying her as regina coeli, the queen of heaven. The virgins are identified through inscriptions of their names in their
halos and by various accompanying attributes. To Mary’s left, Saint Dorothy in a blue dress is wearing a wreath of white and red roses on her head and is offering the Christ child a little basket of rose petals. As a Christian virgin, she was killed in Caesarea (Cappadocia) during the Diocletian persecution of Christians. The roses recall a miracle that occurred during her martyrdom. Together with the three Holy Helpers, Margaret of Antioch, Catherine of Alexandria and Barbara of Nicomedia, Dorothea is one of the virgines capitales.

To Mary’s right, Saint Margaret in a red robe and green mantle is holding up a cross. During her martyrdom, the devil appeared to her in the form of a dragon, which she banished with the cross. At the front on the left, wearing a mantle in shades of yellow and red, sits Saint Catherine, a Christian virgin from the royal tribe of Alexandria (Egypt). Emperor Maxentius tried to persuade her to relinquish her Christian faith and to force her to give sacrifices to pagan gods. She resisted and
was condemned to death by torture on the spiked wheel, but an angel intervened. Ultimately she died by the sword. Thus, the sword together with the remains of the spiked wheel are her attributes. Saint Barbara, in a red mantle at front right, has a tower on her lap, recalling the fact that her father kept her in a tower. She too was killed for remaining true to her faith.

The enclosed garden, a hortus conclusus in which Mary is resting on the grass with the other holy virgins, is also a metaphor for Mary as referred to in Solomon’s Song of Songs (“You are a garden locked up, my sister, my bride”; 4:12). The equation of Mary with an untouched, closed garden is an allusion to the Immaculate Conception of the Mother of God and to her virginity. At the same time it references the Bible’s equation of Mary with the bride in the Song of Songs. In addition, the garden where eternal flowers bloom recalls the Garden of Paradise, thus connecting ideas of heavenly and eternal joy. Several portrayals of Mary in the Garden of Paradise are to be found in the period around 1400. These are devotional images characterised by a mystical piety, which visually convey to the faithful beatitude of the Mother of God and the saints in heaven.

The two wings of the Mary Triptych show standing figures of saints. Saint Elizabeth, Landgravine of Thuringia, is depicted on the left. During her life in Marburg, she cared for the poor and the sick. Here she is seen giving a needy cripple a warm robe. The right wing shows Saint Agnes with a lamb. Saint Agnes was martyred for preserving her virginity. Her attribute, the white lamb, alludes to her innocence. The similarity between her name, Agnes, and the Latin word for lamb, agnus, also links her with Christ, the lamb who takes away the sins of the world.

In terms of style, the panel is characterised by its bright, vivid colouration. The artist is clearly fond of contrasting, iridescent and complementary colour schemes. The folds and draperies of the garments are depicted in the soft, supple curves characteristic of the “soft style” of International Gothic around 1400 and thereafter. The beautiful, doll-like heads without any profound expression, the mannered, elongated figures and the precious quality of their gestures and poses echo the ideal of beauty that characterised courtly society at this time. The diminution of some forms – the attributes, for instance, including the instruments of martyrdom – almost to the status of toys, testify to the artist’s striving to achieve a delicate portrayal. The soft, the lyrical, the sensitive and the precious, none of which was alien to the late Gothic period, are particularly characteristic of art in Cologne at this time.

Stylistically, this little altarpiece is close to the painting of an altarpiece from Saint Heribert in Cologne portraying the Holy Kinship (Cologne, Wallraf-Richartz-Museum). Several stylistically similar paintings have been grouped around this work. The painter of these has been named “Master of the Holy Kinship” after the Saint Heribert altarpiece. To distinguish him from another anonymous painter of the Holy Kinship from the end of the century, this painter is referred to as the “Master of the Holy Kinship the Elder” or “Master of the Older Kinship Altarpiece”. He was active during the first third of the 15th century. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 03.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Küchenstück mit dem Gleichnis vom Großen Gastmahl

