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Don Quichotte und Sancho Pansa

Ident. Nr.: A I 976

ObjID: obj:964893

Details (expert)

Creator/Entity
Honoré Daumier (1808 - 1879),
Maler*in
Date(s)
um 1866/1868
Systematics/Type
Provenance
wohl E. J. van Wisselingh, London,
1905
The Dutch Gallery, London,
1905
Kauf: Hugo von Tschudi für die Nationalgalerie, Berlin,
1905
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Höhe x Breite: 78 x 102 cm
Acquisition
1906 Geschenk von Sir Alfred Beit, London

Object Description

Zu dem Roman des Miguel de Cervantes (1605/1615) kehrte Daumier, als Maler wie als Leser, über viele Jahre hinweg immer wieder zurück – wohl auch aus einer inneren Affinität zu dessen beiden Helden heraus, zu deren Unglück die Balance zwischen Idealismus und Realismus sich niemals herstellt. Fast jede Kompositionsvariante, die er zu dem Thema erfand, wurde zweimal oder öfter ausgeführt, so daß insgesamt dreißig Gemälde gezählt werden; deren Entstehungsdaten sind jedoch zumeist ganz unsicher. 1850 war »Don Quichotte und Sancho reiten zur Hochzeit des Camacho« ausgestellt (Bridgestone Museum of Art, Tokio); die zweite Fassung aber (Neue Pinakothek, München) gilt allgemein als fast zwanzig Jahre jünger. Einer anderen, 1867 datierten Komposition könnten mehrere weitere, nur im Raumausschnitt und in Einzelheiten variierende Bilder, darunter das Berliner, zugesellt werden. Insgesamt sechs Bilder zeigen dieselben Figuren in der gleichen Hügellandschaft, jedoch aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln.
»Don Quichotte« wurde in ganz Europa viel gelesen und häufig illustriert – nicht zuletzt, höchst erfolgreich, durch Daumiers jüngeren Zeitgenossen Gustave Doré (1863). Die Nationalgalerie bewahrt Adolf Schrödters einst berühmte Interpretation des Stoffes von 1834 (Inv.-Nr. W.S. 224). Hier zielt die Satire auf des Hidalgos romantische Versessenheit auf die Lektüre, auf die Realitätsferne seines Idealismus. Obwohl selbst Karikaturist, läßt Daumier seinem Helden trotz der skurrilen Züge die Größe der Einsamkeit. Der sich entfernenden, zerklüfteten Silhouette des Reiters auf dem bleichen Roß ist die Weite des Himmels als Folie gegeben, während der schwere Eselreiter Sancho Pansa vorn mit dem Hügel verschmilzt. In den Don-Quichotte-Bildern klingt auch ein Thema an, das viele Stoffe Daumiers eint: Ob Schauspieler, Anwälte, Schausteller oder Museumsbesucher, immer wieder wird Vortäuschen (von Gefühlen) und Getäuschtwerden (durch Illusionen) sichtbar. Eine andere Verbindung zwischen zwei Bildthemen Daumiers ergibt sich, wenn man seine Kompositionen »Emigranten« heranzieht: Namentlich eine Fassung (Petit Palais, Paris) zeigt ganz ähnliche Reiter in derselben Landschaft, von weiteren Figuren zu Fuß umdrängt. Die gespenstische Flucht Namenloser in ein Ungewisses, der Zug des Ritters in den illusorischen Ruhm sind Avatare eines Bildmusters. Um der Malerei willen die allwöchentliche Mitarbeit an der satirischen Zeitschrift »Le Charivari« aufzugeben, blieb für Daumier ein lebenslanger Traum. Andererseits hatte er beim Malen eine schwere Hand und da ihn keine ungeduldigen Käufer drängten, unterbrach er häufig die Arbeit an einem Bild, um ein neues anzulegen. Anders als im Falle von Cézanne, dessen ›non finito‹ man bereits verstand und respektierte, wurden viele Bilder Daumiers bald von fremder Hand ergänzt und übermalt. Nach Ansicht von Karl Erik Maison hatte das Don-Quichotte-Bild ursprünglich etwa denselben Zustand erreicht wie seine – unangetastet gebliebene – Variante in der Winterthurer Sammlung Oskar Reinhart (vgl. K. E. Maison, Honoré Daumier, Catalogue Raisonné, Bd. 1, London 1968, S. 165 und 206). Ganz von Daumier ist wohl nur die Figur des Ritters und seines Rosses. | Claude Keisch

Last updated: 21.09.2026

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Institution:

