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Idealstadt

Ident. Nr.: 1615

ObjID: obj:867142

Credit: Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins

Details (expert)

Creator/Entity
zugeschrieben: Francesco di Giorgio Martini (1439 - 1501),
Maler*in
frühere Zuschreibung: Pietro di Francesco degli Orioli (1458),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1490
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Idealstadt
Translation: Ideal City
Geographical references
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technique
Pappelholz
Dimensions
Bildmaß: 131 x 233 cm
Acquisition
1896 Ankauf im Florentiner Kunsthandel

Object Description

Wollte man die Vorstellungen von Bildorganisation in der italienischen Frührenaissance mit nur einem einzigen Beispiel aus der Berliner Sammlung belegen, wäre diese architektonische Vedute auszuwählen. Vergleichbare exzeptionelle Darstellungen des Raums gibt es lediglich noch in The Walters Art Gallery in Baltimore und in der Galleria Nazionale delle Marche in Urbino. Die Einzigartigkeit der Veduten innerhalb der Malerei des 15. Jahrhunderts kann deshalb nicht genügend hervorgehoben werden. Die Forschung hat für diese Bilder stets vorrangig theoretische Ansprüche betont. Man sah darin Demonstrationen zu den Vorschriften für zentralperspektivische Konstruktion und ideale, im Geiste des Humanismus formulierte Variationen urbaner Raumordnung. Die Architekturbücher des Leon Battista Alberti oder des Piero della Francesca, die Regeln Vitruvs und die Schriften des Augustinus über den Gottesstaat wurden interpretierend herangezogen und Parallelen zu den unterschiedlichen Typen des Bühnenbilds gefunden. Bemerkenswert erscheint die Ideenverbindung zu der illustrierten Abschrift von Euklids De aspectum diversitate, die 1458 für den Humanisten Francesco del Borgo angefertigt wurde und sich in der Bibliothek von Federico da Montefeltro befand. Bei der Berliner Tafel wird zudem auf die genaue Übereinstimmung mit einer Beschreibung von Piers und Hafenanlagen in Francesco di Giorgio Martinis Trattato di Architettura hingewiesen, der wohl in Urbino begonnen wurde. Sie gilt als die – bewusst? – archaischste und unterscheidet sich auch in den Abmessungen von den übrigen Stücken. Die Komposition rechnet wahrscheinlich mit drei wechselnden Standpunkten des Betrachters. Dieser wird mittels einer gemalten Loggia von dem, so scheint es, begehbaren Bildraum getrennt. Vorgetäuschtes Kassettenwerk unten und an den Seiten bindet die Tafel andererseits als ein dekoratives Raumganzes unmittelbar in die Wohnwelt ein. Mit Sicherheit ein Spallierabild, konnte die konkrete Funktion bisher nicht nachgewiesen werden. Die Aufstellung vor einer Wandtäfelung ist anzunehmen; es deshalb für die Rückwand eines Ruhebetts zu halten, scheint akzeptabel. Einige Parallelen zu derartigen Perspektiven gibt es bei Intarsien. Ein Zentrum dieser Technik war Urbino, wo im reifen Quattrocento Mathematik, Baukunst, Innenausstattung und Malerei unter der Herrschaft von Federico da Montefeltro in Theorie und Praxis besonders eng miteinander verknüpft waren. Die Berliner Vedute stammt wahrscheinlich aus diesem Kulturkreis; als Schöpfer wurden daher Künstler in Betracht gezogen, die dort tätig waren: Piero della Francesca, Luciano Laurana, Francesco di Giorgio. Es sind nur Indizien, die für die Autorschaft des letzteren sprechen, wobei die Forschung offenlässt, ob er die Darstellung selbst malte oder ob sie nach einem Karton von ihm angefertigt wurde. Erhebliche Veränderungen in der Ausführung gegenüber der geritzten Vorzeichnung sprechen jedenfalls für eine eigenständige Arbeit. Die Neigung, Fragen nach der Autorschaft sowie nach Ort und Zeitraum der Entstehung der drei Stücke für künftige Erkenntnisse möglichst offenzuhalten, herrscht gegenwärtig vor. Hannelore Nützmann | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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If the purpose were to demonstrate concepts of pictorial organisation in the early Italian Renaissance by means of one single example from the Berlin collection, the choice would fall on this architectural veduta. Comparable exceptional representations of space are otherwise found only in The Walters Art Gallery in Baltimore and in the Galleria Nazionale delle Marche in Urbino. The uniqueness of these vedute in 15th-century painting cannot therefore be sufficiently emphasised. Scholarship has always primarily drawn attention to the theoretical aims of these works. They were regarded as demonstrations of the rules of construction according to central perspective and ideals, as variations on urban spatial planning propounded in a humanist spirit. The architectural books of Leon Battista Alberti and Piero della Francesca, the rules of Vitruvius and the writings of Augustine about the City of God were cited in interpretation, and parallels to diverse types of stage scenery were found. There is a remarkable connection of ideas to the illustrated copy of Euclid’s De aspectum diversitate that was made in 1458 for the humanist Francesco del Borgo San Sepolcro and kept in the library of Federico da Montefeltro. In respect of the Berlin panel, attention was also drawn to its exact correspondence to a description of piers and harbour installations in Francesco di Giorgio Martini’s Trattato di Architettura, which was probably begun in Urbino. It is seen as the (consciously?) most archaic veduta and also differs from the other pieces in its dimensions. The composition is probably calculated according to three changing positions of the beholder, who is separated by a painted loggia from the image space, which, it appears, the viewer can enter. An illusion of coffering below and at the sides connects the panel, in turn, as a decorative entire room, directly to the beholder’s living space. It was certainly a spalliera image, a decoration of backboard, but it has not so far been possible to show its specific function. It can be assumed that it was placed before wall panelling, and to regard it as the back of a divan therefore appears an acceptable theory. Some parallels to perspectives of this kind can be identified on intarsias. A centre of this technique was Urbino, where mathematics, architecture, interior fittings and painting were especially closely linked in theory and practice in the flower of the Quattrocento under the rule of Federico da Montefeltro. The Berlin veduta probably derives from this artistic circle; artists who were active there have therefore been considered as its creator: Piero della Francesca, Luciano Laurana, Francesco di Giorgio. There are merely some indications in favour of the last-named as the originator, and research results leave open the question of whether he painted this view himself or whether it was made after a cartoon by him. Considerable changes in the execution compared with the scratched preparatory drawing support the view that it was an independent piece of work. The prevalent tendency at present is to leave open, with a view to future findings, questions of the authorship of the three pieces and of the place and time of their production. Hannelore Nützmann | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 22.06.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Allegorie auf Friedrich den Großen als Gründer des deutschen Fürstenbundes

