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Amulett eines Ritters mit Muttergottes und Christus als Weltenrichter

Ident. Nr.: F 760

ObjID: obj:888937

Details (expert)

Date(s)
um 1320 - 1330
Dimensions
Durchmesser: 7,6 cm
Gewicht: 53,3 g

Object Description

Die runde Silberscheibe zeigt auf beiden Seiten gravierte Darstellungen unter mehrfarbigen, überwiegend transluziden Schmelzen. Der Rand ist am äußeren Wulst geperlt, seine inneren Stege, die zugleich die Begrenzungen der überschmolzenen Flächen sind, laufen auf beiden Seiten um das dadurch als ursprünglich ausgewiesene Loch für die Öse herum und offenbaren somit die von Anfang an intendierte Funktion der Pretiose als Anhänger.
Eine Seite zeigt auf meist grün überschmolzenen Erdschollen stehend die Muttergottes vor einem tief blauen, von elegant geschwungenen Blattranken gleichmäßig überzogenen Grund. Maria trägt ein weinrotes, grün gefüttertes Gewand und einen grünen Mantel. Das Hemd des Christusknaben auf ihrem rechten Arm war violett. Die Inkarnate aller Figuren werden durch die nicht überschmolzene Oberfläche der Silberplatte gebildet, auf der sich das Lineament der Binnenzeichnung durch opake schwärzliche Schmelzen graphisch deutlich abhebt. Die Haare sind mit gleichfalls opaken gelben und braunen Schmelzen gestaltet. Gewänder und Flügel der vier assistierenden Engel nehmen die Farbpalette der Muttergottesfigur wieder auf. Die Spruchbänder in ihren Händen enthalten folgenden Text: * FROV ∙ SANT MARIA ∙ ICH ∙ BIT / * DICH * DVRCH ∙ DER ∙ ENGEL ∙ GE / SANG ∙ HILF∙ DES ∙ DICH ∙ DER / * RITTER ∙ BIT ∙ VND ∙ ER ∙ MAN[T]. An einigen Stellen sind die Schmelzen in Verlust geraten, so links im Bereich der Erdschollen, am linken Rand des Grundes, am Gewand des Christusknaben und am linken Oberarm der Maria, um nur die umfangreichsten Fehlstellen zu benennen.
Die andere, mit dem gleichen vegetabil ornamentierten blauen Grund verzierte Seite zeigt Christus als Weltenrichter auf einer breiten, durch schlanke Spitzbogenarkaden gegliederten Bank thronend. Die Linke des Erlösers ruht auf der Sphaira, während seine Rechte im Segensgestus erhoben ist. Auch Christus trägt ein weinrotes, grün gefüttertes Gewand und einen grünen, mit einer Fibel vor der Brust geschlossenen Mantel. Wie die Engel auf der Marienseite nehmen hier die Symbole der vier Evangelisten die Farbpalette der Zentralfigur wieder auf, wobei das Fell des Lukas-Stiers und des Markus-Löwen gleich den Inkarnaten durch die Oberfläche der Silberplatte gebildet wird. Die Spruchbänder der Evangelistensymbole enthalten folgenden Text: HER * GOT ∙ DVRCH ∙ DIN ∙ / TOT HILF DISSEM / ∙ RITTER VS ANGST / VND ∙ VS ∙ ALLER ∙ NOT. An dieser Seite sind ebenfalls größere Teile der Schmelzen verloren, so in einem Bereich vom linken Bein Christi über sein rechtes Knie bis zu seinem rechten Unterarm und die hier anschließende Zone des Grundes. Weiterhin fehlen sie am linken Bein der Matthäus-Figur und rechts davon im Grund, rings um Nimbus und rechten Flügel des Johannes-Adlers sowie unterhalb der Vorderpfoten des Markus-Löwen.
Der – für die Entstehungszeit noch ganz ungewöhnlich – in deutscher Sprache verfasste Text belegt, dass der scheibenförmige Anhänger für einen Ritter geschaffen wurde. Das Tragen des Medaillons stellte für den Besitzer gleichsam eine permanente Fürbitte bei Christus und Maria um göttlichen Beistand dar. Dieser christliche Amulettcharakter des Schmuckstücks erhellt vor allem aus dem Text, weniger aus den bildlichen Darstellungen.
In der Finesse der grafischen Darstellung und der wohlbemessenen Intensität der darüber liegenden transluziden Farben zählt der Anhänger zu den schönsten Zeugnissen gotischer Emailkunst im deutschen Sprachraum. Die Entstehung des auch herstellungstechnisch anspruchsvollen Werks mit den beidseitig auf die dünne Silberscheibe aufgebrachten Tiefschnittschmelzen wurde in der Literatur fast durchgängig im 14. Jahrhundert am Oberrhein vermutet. Für das Berliner Amulett ist eine zeitliche Ansetzung bald nach der Entstehung des sog. Prassberg-Kelches (Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Main) um 1320/30 wahrscheinlich. Die Frage der Zuweisung an eine bestimmte oberrheinische Werkstatt muss vorerst weiter offen bleiben. LL