Küchenstück mit dem Gleichnis vom Großen Gastmahl

In den Evangelien des Matthäus (22, 2-14) und des Lukas (14, 15-24) wird als Gleichnis für die Gerechtigkeit am Jüngsten Tag berichtet, wie ein reicher Pharisäer zu einem Gastmahl lädt, sich aber alle Gäste mit fadenscheinigen Entschuldigungen verweigern. Darauf schickt er seine Knechte auf die Straße und lässt Krüppel und Bettler in sein Haus bitten. Gott wird die zur Seligkeit Auserwählten nicht nach Reichtum und äußerem Ansehen bestimmen. Am Tage des Jüngsten Gerichtes wird er vielmehr die Armen und Kranken bevorzugen, da sie sich seiner Gnade wert erweisen. Wtewael verlagert in seiner Komposition das lebhafte, vielfigurige Geschehen in den Hintergrund, wo die von städtischen Plätzen herandrängen Armen zu erkennen sind. Links ist durch einen großen Rundbogen der Blick in eine Stadt freigegeben. Heftig bewegte und gestikulierende Menschen drängen von der Anhöhe draußen, über eine Straße heran und werden von einem Hausknecht an der Treppe mit einladenden Armbewegungen ins Haus gebeten. Rechts führt eine weitere rundbogige Öffnung in einen Saal des Hauses, in dem hinter den zahlreich an Tischen sitzenden Menschen hohe rundbogige Fenster den Blick ins Freie lenken. Gestützt auf einen Stab, von einem Mann und einem Hündchen begleitet, strebt ein Beinamputierter gerade dem gastlichen Saal zu und schafft so die Verbindung zwischen den beiden Hintergrundszenen. Obwohl der Maler mit diesem zweifachen Aufbrechen des Hintergrundes eine große Tiefenwirkung und einen lebhaften Licht- und Schattenwechsel erzeugt hat, wird die Aufmerksamkeit des Betrachters doch zunächst ganz vom Treiben vorn, von dem wie eine Bühne geöffneten Küchenraum in Anspruch genommen. Hier hantieren, das Festmahl vorbereitende Mägde und Knechte an den Tischen, zwischen Körben, Kesseln, Bottichen und Kannen. Die vertikale Betonung des Bildzentrums übernimmt eine schlanke junge Magd, die gerade Hühner auf einen Bratspieß reiht. In ihrer gespreizten, tänzelnden Pose scheint sie einer antiken Götterszene entstiegen zu sein. Auch der einen großen Fisch zerhackende Knecht, ein junges, sich liebkosendes Paar am Kamin mit offenem Feuer und ein kleiner, auf einen am Boden liegenden Kessel gestützter Knabe scheinen in ihren kraftvollen oder grazilen Haltungen dem vertrauten Figurenapparat mythologischer Szenen des Spätmanierismus entnommen zu sein. Und doch bewegen sie sich zwischen so gewöhnlichen Dingen wie Fischen, Wildbret, Kohlköpfen, Zwiebeln und Mohrrüben. Ein Hund und eine Katze erzählen, indem sie angriffslustig einen zwischen ihnen liegenden Fisch belauern, nebenbei eine kleine Tiergeschichte. Gerade aus der Zuordnung dieser alltäglichen Dinge zu den Gestalten ergeben sich volkstümliche allegorische Doppelbedeutungen, wie sie in der niederländischen Malerei verbreitet waren, dienten die Bilder doch auch der moralischen Belehrung des Betrachters. Dieser war gewohnt hinter der primären Darstellungsebene auch eine symbolische zu suchen. So galt der Fisch als christliches Symbol (hier zudem mit anderen Fischen kreuzweise am Boden übereinandergeschichtet) zugleich auch als erotisch-phallische Metapher. Zwiebeln, Möhren und Artischocken schrieb man aphrodisierende Kraft zu. Vögel und Hasen, gar das Aufspießen von Hühnern unterstreichen das erotische Moment. Die Frau verkörpert die Fleischeslust (voluptas carnis), mit der der Mann neben ihr vom christlichen Tugendpfad abgelenkt wird. Die alte Frau hinter dem Tisch mit Mörser und Stößel versinnbildlicht ebenfalls diesen Topos. In dem Paar rechts, das das Feuer der Liebe anfacht und einen Korb mit Eiern, Inbegriff der Sinnenlust, trägt, wird er am deutlichsten. Die an malerischen Details und allegorischem Gedankengut reiche Bilderfindung hat Wtewael in einer ebenfalls signierten Federzeichnung (Kunstsammlungen Weimar, Kupferstichkabinett) vorbereitet, die jedoch in einigen Partien – etwa der Straßensituation, dem Eingang zum Haus und der Anordnung der Gegenstände in der Küche – von dem Berliner Bild abweicht. Wtewael steht mit seiner Darstellung in der Tradition der flämischen Maler von Küchen- und bäuerlichen Marktszenen, wie Pieter Aertsen und Joachim Bueckelaer. Seine helle, sehr farbige Palette und sein feines Gespür für malerische Atmosphäre zeugen italienischen und französischen Farb- und Formeindrücken, die er auf Reisen empfangen hatte. Das Berliner Bild, von dem noch drei weitere Fassungen bekannt sind, lässt sich sehr wahrscheinlich bis in den Nachlass der Witwe von Jan Nicquet, Amsterdam 1612, zurückverfolgen. 