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Im Katalog der Berliner Akademieausstellung von 1787 (als Nr. 2) wird das Gemälde folgendermaßen beschrieben: „Der Fürstenbund. Friedrich der Zweite, der mit einer Fackel die Waffen des Krieges angezündet hat, umwindet mit dem friedlichen Oehlzweige, den ihm die Staatsklugheit vorhält, das Bund Wurfpfeile, welches ihm von der Göttin Deutschlands dargereicht wird, hinter dieser steht die Göttin der Eintracht, die man an ihren beiden zusammengeschlungenen Fruchthörnern erkennet.“Der deutsche Fürstenbund wurde auf Anregung Friedrichs des Großen im Jahre 1785 gegründet. Anlass war ein Gesuch des bayerischen Erbfolgers, Herzog Karl von Pfalz-Zweibrücken, um Schutz vor dem Drängen Kaiser Josephs II., Bayern im Tausch gegen die österreichischen Niederlande an das Haus Habsburg abzutreten.Ein Kontrakt zwischen Preußen und den Kurfürstentümern Hannover und Sachsen gründete den Bund, dem sich auch kleinere Länder schnell anschlossen. Die Koalition zerfiel beim Tod des Preußenkönigs im August 1786. Das Gemälde basiert auf Anregungen des mit Rode befreundeten Lyrikers und Logik-Professors an der Berliner Kadettenanstalt, Karl Wilhelm Ramler. Es gehört zu der sogenannten Fridericiana, einer losen Folge von nachträglich zur Serie erklärten Gemälden Rodes, die zwischen 1786 und 1795 entstanden und sich bildkünstlerisch mit der Biografie Friedrichs des Großen (1712–1786) befassen. Die Fridericiana folgt ideologisch der Brandenburgiana, einer zwischen 1757 und 1763 entstandenen Serie von Gemälden Rodes mit Ereignisdarstellungen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. am Altar: B. Rode 1786

