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Versöhnungsszene aus einer Folge mit dem Exempel vom undankbaren Sohn

Ident. Nr.: F 1030

ObjID: obj:905207

Details (expert)

Date(s)
um 1520
Material / Technique
Glas, farblos; Schwarzlot, Silbergelb
Dimensions
Durchmesser: 22,6 cm

Object Description

Die Szene atmet Behaglichkeit, sie spielt in einem gemütlich eingerichteten Wohnzimmer, dessen Mitte ein freundlich gedeckter Tisch einnimmt. Links davor steht die junge Hausfrau und heißt mit einladender Geste einen alten Mann willkommen, der soeben die Stube betreten hat. Herzlich empfängt ihn auch ihr Gatte, legt ihm den Arm um die Schultern und bittet ihn, auf dem mit Kissen gepolsterten Lehnstuhl am Kamin Platz zu nehmen. Sogar der kleine Sohn ist involviert und schiebt den Alten mit beiden Händchen zum Stuhl mit seiner mächtigen Rückenlehne. Die realistisch wiedergegebenen Details, das sorgfältig gebügelte Tischtuch, die fegende Magd links im Hintergrund, die über und neben dem Kamin verwahrten Gerätschaften zum Feuermachen am Kamin unterstreichen den Eindruck eines sauber und ordentlich geführten Haushalts.
Eine Parallele für das Motiv ist nicht bekannt. Vergleichbar ist allerdings eine Scheibe aus dem Museum Heylshof in Worms, die, obzwar von anderer Hand ausgeführt, eine ähnliche Darstellung zeigt. Sie spielt in demselben Raum, und die Figuren sind, bis auf das Kind, die gleichen. Doch brennt nun im Kamin ein Feuer, und auf dem Tisch steht eine größere Mahlzeit. Dort hat das junge Paar einander gegenüber Platz genommen,
während der alte Mann mit einem Teller in der Hand hinter der Frau steht. Eine mit dem Glasgemälde übereinstimmende Zeichnung befindet
sich in der Sammlung Frits Lugt, Paris.
Es wird angenommen, dass hier eine Geschichte zur Anschauung gebracht wurde, die als Exempel zur Illustration des vierten Gebots in den Niederlanden, in Frankreich und Deutschland in der volkstümlichen Literatur wie in Predigtsammlungen vor allem im späten Mittelalter verbreitet war und wohl auf gemeinsame mittellateinische Quellen zurückgeht. Sie schildert, wie der Vater dem Sohn sein ganzes Vermögen aushändigt, doch dann von ihm schlecht gehalten wird und nicht genug zu essen bekommt. Dessen eigener Sohn bittet nun eines Tages seinen Vater um ein Stück Holz; er folgt neugierig dem Kleinen und sieht, dass er einen Trog schnitzt. Auf seine Frage, für wen der Trog sei, antwortet er, der sei für ihn, wenn er alt sei, damit er dann wie der Großvater daraus essen könne. Schlagartig wird dem Sohn sein Unrecht bewusst, er bereut sein Verhalten, versöhnt sich mit dem Vater, behandelt ihn fortan gut und versorgt ihn reichlich. Um 1370/80 entstandene Wandmalereien aus dem Hause Glesch in Köln belegen, dass die Erzählung auch Gegenstand bildlicher Überlieferung war. Sie ist in fünf Abschnitte gegliedert, der erste zeigt eine Magd beim Kochen, der zweite ist zerstört, im dritten sieht man den kleinen Enkel vor dem Trog im Gespräch mit seinem Vater, im vierten bittet der Sohn den Großvater um Vergebung und im fünften ist die ganze Familie zum Versöhnungsmahl um einen reich gedeckten Tisch versammelt. Der Bildinhalt der letzten Szene ähnelt dem der Berliner Scheibe und macht es wahrscheinlich, dass auch hier die Versöhnung geschildert ist.
Das Kabinettstück – zweifellos eines der schönsten der Sammlung – besticht durch seine hohe künstlerische Qualität. Figuren und Formen sind auf subtile Weise mit hauchfein abgestuften Lasuren aus Licht und Schatten modelliert, Konturen nicht einfach als dunkle Linien durchgezogen, sondern sensibel bis hin zu hellsten Tönen variiert, um so weitere Lichtreflexe zu setzen. Dank der minutiösen malerischen Technik wird die atmosphärische Qualität der Szene eingefangen und die Gestalten gelangen zu einer fast vollplastischen Wirkung.
Motivische Analogien verbinden die Darstellung mit Werken des nach einer Folge von sechs großformatigen Rundbildern mit Szenen der alttestamentlichen Josephsgeschichte benannten Meisters der Josephsfolge, der von Rogier van der Weyden und Dirk Bouts beeinflusst, zwischen 1490 und 1505/10 in Brüssel und in den südlichen Niederlanden tätig war.
CVMA 98768

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Die Gestalt Maria Magdalenas war mit verschiedenen in den Evangelien genannten Frauen gleichgesetzt und ihre Vita in den Legendarien zu einem abenteuerlichen Schicksal erweitert worden: Nachdem Jesus ihr die Sünden ihrer zügellosen Jugend vergeben hatte, gehörte sie zum engsten Kreis seiner Vertrauten, war die erste Zeugin seiner Auferstehung und verlebte die letzten dreißig Jahre ihres Daseins in vollkommener Askese als Einsiedlerin in der Wüste. Sie avancierte zu einer der am stärksten verehrten weiblichen Heiligen des Mittelalters.Ihre Versöhnung mit Gott belegt gleichnishaft ihre wundersame Erhebung, wie sie auch in der „Legenda aurea“ geschildert wird. Demnach wurde Maria Magdalena in der Wüste täglich zu den sieben kanonischen Gebetsstunden von Engeln in die Lüfte gehoben, um dem Lobgesang der himmlischen Heerscharen zu lauschen. Von dieser Speise war sie derart erquickt, dass sie keiner irdischen Nahrung mehr bedurfte, auch „strahlte ihr Antlitz so sehr vom immerwährenden Schauen der Engel, dass man eher in die Sonne hätte sehen mögen, denn in ihr Angesicht.Die Szene ist auf dem Glasgemälde anschaulich und nicht ohne Sinn für Dramatik ins Bild gesetzt. Scheinbar schwerelos und von zwei Engeln eher sacht berührt als getragen schwebt die Heilige vor rotem Bildgrund über einem jäh aufklaffenden Felsspalt. Ihr zum Zeichen der Askese von Fell bedeckter Körper, von dem nur Gesicht, Brüste, Hände und Füße ausgespart sind, ist wie die Lichtgestalten der Engel ganz in Weiß bzw. zartemRosa gehalten und bringt so das überirdische Leuchten ihrer Erscheinung zur Geltung.CVMA 98739

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