1927 konnte es mit Mitteln des Kaiser Friedrich Museumsvereins für die Berliner Galerie aus dem Berliner Kunsthandel erworben werden. Irene Geismeier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. am Mauerpfeiler rechts: W•TE•WÆL / FECIT•ANo•1605.____________________________________________________________The gospels according to Saint Matthew (22:2–14) and Saint Luke (14:15–24) tell of a parable of the Last Judgment, in which a rich Pharisee invites guests to a feast but all decline with flimsy excuses. At this, he sends his servants out into the street to ask cripples and beggars to dine in his house. God will not decide whois called to be blessed according to their wealth and outward appearance. At the Last Judgement, he will favour the poor and the sick instead, as they show that they deserve his mercy.In his composition Wtewael moves this lively scene with its numerous figures to the background, where the poor can be seen hurrying in from the streets of the town. On the left, a large round-headed arch allows a view of the town. Gesticulating, urgently moving people are pressing forward down a street from higher ground, and are being asked inside by a servant on the steps whose arm gestures usher them into the house (fig. left). On the right, a further opening with a round arch leads into a room of the house where tall, round-arched windows behind numerous people sitting at tables provide a view outside. Supported on a stick, with a companion and a small dog, a one-legged man is heading towards the banqueting room, thus linking the two background scenes. Although the artist has created a great depth of field and a lively alternation of light and shade through this double break in the background, the viewer’s attention is entirely captured at first by the foreground activity, by a kitchen that is opened out like a stage. Here the maids and manservants preparing the feast are busy at the tables, between baskets, cauldrons, tubs and jugs. The vertical emphasis at the centre of the painting is given by a slender young maid who is skewering a row of chickens on a roasting spit. With her straddling, dance-like pose, she seems to have emerged from a scene of the ancient gods. The servant chopping up a large fish, the young couple caressing each other at the open fire, and a small boy leaning on a cauldron placed on the floor also seem, in their vigorous or graceful postures, to derive from the familiar repertoire of figures from the mythological scenes of late Mannerism. Yet they move among such everyday things as fish, game, cabbages, onions and carrots. At the side, a dog and a cat, lying in wait to pounce on a fish lying between them, tell a little tale of animals.The arrangement of these everyday items in relation to the figures generates folksy, allegorical double meanings of the kind that were common in painting from the Netherlands, as the pictures also served to give moral instruction to beholders who were used to looking behind the primary pictorial level to find a symbolic one. Thus, the fish was seen as a Christian symbol (in this case, furthermore, layered on the floor cross-wise with other fish) and simultaneously as an erotic, phallic metaphor. Aphrodisiac powers were ascribed to onions, carrots and artichokes. Birds and hares, even the skewering of chickens, underline the erotic component. The woman embodies physical desire (voluptas carnis), which diverts the man next to her from the path of Christian virtue. The old woman behind the table with a pestle and mortar also symbolises this topos. The clearest representation of the theme is the couple on the right, kindling the fire of love and carrying a basket of eggs, the epitome of sensual desire. This visual invention, rich in painterly details and allegorical ideas, was prepared by Wtewael in a pen drawing (Kunstsammlungen Weimar, Kupferstichkabinett), also signed, which diverges in parts from the painting in Berlin, for example in the street scene, the entrance to the house and the arrangement of items in the kitchen. With this depiction, Wtewael has a place in the tradition of Flemish painters of kitchen and rustic market scenes such as Pieter Aertsen and Joachim Bueckelaer. His pale, brightly coloured palette and his fine sensitivity for picturesque atmosphere bear witness to Italian and French impressions of colour and form that he received on his travels. The Berlin painting, of which three further versions are known, can in all probability be traced back to the bequest of the widow of Jan Nicquet, in Amsterdam in 1612. In 1927, it was acquired for the Berlin Gemäldegalerie from a Berlin art dealership with funds from the Kaiser Friedrich Museumsverein. Irene Geismeier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die heilige Cäcilie