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Stutzerpokal aus farblosem Glas, der ansteigende Fuß ist mit Rundfacetten dekoriert und akzentuiert vergoldet. Er geht in einen sehr kurzen Massivschaft über. Die hohe Kuppa ist am Ansatz stark verdickt und mit Ovalkugelungen zwischen scharfkantigen Rippen dekoriert, letztere sind ebenfalls vergoldet. Die Kuppa ziert ein mit der preußischen Bügelkrone bekröntes Medaillon mit dem Profilbildnis Friedrichs II. in Harnisch und mit Zopf, darunter Gitterwerkdekor mit dem Monogramm "FR II", für Fridericus Rex II. Das Medaillon wird auf beiden Seiten von Füllhörnern gerahmt, darüber die Inschrift: Salus Patriae (quasi: Auf das Wohl des Vaterlandes). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Formal handelt es sich bei dem qualitativen Glas um einen sogenannten "Stutzerpokal", ein Produkt der Zechliner Glashütte aus der Zeit um 1750 und etwas früher (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 16, S. 60 und Abb. 48, S. 103). Ein Deckelpokal mit nahezu identischer Schaftform, sehr ähnlichem Dekor mit Verherrlichung Friedrichs II. (1712–1786) sowie der gleichen Inschrift wird von Robert Schmidt dem Glasschneider Elias Rosbach (um 1700–1765) zugeschrieben (ebenda, Taf. 32.2). Gut denkbar, dass auch dieser Pokal von seiner Hand ist. Sehr wahrscheinlich entstanden beide Gläser im Zusammenhang mit der Krönung Friedrichs am 31. Mai 1740. Wohl mangels einer aktuellen Vorlage orientiert sich sein Porträt noch an Profilbildnissen seines Vaters "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) auf anderen Gläsern, mit denselben stereotypischen Merkmalen: Der lange Perückenzopf, das eingedrehte Schulterstück der Rüstung und Ansätzen eines Doppelkinns (vgl. ebenda, Kat. 2 und 3, S. 17; Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 53 und 55, S. 120-122; Klesse, Glassammlung Krug, 1965, Kat. 265). Lediglich die Beischrift "FR II" kennzeichnet den Dargestellten als neuen König. Ein zuvor zugeordneter Deckel (Inv. Nr. O-1982,84 b) ist nicht zugehörig, er passt nicht. Sabine Baumgärtner datiert ein Pendant mit Darstellung Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), der Mutter Friedrichs II., irrtümlich auf um 1730 (Baumgärtner, Bildnisgläser, 1981, Kat. 5). [Verena Wasmuth]MAKR

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Pokal aus farblosem Glas, Abriss am Boden, leicht ansteigender Fuß mit versenktem und mattiertem Spitzblattfries, angesetzt ein wabenfacettierter Balusterschaft zwischen zwei ebenfalls wabenfacettierten Nodi, der Baluster ist mit drei übereinanderliegenden Kränzen aus eingestochenen Luftblasen verziert. Die becherförmige Kuppa wiederholt am Ansatz den Spitzblattdekor vom Fuß und trägt auf der Wandung das fein geschnittene große brandenburgisch-preußische Wappen, beidseitig gehalten von Wilden Männern und unter einem mit Adlern und der Bügelkrone bekrönten Baldachin, hinter dem rechts die Sonne strahlt, unten: Gott mit uns. Die Gegenseite zeigt den preußischen Adler im Flug gegen die Sonne, darunter: Nec soli cedit (Nicht [einmal] der Sonne weicht er), die Devise des sogenannten Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (reg. 1713–1740). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Perlfries unter einer Linie. Bei dem Glas handelt es sich um ein Erzeugnis der Potsdamer Glasmanufaktur, in die Regierungszeit Friedrichs I. datierend, auf den es mit Wappen und Devise gleich zweifach Bezug nimmt. Vermutlich gehörte ein Deckel dazu (der zugeordnete Deckel mit der Inv.-Nr. O-1982,92 b ist zu groß). Ähnliche Deckelpokale mit dem gleichen Sujet sind überliefert (Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 180, 181, 191, 192, 194; Rückert, Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums, Bd. 2, 1982, Kat. 812, S. 275, Taf. 251; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inv. Nrn. XIII 7 und Dln E.St. 01/26; Stiftung Stadtmuseum Berlin Inv. Nr. KH 99/1270 A; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 19.2 und 20.1). Pokale von dieser Größe und mit königlichen Symbolen waren sicherlich für den Hof bestimmt. [Verena Wasmuth]MAKR

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Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, Boden mit Abrissnarbe, die gesamte Oberfläche ist akzentuiert mit Gold staffiert, auf dem Fuß ein Kranz aus Oliven mit Ovalaugen, der massive Schaft ist mit Längsfacetten beschliffen, die sich bis an den Ansatz der bündig anschließenden Kuppa als vertiefte Zungen fortsetzen. Die Kuppawandung ziert in Tiefschnitt unter der Bügelkrone das von einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), flankiert von Adlern und Lorbeerzweigen, darunter fein goldgemaltes Rollwerk und sich überkreuzende Füllhörner. Der verwärmte Mündungsrand ist beidseitig vergoldet. Der Pokal datiert entweder in die letzten Betriebsjahre der Potsdamer oder in die ersten der Zechliner Glashütte und dürfte höchst wahrscheinlich als Paar mit einem Glas konzipiert gewesen sein, das ein Porträt Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) trug (möglicherweise Inv. Nr. O-1982,78, a,b). Eine Reihe sehr ähnlicher bis nahezu identischer Pokalgläser mit Potsdamer Provenienz sind überliefert, die einen zugehörigen Deckel besitzen (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 35.5; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 21; für das Bildnis vgl. Abb. 5, S. 18; Klesse/Mayr, Veredelte Gläser aus Renaissance und Barock, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl, Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 145, S. 280; Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10382; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nr. II 74/185 A, ebenfalls ohne Deckel). Ursprünglich war wohl ein zugehöriger Deckel vorhanden, der zugeordnete Deckel passt nicht, er gehört zu einem kleineren Pokal. [Verena Wasmuth]MAKR