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Étienne Chevalier mit dem heiligen Stephanus

Ident. Nr.: 1617

ObjID: obj:865553

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Jean Fouquet (um 1420 - 1481),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1455
Systematics/Type
Additional titles
Étienne Chevalier mit dem heiligen Stephanus
Translation: Étienne Chevalier with Saint Stephen
Material / Technique
Eichenholz
Dimensions
Tafelmaß: 95,9 x 88,2 cm
Acquisition
1896 Ankauf aus der Sammlung Ludwig Brentano, Frankfurt am Main

Object Description

Fouquet ist der erste französische Maler von internationaler Bedeutung, dessen vielseitiges Schaffen schon bei seinen Zeitgenossen lebhafte Bewunderung hervorrief. Die Wirkungsstätte Fouquets war Tours, in der damaligen Zeit das wichtigste geistige und kulturelle Zentrum Frankreichs. Hier residierten die französischen Könige Karl VII. (1403-1461) und Ludwig XI. (1423-1483), für die Fouquet, der freilich erst 1475 zum königlichen Hofmaler ernannt worden ist, Gemälde und Buchminiaturen schuf. Der exklusive Geist des Hofes und seiner Auftraggeber, der Maria von Cleve, des mächtigen Kanzlers Guillaume Jouvénal des Ursins und des einflussreichen Schatzmeisters Étienne Chevalier, fanden in der Kunst Fouquets eine adäquate Entsprechung. Das kostbare, prächtig illuminierte Stundenbuch, das Fouquet für seinen Gönner Étienne Chevalier geschaffen hat, legt hiervon ein ebenso beredtes Zeugnis ab wie unser Bild, das Chevalier in Begleitung des heiligen Stephanus zeigt. Die Tafel bildete einst die linke Hälfte eines Diptychons, das sich über dem Grab Chevaliers und seiner Gemahlin im Chor der Kirche Notre-Dame in Melun, unweit von Paris, befunden hat. Damals umgab ein kostbarer Rahmen die Tafeln. Er war mit blauem Samt beschlagen, trug vergoldete Medaillons mit biblischen Szenen und in Perlenstickerei die sich mehrfach wiederholenden Anfangsbuchstaben vom Vornamen des Stifters. Um 1773 wurde das Diptychon von seinem Standort entfernt und seines Rahmens beraubt; die Tafeln wurden getrennt veräußert. Durch glückliche Umstände gelangte die Stiftertafel in den Besitz des Dichters Clemens Brentano und seines Bruders Georg, der damals einen großen Teil der berühmten, heute in Chantilly (Musée Condé) bewahrten Miniaturen Fouquets besaß. 1896 konnte die Tafel von der Familie Brentano für das Museum erworben werden. Das Gegenstück mit der Darstellung der Madonna ist 1840 in das Museum von Antwerpen gelangt. Étienne Chevalier, der aus Melun stammte, war vom »Secrétaire du roi« zum »Trésorier de la Françe« aufgestiegen. Unter Karl VII. und Ludwig XI. hatte er ein beträchtliches Vermögen zusammengebracht. Wichtige diplomatische Missionen, mit denen er betraut wurde, bezeichnen die Etappen seiner steilen Karriere. Das von Fouquet geschaffene Bildnis lässt etwas von der Macht und dem Einfluss Chevaliers erahnen. An seiner Seite steht sein Namenspatron, der heilige Stephanus, der die rechte Hand auf die Schulter des Stifters gelegt hat und in der linken Hand ein Buch und den scharfkantigen Stein als Zeichen seines Martyriums trägt. Eindrucksvoll ist das durchgeistigte Gesicht des Heiligen gestaltet. Den Hintergrund bildet eine durch Pilaster gegliederte, sich perspektivisch verkürzende Renaissancearchitektur mit eingelegten Platten aus farbigem Marmor, deren Sockel den sich wiederholenden Namen des Stifters trägt. Der Heilige und der Stifter wenden sich der Madonna zu, die einst auf der rechten Tafel des Diptychons dargestellt war. Blaue und rote Engel umringen den mit Perlen und Edelsteinen geschmückten Thron der Gottesmutter. Alter Überlieferung zufolge soll die Madonna die Züge der Agnès Sorel (um 1422-1450) tragen, der einflussreichen Mätresse Karls VII., zu deren Testamentsvollstrecker Chevalier bestellt worden war. Die Porträtähnlichkeit mit der als schönste Frau Frankreichs hoch gerühmten »Belle Agnès« ist tatsächlich nicht zu leugnen. Eine derartige Profanierung der sakralen Sphäre hätte durchaus dem bizarren, widerspruchsvollen Geist jener Zeit entsprochen, die so zutreffend als der »Herbst des Mittelalters« bezeichnet worden ist. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010
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This panel was originally the left-hand half of a diptych in the cathedral of Notre Dame de Melun, placed over the tomb of the founder’s wife. The corresponding right-hand wing with a depiction of the Madonna is now in Antwerp. The founder, Étienne Chevalier (d. 1474), is kneeling in the foreground, accompanied by his patron saint, St. Stephen. The sharp-edged stone on the book in his hand refers to the stoning by which the martyr met his death. Étienne Chevalier was ambassador and chancellor under Charles VII and Louis XI of France and was entrusted with numerous diplomatic missions. In 1463, he was sent to Lille to redeem the cities on the Somme from fiefdom to Burgundy. Stephan Kemperdick | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

SIGNATUR / INSCHRIFT:

(Cheval)ier Estien(ne)

Last updated: 02.10.2026

Contact

Institution:

Gemäldegalerie

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"Entstanden im Anschluß an die Madonna Solly (Kat.Nr. 141) in Perugia unter dem Einfluß Peruginos und Pintoricchios [...]. Den Typus dieses Dreifigurenbildes, eines Halbfigurigenbildes der Madonna mit flankierenden Heiligen, deren Köpfe über ihrer Schulterkontur sichtbar werden, hat Raffael von Perugino übernommen, (vgl. sein Bild im Louvre, Paris von 1493). Der Typus bildet in Raffaels malerischen Oeuvre eine Ausnahme. Das Bild fällt in jene Phase (1500-03), in der Raffael sich von der Kunst Pinturicchios berührt zeigte, vor allem von dessen Hauptwerk in Perugia, dem Altarbild von S. Maria dei Fossi (1495-98): die Neigung des Madonnenkopfes, seine Drehung ins Profil, eine gewisse zuspitzende Artikulierung der Gesichtszüge und die eher flächige Anlage der Komposition sind pintoricchesk. - Eine Federzeichnung aus der Werkstatt Peruginos (Wien, Albertina, Sc. R. 97), die früher auch Pintoricchio und Raffael selber zugeschrieben wurde, zeigt die gleiche Komposition etwas variiert. Eine Vorzeichnung Raffaels für den Kopf des Hieronymus befindet sich in Lille (Musée Wicar). - Eine Wiederholung (ehemals (?) New York, Slg. Warburg [seit 1959, Cambridge, Mass., Fogg Art Museum, 1959.36: Originalmalerei fast komplett verloren gegangen] ) wurde von Longhi als originale Zweitfassung angesehen." Weitere alte Kopien in Knole, Kent, Slg. Lord Sackville und Florenz, Palazzo Pitti, 18.10.1989, Nr. 536. (Schleier 1975 mit Ergänzungen von Contini 2019).