Die heilige Cäcilie

Nachdem Rubens am 30. Mai 1640 verstarb, ging von insgesamt 300 hinterlassenen Gemälden eine Tafel mit der Darstellung einer Heiligen Cäcilia als Dank für vermittelnde Tätigkeiten an Jacob van Ophem aus Brüssel. Es ist anzunehmen, dass es sich bei diesem Werk um das Berliner Gemälde handelte, das somit zu einem der letzten von Peter Paul Rubens ausgeführten Werken zu zählen ist und ohne Auftrag entstand.Dargestellt ist in lebensgroßer Gestalt die heilige Cäcilie, Schutzheilige der Musik und des Orgelspiels, wie sie am Virginal musiziert. Inspiriert und bewegt, mit großen gen Himmel gewandten Augen, geöffneten Lippen und geröteten Wangen lauscht sie den Klängen überirdischer Musik. Alles scheint in Entzückung und Bewegung: ihr braunes lockiges Haar, die seidig glänzenden und zarten Stoffe ihrer Kleidung. Ihre Finger berühren kaum die Tasten des Instruments, sogar ihr rechter Fuß hat sich aus dem Pantöffelchen gelöst. Sie ist umgeben von Putten, die ebenfalls von den himmlischen Klängen ergriffen zu sein scheinen. Inszeniert hat Rubens diese Szene in einem monumentalen Innenraum, der sich nach links hin zu einem Ausblick in die Weite einer sonnendurchfluteten Landschaft öffnet. Am rechten Bildrand ist eine übermächtig proportionierte Säule, Symbol ihrer unbeirrbaren Glaubensstärke, zu erkennen, an deren Postament sie auf einer Steinbank sitzt. Das rechts zu ihren Füßen schlafende Hündchen dürfte dagegen als allgemein gebräuchliches Treuesymbol auf das Eheverhältnis Cäcilies zu ihrem Gatten Valerian zu deuten sein, den sie am Tage der Hochzeit zum wahren Glauben und zu einer keuschen ehelichen Bindung bekehrte. Der Legenda aurea zufolge erlitten beide zusammen den Märtyrertod.In seiner Darstellung der heiligen Cäcilia präsentiert Rubens das eigentlich ungegenständliche Phänomen des Erklingens und Aufsteigens von Musik. Unwillkürlich assoziiert man bei dem Bild mit dem Reichtum der Farbklänge auch Musiktöne, die Rubens als herausragender Kolorist in einer Art von sinnlichem Rausch in zahllosen Farbnuancierungen und -facetten umsetzt. Zugleich gestaltete er in dem Bild jedoch auch eine der empfindsamsten Darstellungen seiner zweiten Frau, Hélène Fourment (1614-1673), die er 1630, vier Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, als Sechzehnjährige heiratete. Nachdem er 1635 den alten Landsitz „Het Steen“ unweit von Mechelen erwarb, lebte das Paar dort bis zu Rubens Tod 1640.Der Eindruck, dieses großformatige, ausdrucksstarke Bild sei aus einem Guss gefertigt, trügt. Auch hier liegt dem Kunstwerk ein längerer Entstehungsprozess mit eindrucksvollem Arbeitsverlauf zugrunde. Zunächst als Halbfigurenbild angelegt wurde es in einem Anlauf nach unten hin zu einem Ganzfigurenbild erweitert, um anschließend nochmals nach links und rechts ergänzt zu werden. Die komplexe Konstruktion der Tafel setzt sich damit aus insgesamt sieben Brettern zusammen.In bestimmten Bereichen lassen sich Farbaufträge feststellen, die erst ganz zum Schluss in schneller und technisch nachlässiger Manier aufgetragen wurden und lange Laufspuren dünnflüssiger Farbe aufweisen. Es ist vermutet worden, dass die Ursache hierfür in Gichtanfällen, an denen er seit 1626 zu leiden hatte und die kurz vor seinem Tod schließlich zur vollständigen Lähmung der Hände führten, liegen könnte. Inwiefern es sich hierbei um Partien handelte, die noch weiter ausgeführt hätten werden sollten, ob Rubens – aus welchen Gründen auch immer - der frühere Anspruch an die technische Qualität seiner Malerei unwichtiger geworden war oder sogar andere Hände zur Vollendung beigetragen haben, muss offen bleiben. Katja Kleinert und Babette Hartwieg | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019_________________________________________________________________________Rubens died on 30 May 1640, leaving behind 300 paintings. One of these, a panel entitled Saint Cecilia was gifted to Jacob van Ophem from Brussels in recognition of his services. It can be assumed that this picture is the Berlin painting, which would make it one of the last works completed by Peter Paul Rubens and suggests that it was not painted for a commission.The picture portrays Saint Cecilia, the patron saint of music and organ playing, showing her sitting and playing a virginal. Inspired and moved, she looks up towards heaven with large, limpid eyes, open lips and flushed cheeks, listening to the sound of divine music. Every detail speaks of rapture and delighted motion: her wavy brown hair, the silky sheen and delicate flow of the fabrics of her gown. Her fingers barely touch the keys of the instrument and even her right foot has slipped out of her shoe. She is surrounded by cherubs who also seem enraptured by the heavenly sound of the music. Rubens presents this scene inside a monumental interior, with a window to the left opening out onto a wide, sun-dappled landscape. On the right edge of the painting, there is a massive column, a symbol of Cecilia’s unwavering and strong faith. The saint is shown sitting on a stone bench next to the pedestal. The small dog, shown asleep beside her right foot, can be understood as a commonly used symbol of marital fidelity and it applies to the marriage between Cecilia and her husband, Valerian, whom she converted to the true faith and a chaste marriage on the day of their wedding. According to the Legenda aurea they suffered martyrdom together.In his portrayal of Saint Cecilia, Rubens attempts to depict the immaterial phenomenon of the sound of music and how it rises up. Involuntarily, upon seeing the painting, one associates the richness of the colour tones in the picture with musical tones, which Rubens, as an outstanding colourist, translates into a kind of sensual intoxication by using countless shades and nuances. At the same time, this painting is also one of the most penetrating and perceptive portraits of his second wife, Hélène Fourment (1614–73), whom he married four years after the death of his first wife, in 1630 when she was 16. In 1635, he purchased the old country mansion “Het Steen” not far from Mechelen, where the couple lived until Rubens’ death in 1640.The impression that this large, highly expressive picture was painted successively on the basis of a set composition is deceptive. This is another Rubens painting that was the result of a very long period of creation with an astonishing genesis. Initially composed as a half-figure picture, it was extended downwards to form a full-figure and then details and figures were subsequently added on the left and right. The complex structure of the panel consists of seven boards.In specific sections there are areas where the paint was obviously applied rapidlyright at the very end and in a slightly slap-dash manner, even to the extent that there are long drips or runs of thin paint. A likely explanation for this is the gout in his hands that had afflicted Rubens since 1626, and which shortly before his death had almost fully paralysed his hands. Whether these are sections that would have been corrected at a later point, or whether for whatever reason the technical quality of his paintings had simply become less important for the artist, or even whether others helped to complete the picture are all matters for conjecture. Katja Kleinert und Babette Hartwieg | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Brustbild eines Apostels