Allegorie auf Friedrich den Großen als Perseus

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Das Gemälde basiert thematisch auf einer „Anleitung zum Gebrauch allegorischer Personen für bildende Künstler“ des mit Rode befreundeten Lyrikers und Logik-Professors an der Berliner Kadettenanstalt, Karl Wilhelm Ramler: „Die Göttin der Weisheit zeigt dem gewaffneten Helden in ihrem spiegelhellem Schilde was hinter seinem Rücken vorgeht: er sieht darin eine schlangenhaarige Göttin schlafen. Sogleich zieht er seinen Degen, noch ehe sie wach wird“. Die Dynamik des Vorgangs wird am rechten Bildrand durch den rücklings ausweichenden geflügelten Genius mit dargebotener Rüstung, Waffe und Lorbeerkranz hervorgehoben. Dazu bietet die dramatische Wolkenlandschaft des Hintergrundes den geeigneten bildkünstlerischen Resonanzraum für die sinnbildliche Darstellung der bedeutenden historischen Entscheidung Friedrichs des Großen, unangekündigt in Sachsen einzumarschieren und damit den später so bezeichneten Siebenjährigen Krieg (1756–1763) zu beginnen. Das Gemälde gehört zu der sogenannten Fridericiana, einer losen Folge von nachträglich zur Serie erklärten Gemälden Rodes, die zwischen 1786 und 1795 entstanden und sich bildkünstlerisch mit der Biografie Friedrichs des Großen (1712–1786) befassen. Die Fridericiana folgt ideologisch der Brandenburgiana, einer zwischen 1757 und 1763 entstandenen Serie von Gemälden Rodes mit Ereignisdarstellungen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Schwertscheide: B. Rode 1789

Bettelmusikanten

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In Ochtervelts Oeuvre zählen die sogenannten „Hausflurbilder“, in denen der Blick auf Musikanten oder Lebensmittelhändler an der Türschwelle vor dunklen, reich ausgestatteten Hausfluren fällt, zu einer wichtigen, vom Maler entwickelten Themengruppe. Im Gegensatz zu vielen seiner Künstlerkollegen legte Ochtervelt die Szenerien als Interieurs vom voorhuis (Hausflur) an. Symbolisch steht die Tür des eleganten Bürgerhauses hierbei als Übergang zwischen öffentlicher Außenwelt und privatem Innenraum für die Trennung zwischen niedrigen Ständen und feiner Gesellschaft des Bürgertums. Im Eingangsbereich der vornehmen Wohnstätte, die wegen ihrer nächtlichen Verortung beinahe im Dunkel liegt, steht eine junge Frau auf der linken Seite. Durch die Tür sind herannahende Straßenmusikanten zu erkennen, die Anstalten machen in die private Sphäre des marmorgefliesten Flurs einzutreten. Die Frau hält mit beiden Händen ein Kleinkind, das sich um die Aufmerksamkeit eines Hundes bemüht, an den Gängelbändern seines gelben Kleides. Ein zweites Kind im roten Satinkleid und teurem Spitzenkragen blickt gebannt auf die beiden Gestalten im Türrahmen und schickt sich bereits an, die musizierenden Fremden mit einer Münze zu entlohnen. Die holländische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts wird hier als idealisierte Form einer festen Ständeordnung wiedergegeben. Ochtervelts wohlhabende Gönner kamen somit in den Genuss eines beruhigenden Bildes sich gegenüberstehender sozialer Klassen. Mit einer neunteiligen Serie solcher Bilder trug Ochtervelt auf innovative Weise zur holländischen Genremalerei bei. Es ist anzunehmen, dass die „Bettlermusikanten“ das erste Bild dieser Varianten ist. In den späteren Darstellungen versetzte der Künstler die Straßenmusikanten allmählich über die Schwelle in den Innenraum, wo die Verkäufer auch der Hausherrin selber ihre Ware anbieten. Ochtervelts besonderes Augenmerk lag jedoch nicht auf den technischen Gegebenheiten, wie etwa bei Pieter de Hooch auf dem Lichteffekt der abgegrenzten Raumsituation, sondern auf dem Verhalten der beteiligten Personen. Trotzdem sind Stoffe, Oberflächen der Kostüme sowie die Architektur in besonderem Detail wiedergegeben.