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Rückseite einer Reliquienkapsel mit Darstellung einer Engelpietà aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford

Ident. Nr.: 1888,640 a

ObjID: obj:889569

Details (expert)

Date(s)
2. Viertel 15. Jahrhundert
Dimensions
Durchmesser x Tiefe: 7,5 x 1,2 cm
Gewicht: 92,2 g

Object Description

Die Reliquienkapsel wurde vor 1852 in zwei gleichgroße Teile zersägt (Inv. Nr. 1888,640 a und 1888,640 b). Die durchbrochen gearbeiteten Flachreliefs der beiden Seiten werden jeweils von einem transluziden, blau emaillierten Grund hinterfangen und von einem Kranz aus gegossenen Blattpaaren gerahmt. Die vordere Kapselhälfte zeigt die thronende Muttergottes mit einer hohen Lilienkrone. Sie umfasst mit ihrem linken Arm den Christusknaben, der sich eng an ihren Körper schmiegt. Zeittypisch für den Weichen Stil ist ihr lebendig gegliedertes, faltenreiches Gewand, das in sanft schwingenden Mulden drapiert ist. In der rechten Hand befindet sich das Fragment eines Lilienzepters.
Die durch die Anbringung des Öffnungsmechanismus als rückseitig erwiesene Engelpietà folgt dem vor allem von Italien aus verbreiteten Typus des halbfigurigen Schmerzensmannes, der von zwei das Bahrtuch haltenden Engeln vorgewiesen wird. Seine Augen sind, wie häufig in Darstellungen der deutschen spätmittelalterlichen Kunst, leicht geöffnet. Seltener ist dagegen der aufgerichtete, an das Bild der Vera icon erinnernde Kopf. Die Imago pietatis zeigt den zugleich lebenden und toten Christus, der seinen Leib und sein Blut opfert. Entsprechend wurden die beiden Engel, die sich Christus teilnahmsvoll zuwenden, eucharistisch gedeutet.
Die scharf modellierten Reliefs liegen etwas vertieft und werden von einer durch Filigrandrähte gerahmten flachen Hohlkehle umgeben. Ihr sind paarweise gegossene Blätter mit eckigen Stiften aufgenietet. Die sich wölbenden, dornigen Blätter stehen denen an einer Gewandschließe im Damenstift Itzehoe stilistisch nahe. In technischer Hinsicht vergleichbar sind die ebenfalls paarig gearbeiteten und zu einem Kranz gefügten Weinblätter am Sockel einer Reliquienstatuette aus dem Umkreis des Meisters von Osnabrück im Diözesanmuseum Paderborn. Die Zarge der Berliner Kapsel ist umlaufend mit einer Gravur stilisierter Akanthusranken vor kreuzschraffiertem Grund überzogen. Auf der Höhe des unteren Steckscharniers ist eine groteske Maske in das Rankenwerk eingearbeitet. Diese verweist wahrscheinlich auf das Öffnungsscharnier und könnte zugleich eine apotropäische Schutzfunktion für die einst im Inneren geborgenen Reliquien ausüben. Natalie Kiefer

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, Boden mit Abrissnarbe, die gesamte Oberfläche ist akzentuiert mit Gold staffiert, auf dem Fuß ein Kranz aus Oliven mit Ovalaugen, der massive Schaft ist mit Längsfacetten beschliffen, die sich bis an den Ansatz der bündig anschließenden Kuppa als vertiefte Zungen fortsetzen. Die Kuppawandung ziert in Tiefschnitt unter der Bügelkrone das von einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), flankiert von Adlern und Lorbeerzweigen, darunter fein goldgemaltes Rollwerk und sich überkreuzende Füllhörner. Der verwärmte Mündungsrand ist beidseitig vergoldet. Der Pokal datiert entweder in die letzten Betriebsjahre der Potsdamer oder in die ersten der Zechliner Glashütte und dürfte höchst wahrscheinlich als Paar mit einem Glas konzipiert gewesen sein, das ein Porträt Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) trug (möglicherweise Inv. Nr. O-1982,78, a,b). Eine Reihe sehr ähnlicher bis nahezu identischer Pokalgläser mit Potsdamer Provenienz sind überliefert, die einen zugehörigen Deckel besitzen (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 35.5; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 21; für das Bildnis vgl. Abb. 5, S. 18; Klesse/Mayr, Veredelte Gläser aus Renaissance und Barock, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl, Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 145, S. 280; Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10382; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nr. II 74/185 A, ebenfalls ohne Deckel). Ursprünglich war wohl ein zugehöriger Deckel vorhanden, der zugeordnete Deckel passt nicht, er gehört zu einem kleineren Pokal. [Verena Wasmuth]MAKR