Logo

Deckelpokal mit dem großen brandenburgischen Wappen und Radmonogramm Friedrichs III.

Ident. Nr.: W-1982,2 a,b

ObjID: obj:883399

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
frühere Zuschreibung: Gottfried Spiller (um 1663),
Glasschnitzer
Date(s)
Ausführung: 1688 bis 1701
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Potsdam
Dimensions
Höhe: 40,7 cm
Höhe: 28,6 cm (Pokal)
Durchmesser: 13,1 cm (Fuß)
Durchmesser: 11,6 cm (Mündung)
Höhe x Durchmesser: 12,8 x 12,3 cm (Deckel)
Wandungsstärke: 0,7 cm

Object Description

Großer Pokal mit zugehörigem Deckel aus dickwandigem, farblosem Glas, Boden ohne Abriss, kräftiger, leicht ansteigender Fuß mit beschliffenem Rand und einem Kranz aus schälgeschliffenen Rundbögen, der massive Doppelbalusterschaft zwischen Trommelscheiben trägt denselben Dekor. Die becherförmige Kuppa ist auf der Schauseite mit einem Medaillon mit dem großen brandenburgischen Wappen unter der Bügelkrone dekoriert, gerahmt von Hosenbandorden – mit fehlerhaft wiedergegebener Devise "HONI SOIT QVI MALV Y PENSE" – Orangenranken, gekreuzten Lorbeerzweigen und beidseitig einem Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Die Gegenseite zeigt ebenfalls ein Medaillon mit dem gleichen Schmuck, darin das bekrönte Radmonogramm "FIII" für Kurfürst Friedrich III., den späteren König Friedrich I. in Preußen, im Zentrum das Kurzepter. Sowohl der Ansatz der Kuppa, ihr Mündungsrand, der Deckelrand als auch der Deckelknauf wiederholen die geschälten Rundbögen von Fuß und Knauf. Die Schulter des Deckels ist mit einem aufwendigen Rankendekor aus gekreuzten Lorbeer- und Orangenzweigen sowie Arabesken verziert. Der Deckel hat innen eine Abrissnarbe und ist – anders als der Pokal – krank. Bereits Adrian Dreier als auch Susanne Netzer wiesen auf die ungewöhnliche Darstellung der Bügelkronen über den Medaillons hin, die Kurfürstenhut und Königskrone vereint. Von gleicher Hand geschnitten dürften zwei glockenförmige Pokale im Bestand der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sowie im schwedischen Skokloster sein, zudem ein Becher, 1914 Sammlung Mühsam in Berlin, die alle ebenfalls das Radmonogramm Friedrichs III. (1657–1713), die falsche Ordensdevise und dieselbe Krone zeigen (Evers, Luxusglas, 2010, Abb. 92, S. 108; Netzer, Was großes Aufsehn macht, 2001, Abb. 14, S. 73; Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufakturen, 2001, Kat. 156, S. 247; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 11.1). Die Präsenz der Orangenzweige spielt auf Friedrichs Ansprüche auf die "oranische Erbschaft" an. Das Glas befand sich zuvor in der Sammlung Krug und wurde im Kunsthandel erworben. [Verena Wasmuth]
MAKR

Last updated: 13.10.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Der Sündenfall

Der Sündenfall

Die wie lavierend nur flüchtig angedeutete Flusslandschaft bildet die Folie für die scharf konturierte Figurengruppe mit dem Früchte beladenen Baum im Zentrum. An seinem Stamm windet sich die Schlange empor. Sie fixiert lauernd-verschlagen Eva, die Adam den Apfel reicht und ihn zum Übertreten des Verbots auffordert.Die Darstellung folgt einem Holzschnitt Hans Sebald Behams aus den „Biblischen Historien“, die 1533, ein Jahr nach seiner Übersiedelung nach Frankfurt, von dem dort ansässigen Verleger Christian Egenolf gedruckt wurde. Die Zeichnung ist in flüssigen Linien, die Modellierung weich und malerisch in zarten, gelegentlich durch Schraffuren akzentuierten Halbtönen angelegt, die, gestupft oder breit mit dem Pinsel aufgetragen, die Oberflächenbeschaffenheit der Materialien nachahmen. Die Souveränität des Glasmalers zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er anders als der Holzschnitt mit dem beredten Austausch der Blicke und Gesten auch die Dramatik des Handlungsmoments zum Ausdruck bringt. Adams Scham verbirgt er zudem unter einem Feigenblatt.Die kongeniale Umsetzung der Vorlage ist am ehesten Augustin Hirsvogel (1503–1553) zuzutrauen, dem jüngsten Sohn des 1525 verstorbenen Nürnberger Stadtglasers Veit Hirsvogel d. Ä. Für diese Annahme sprechen beispielsweise die spezifische Gestaltung etwa der Laubkronen mit einzeln abstehenden trockenen Ästen oder des knorrigen Baumstamms mit Astlöchern und rissiger Rinde, die genauso auf den Zeichnungen und Stichen Augustins begegnen. Die kleine Rundscheibe müsste er noch in seiner Nürnberger Zeit kurz nach Erscheinen der Holzschnitte ausgeführt haben. CVMA 98781