Brustbild eines Apostels

Vor dunklem Hintergrund ist ein braunhaariger Mann mit Vollbart wiedergegeben, der sein markantes Kinn leicht erhoben hat und den Betrachter direkt anblickt. Seinen braunen Mantel über einem schlichten weißen Hemd hat er großzügig um die Schultern drapiert. Van Dycks energische Pinselführung unterstreicht den eindringlichen Gesichtsausdruck. Es handelt sich hierbei um die vorbereitende Studie eines Kopfes für das großformatige Gemälde „Christus im Hause von Simon“. Dieses entstand um 1618 in der Rubenswerkstatt und befindet sich heute in der Petersburger Eremitage. Van Dyck, der um 1615 bereits selbstständig arbeitete, wurde erst 1618 als Meister Mitglied der Antwerpener Gilde. In dieser Zeit war er u.a. als Mitarbeiter von Rubens aktiv und hatte wesentlichen Anteil am Simon-Gemälde.| Britta Bode________________________________________________________________________________A brown-haired man with a full beard is portrayed in front of a dark background, his distinct chin slightly raised and looking directly at the viewer. His brown coat, over a simple white shirt, is generously draped over his shoulders. Van Dyck’s vigorous brush strokes emphasize the intense facial expression. This is a preparatory study of a head for the large painting “Christ in the House of Simon”, which was painted in 1618 in Rubens’ workshop, now in the Hermitage in St. Petersburg. Although, Van Dyck joined the painter’s Guild of Antwerp to become a master as late as 1618, he had already worked independently by 1615. In that time, amongst other things, he worked with Rubens and is responsible for a substantial portion in the Simon painting.| Britta Bode

Vanitas-Stillleben

Vanitas-Stillleben

Vanitas, lateinisch für „Eitelkeit“, war ein zentrales Konzept in Literatur und bildender Kunst des Barock. In der niederländischen Malerei bildete sich mit den Vanitasstilleben im 17. Jahrhundert eine eigene Untergattung heraus. Immer neue Kombinationen von symbolisch besetzten Gegenständen gemahnten an die Vergänglichkeit des Lebens und der irdischen Güter. Potter arrangiert hier vor einem großen Himmelsglobus einen Totenkopf, einen Geldsack und ein Stundenglas. Die davor aufgeschichteten Bücher und Papiere sind charakteristisch für die Leidener Ausprägung der Stillebenmalerei. Die Universitätsstadt galt als Hochburg der Wissenschaft und bildete zugleich ein Zentrum der Vanitasmalerei. Potter arbeitete dort ab 1628 für einige Jahre, was sich in der Wahl der Motive für dieses Bild widerspiegelt.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf einem Blatt Papier: P Potter f 1636___________________________________________________________________________________________________________________________Vanitas, Latin for „vanity“, was a central concept in literature and the visual arts of the Baroque period. Vanitas still-lifes evolved into an independent genre in 17th century Dutch art. Continually new combinations of symbolic objects developed, reminding of the transience of life and earthly belongings. Potter arranges a skull, a money bag and an hourglass in front of a large celestial globe. The layered books and papers are characteristic of the Leiden variant of still-life paintings. The city, with a large university, was considered to be the center of sciences and also of vanitas still-life painting. Potter worked there from 1628 for a couple of years, which is reflected in the choice of motifs in this work.| Britta Bode