Logo

Brandenburger Pokal aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,388

ObjID: obj:899162

Details (expert)

Date(s)
vor 1534
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 49 x 18 cm (oben)
Gewicht: 1856 g

Object Description

Zylindrische Teile von Schaft und Deckelgriff sowie reliefiertes Wappen gegossen. Fußrand, Zarge und Reif des Deckels gesondert gefertigt. Fußunterseite unvergoldet. Marke am Fuß- und am Deckelrand. Aufgelegter Blattreif der Kuppa mit Verschluß. Handwerklich durchschnittliche Arbeit. – Teile eines Blattkranzes am Schaft verloren.
Schlanker, horizontal gegliederter Pokal. Fuß mit zwölf Längsbuckeln und gewölbtem Rand. Schaft aus Zylinder mit reliefiertem Buckeldekor sowie symmetrisch zum Diskusknauf angeordneten Balustern. Flaches Blatt- und Fruchtrelief. Stark gedrückte, breit ausladende Kuppa mit zwei Reihen von je fünfzehn Längsbuckeln, dazwischen Einschnürung. Mündungsrand mit Zahnschnittdekor. 14fach gebuckelter Deckel. Zylinder (wie unten) auf flachem Blattkranz und sanduhrförmiger, von einer kleinen Halbkugel bekrönter Griff mit aufliegendem Blattwerk. Am Fuß emailliertes kurbrandenburgisches und reliefiertes Wappen der Familien von Dassel und Dithmersen. Ein graviertes VIDE INFRA am Fußrand verweist auf eine vergoldete, unter dem Fuß befindliche Rundplatte mit lateinischer Inschrift, in der Übersetzung: "lm Juni 1586 hat der durchlauchtigste und großmächtigste Herr und Kurfürst von Brandenburg Johann Georg, nachdem er mehrere Tage mit seinem Sohne Herrn Joachim Friedrich im Hause des Herrn Ludolf von Dassel gewohnt hatte, ihm diesen Pokal zum ewigen Gedächtnis geschenkt. Denselben hat der Bürgermeister von Lüneburg, Ludolf von Dassel, seinerseits dem hochlöblichen Senat von Lüneburg zu seinem ewigen Andenken gestiftet, um ihn zwischen dem übrigen Silber des Rates aufzustellen. Der Herr Bürgermeister selbst hat ihn nach abgehaltener Bursprache dem Senat in eigener Person am 28. September 1606 überreicht." Unter dem gleichen Datum ist der Pokal im Nachtrag zum Inventar von 1598 (C. 244) verzeichnet. Ludolf III von Dassel, vermählt mit Ilsabe von Dithmersen, war seit 1592 Bürgermeister. Er starb 1609.

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Schlafende Venus mit Cupido

Schlafende Venus mit Cupido

Die schlafende Venus liegt halb aufgerichtet auf einer Bettstatt mit goldroter Decke. Über ihr Knie klettert schlaftrunken ein Cupido mit goldenen Flügeln. Am oberen Bildrand ziehen fliegende Putten ein goldgrünes Tuch wie einen Baldachin über das Bett, links daneben hängt ein vergoldeter Vogelkäfig. Die surreal erscheinende Szene spielt in einer reich gegliederten, sich im Hintergrund zu einer Landschaft öffnenden Bogenarchitektur. Umgeben ist die Liebesgöttin von manieristischen Skulpturen, kunstvollem Mobiliar, konzertanten Musikinstrumenten und kostbarem Hausrat. Alles erscheint zu einem bedeutungsgeladenen Stillleben verdichtet, ist weniger Abbild denn Sinnbild und Anregung zu philosophischer Betrachtung.An der Rückseite befindet sich eine Aufschrift, die den auf Hinterglasmalereien spezialisierten Zürcher Hans Jacob Sprüngli (um 1599–1637) und den Winterthurer Glasmaler Hans Jegli (1579–1643) als Schöpfer des Werkes nennt. Sie verwendeten verschiedene Methoden des Amelierens: Auf das Glas aufgebrachte Blattvergoldungen wurden fein ausradiert, mit farbigen Lacken hintermalt und mit Zinnfolien hinterlegt. Andere Partien wurden in durchscheinend aufgetragenen Ölfarben ausgeführt, wobei „rückwärts“ gemalt und die hellsten Lichter und tiefsten Schatten zuerst gesetzt wurden. Auch „trügerische Hinterglasmalerei“ wurde angewendet, so ist die Figur der Venus in herkömmlicher Weise auf Pergament gemalt, ausgeschnitten und auf das Glas appliziert worden.Ebenso wie das vielschichtige Bildprogramm sollte auch die komplizierte technische Ausführung Anlass zu vertiefter Beschäftigung mit dem Gemälde bieten. Ganz in diesem Sinne ist die als Teil der Signatur auf die Rückseite geschriebene Künstlerdevise zu verstehen: „ist EE feracht / Dan gemacht“ („ist eher veracht[et] als gemacht“). LL