Alte Nationalgalerie

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Henriette Herz (1764–1847), Tochter des portugiesischen Arztes Benjamin de Lemos, wuchs in der Berliner jüdischen Kolonie auf und wurde mit zwölf Jahren ihrer Kultur entsprechend mit einem von den Eltern ausgewählten Bräutigam verlobt; 1779 heiratete sie 15jährig den wesentlich älteren Arzt und Philosophen Dr. Marcus Herz (1747–1803). Die anregende Geselligkeit im Hause von Herz gab ihr die Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung. Das mythologische Porträt der Braut als Hebe – Mundschenkin der Götter und Personifikation der Jugendschönheit – zeigt sie in konventioneller Haltung und Rolle. Ein anonymes Hochzeitsgedicht, »Dem Herrn Doctor Marcus Herz und Mademoiselle Jette Lemos an ihrem Vermählungstag gewidmet«, nimmt auf dieses Bild Bezug (Henriette Herz in Erinnerungen, Briefen und Zeugnissen, Berlin 1984, S. 407 f.). Die Schriftstellerin Fanny Lewald, welche die Dargestellte um 1840 besuchte, beschreibt unser Bild als wichtigstes Kunstwerk in deren Wohnung (ebd., S. 429 f.). – Vgl. das Porträt »Henriette Herz« von Anton Graff aus dem Jahre 1792 (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 433) und die Büste von Johann Gottfried Schadow von 1783 (Nationalgalerie, Inv.-Nr. G 218). Therbusch schuf weitere mythologische Rollenporträts, etwa »Luise von Hertefeld als Bacchantin«, 1778 (E. Berckenhagen, Anna Dorothea Therbusch, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaften, Bd. 41, 1987, S. 142, Nr. 83; Verbleib unbekannt). | Angelika Wesenberg

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Atelierwand

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Zur Vorbereitung des Nachtbildes »Friedrich und die Seinen bei Hochkirch« (1856, Nationalgalerie, verschollen), so ist durch Robert Warthmüller überliefert, habe Menzel »sich in seinem Atelier einen dunklen Verschlag gebaut, worin er Kerzen anzünde, um durch ein kleines Loch sodann den Effekt, den Lokalton, zu studieren« (zit. nach: K. Scheffler, Adolph Menzel, Berlin 1922, S. 174). Ebenso beleuchtete er von unten die an der Wand hängenden Gipsabgüsse, um, so Albert Hertel, »meine Hand und meinen großen, breiten Pinsel einzuexerzieren an großer pastoser Malerei, und an der eigentümlichen Beleuchtung von den Flammen ringsum« (zit. nach: Exzellenz lassen bitten, Leipzig 1992, S. 91). Diese Gipse, die er wie viele seiner Kollegen zu Rate zog, wenn das lebende Modell fehlte, und deren Zahl noch wachsen sollte, kennen wir auch durch spätere Fotografien. Darunter waren aber, im Unterschied zur üblichen Praxis, »nur wenige und bewährte Formen antiker Plastik […]; den meisten Platz nehmen die über die Natur gegossenen Formen und namentlich die verschiedenartigsten Totenmasken ein« (F. Eggers, Künstler und Werkstätten, in: Deutsches Kunstblatt, Bd. 5, 1854, S. 2). Auf einer späten Aufnahme (von Zander & Labisch) erkennt man ebenjene Muskelmann-Hand, die auf unserem Gemälde neben dem Totenschädel hängt; demnach begleitete sie Menzel ein Leben lang.Um dieselbe Zeit schrieb Edgar Allan Poe seine makabren Erzählungen. Dem dort beschriebenen Blick auf das todbringende Pendel ähnelt der auf die abgerissenen Armstümpfe, die ihre verlorenen Teile zu suchen scheinen, um sich wieder zu einem Ganzen zu fügen; auf die enthäutete Hand, die zwischen ihnen hängt wie ein Geschlecht, bedeutungsvoll dem Totenkopf benachbart. Fünfunddreißig Jahre alt war damals schon Mary Shelleys Roman »Frankenstein«,, dessen Held, ein Ingolstädter Student, Leichenteile zusammenfügt und ihnen mit faustischer Kraft Leben einhaucht. Daß die Malerei im künstlichen Licht, das dem Gips einen Schein gespenstischer Belebtheit leiht, etwas von dieser schauerlichen Macht ausüben kann, zeigt Menzels Komposition, die sich durch den Zusammenhang von Muskelhand und Palette als eine Allegorie der Kunst zu erkennen gibt. Doch die nur halb in das Bildfeld genommene Palette entgleitet dem Bezirk des Todes. Wie die zwanzig Jahre später gemalte, noch größere, reicher angeordnete Fassung (1872, Hamburger Kunsthalle), so darf schon die Berliner »Atelierwand« als die programmatische »Antwort eines Realisten auf die Frage nach der Vorbildlichkeit des akademisch beglaubigten Formenkanons« interpretiert werden, und zugleich als praktischer Triumph einer »Ästhetik des Bruchstücks« (Werner Hofmann, in: Menzel, der Beobachter, Ausst.-Kat., Hamburg 1982, S. 37), die dem Zusammenhanglosen und Fragmentarischen die Würde der Kunst zuspricht. | Claude Keisch

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Michael Neher war nach Domenico Quaglio einer der meistgeschätzten Architekturmaler Münchens. Von seinen Italien-Erlebnissen inspiriert, schuf er zunächst Landschaften und Genredarstellungen. Zurück in München wurde er Mitglied des dortigen Kunstvereins und dessen Konservator. Auf Betreiben des befreundeten Domenico Quaglio erhielt er 1834 den Auftrag, auf Burg Hohenschwangau Wandbilder im ›vaterländischen Stil‹ mit mittelalterlichen Szenen nach fremden Vorlagen auszuführen. Nach Beendigung dieser Arbeiten widmete sich Neher fortan Darstellungen mittelalterlicher Architekturen. Es gelangen ihm höchst präzise ausgeführte, mit detailreicher Staffage belebte Städte- und Architekturporträts.Die im bayerischen Wallfahrtsort Altötting gelegene, um 1425 erbaute vormalige Peters-, heutige Tillykapelle liegt am Kreuzgang im Süden der Stiftspfarrkirche Sankt Philippus und Jakobus, einer spätgotischen dreischiffigen Hallenkirche. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Sieben-Schmerzen-Kapelle angebaut und mit der Tillykapelle unter einem Dach vereinigt. Seit 1642 war dort die Grablege derer von Tilly; der bedeutende Feldherr des Dreißigjährigen Krieges, Johann Tserclaes Graf von Tilly, wurde hier bestattet. Dicht am Gemäuer der Kapelle wachsen Büsche, an der Fassade fehlt an einigen Stellen Putz. Im Vordergrund rechts unterhalten sich drei Mönche, links ein Ausblick in eine bergige Landschaft. Eine zweite Fassung befindet sich in Privatbesitz (vgl. S. Gramlich, Architekturmalerei im 19. Jahrhundert in Deutschland, Berlin 1990, S. 180, Anm. 80). | Birgit Verwiebe

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Chaussee nach Gelmeroda

Chaussee nach Gelmeroda

1893 nahm Rohlfs das Motiv der kalkig-weißen Straßen um Weimar erneut auf. Sie boten ihm in ihrer simplen Flächigkeit vielfältige malerische Möglichkeiten. Unterdessen hatte er auch etliche Bilder der französischen Impressionisten kennengelernt: 1889 gab es an der Weimarer Kunstschule mehrere Vorträge zur modernen französischen Kunst durch Emil Heilbutt (Pseudonym Hermann Helferich), der in diesem Zusammenhang drei Bilder von Monet aus seiner Privatsammlung präsentierte. Die Permanente Kunstausstellung von 1890 zeigte zwei weitere Bilder von Monet, die Ausstellung von 1891 je eines von Courbet, Pissarro und Sisley. Viele Jahre später noch erinnert sich Rohlfs in dem Entwurf zu einem Lebenslauf an den ersten Eindruck dieser Kunst: »Ein Kunstschriftsteller Heilbut hatte drei kleine französische Bilder in Weimar ausgestellt. Sie machten großes Aufsehen wegen ihrer Farbigkeit und Fleckentechnik. Letztere hatte ich auch, wenn auch nicht so kühn und ausgesprochen, aber die helle Farbigkeit war mir völlig neu« (zit. nach: Christian Rohlfs, Ausst.-Kat., München 1996, S. 269). Kurze Zeit später versuchte Rohlfs – wie Monet in seinen Winterbildern – in »Chaussee nach Gelmeroda« der weißen Fläche farbige Reize abzugewinnen. Die Straße wirkt verschneit, liegt aber nur im blendenden Licht eines hellen Tages. Im Vergleich zur um 1888 entstandenen »Berkaer Landstraße« (Nationalgalerie, A III 455) ist die Malweise flüssiger und die Farbigkeit insgesamt heller, die Kontraste sind abgemildert. Als eine Reminiszenz an Monet signierte Rohlfs nun farbig, hier leuchtend gelb. | Angelika Wesenberg