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Wien, Liebhartstal

Ident. Nr.: A III 447

ObjID: obj:965080

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Oskar Kokoschka (1886 - 1980),
Künstler*in
Date(s)
Herstellung: 1924
Additional titles
Collection title: Wien, Liebhartstal
Translation: Liebhartstal near Vienna
Provenance
Georg Caspari, München,
vermutlich Ende 1925 - 1930
Nachlass/Vermächtnis: Annie Caspari, München,
1930–25.3.1932
Übereignung: Bankhaus Hardy & Co., München,
368157
Übereignung: Dresdner Bank, Filiale München,
bis 15.8.1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
ab 15.8.1935
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Höhe x Breite: 66 x 90 cm
Acquisition
1935 vom Preußischen Staat aus den Kunst-Beständen der Dresdner Bank angekauft und an die Staatlichen Museen zu Berlin überwiesen, Vorbesitz Annie Caspari, München

Object Description

Die Sicherheit einer Professur an der Kunstakademie Dresden seit 1919 verschaffte Kokoschka die Möglichkeit, seinen Eltern 1920 in Ottakring am Liebhartstal im Wiener Westen ein Haus zu kaufen. Von seinem Atelier aus, das er sich dort im Obergeschoss eingerichtet hatte, malte er im Frühjahr 1924 den Blick auf die Liebhartstaler Straße nach Norden über das Tal hinweg zum Gallitzinberg. Über dem Weinberg ist gerade noch das Dach des 1903 bis 1908 neu erbauten Schlosses Wilhelminenberg zu erkennen. Dieses, seit 1922 im Besitz der Stadt Wien, die es ab 1927 als Kinderherberge nutzte, gab Kokoschka 1931 als Vordergrundmotiv der im Auftrag der Stadt entstandenen Wien-Ansicht wieder (WVZ unter www.oskar-kokoschka.ch [12.2.2021], 1931/13). Im vorliegenden Gemälde blitzen die kahlen Äste der Bäume wirr, wie Teile eines zerrissenen Netzes, aus dem frischen, noch schütteren Grün hervor, und grell leuchtet die weiße Wand des gegenüberliegenden Hauses im Sonnenlicht. Auf der Straße hinter der niedrigen Vorgartenmauer mit zwei herrschaftlichen Pfosten am Eingang gehen zwei Frauen mit einem Kinderwagen. Nach den desaströsen Jahren tiefster Armut, zweifacher Kriegsverwundung, Liebesverzweiflung und zweifachem Schwangerschaftsabbruch seiner Geliebten (vgl. „Mann mit Puppe“, B 1058) wirkt die äußerlich wenig spektakuläre Vedute von der Höhe des eigenen Hauses herab auf den fremden Kinderwagen als Ausdruck neu gefassten Lebensmutes. | Oliver Seifert

Last updated: 24.08.2026

Contact

Institution:

Neue Nationalgalerie

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Studie für „Ohne Titel“

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Gorky, geboren als Vosdanig Manoug Adoian im Osmanischen Reich, gab sich einen neuen Namen, nachdem er den Völkermord an den Armeniern 1915 überlebt hatte und 1920 in die Vereinigten Staaten immigriert war. „Arshile“ könnte sich auf den altgriechischen Achilles oder den armenischen König Arshak beziehen, „Gorky“ suggeriert eine Beziehung zu Maxim Gorki (ebenfalls ein Pseudonym), einem der wichtigsten sowjetischen Schriftsteller. Der Künstler hatte sich damit einen Namen gegeben, der nicht von seiner Herkunft sprach, ihn in den USA aber dennoch als fremd auswies. Eine solche Selbsterfindung zeichnet auch seine Werke aus. Gorky hatte hauptsächlich autodidaktisch gelernt und sich anfangs an Künstlern wie Paul Cézanne, Pablo Picasso oder Joan Miró orientiert. In den 1940er-Jahren begann er, ausgiebig mit Linien und Farben zu experimentieren. 1944 verbrachte Gorky viele Monate auf dem Land und bezog biomorphe Formen in seine Arbeiten ein. Die Natur selbst war für ihn eine Spielart der Kunst (Kim S. Theriault, Rethinking Arshile Gorky, University Park [Pennsylvania] 2009, S. 114). Er schuf viele Zeichnungen, in denen er Formen wiederholte, bis er die für ihn richtige Lösung fand. „Ohne Titel“ ist eine Vorstudie zu einem ebenso benannten Gemälde von 1944 (auch als „Painting“ publiziert; WVZ-Nr. P285). Schwarze Linien – einige mäandernd, andere abstrahierte Objekte oder die Form weiblicher Genitalien beschreibend – überlagern sich mit frei schwebenden Farbflächen. Abstrakt, aber nicht völlig gegenstandslos stellt Gorkys Werk den Akt des Malens an sich in den Mittelpunkt. | Emily Joyce Evans

Untitled (Study for „Pancho Villa Dead and Alive”)

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Mit der Technik der Collage beschäftigte sich Motherwell erstmals 1943. Die Mäzenin Peggy Guggenheim hatte ihn sowie eine Handvoll anderer US-amerikanischer Künstler – unter ihnen William Baziotes und Jackson Pollock – zu einer Gruppenausstellung eingeladen, die jener in den USA noch nicht sehr verbreiteten Methode gewidmet war. Auf ihr Drängen und unter Anleitung des Surrealisten Roberto Matta, einem engen Vertrauten Motherwells seit ihrer gemeinsamen Zeit in Mexiko 1941, experimentierte dieser erstmals mit „papiers collés“ (geklebten Papieren). Unter anderem schuf er 1944 die vorliegende unbetitelte Collage, die heute auch als „Study for ‚Pancho Villa Dead and Alive‘“ bekannt ist, da sie Merkmale der gleichnamigen Collage aus dem Vorjahr aufweist, die sich heute im Museum of Modern Art in New York befindet. Die Arbeit auf Karton setzt sich aus verschiedenen Sand-, Pack- und Japanpapieren zusammen, über die aus Tusche eine strichmännchenhafte Figur mit weit aufgerissenen Augen und erhobenem Arm gemalt ist. Da die Papiere hinter dem Männchen einem Sarg gleichen, über dem eine Zielscheibe prangt, liegt eine Analogie zu Pancho Villa, dem 1923 ermordeten mexikanischen Revolutionsführer, durchaus nahe. Waren Motherwells Collagen anfangs sowohl figurativ als auch abstrakt, verschwanden die darin durchscheinenden surrealistischen Anleihen zu Beginn der 1950er-Jahren und wichen einer Formensprache, die vor allem dem abstrakten Expressionismus verpflichtet war. | Maike Steinkamp

Der Kreis

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Der Autodidakt Pousette-Dart gehörte zu den jüngsten Malern jener Strömung, die später als abstrakter Expressionismus bekannt wurde. 1937 war er nach New York gezogen, wo er bald als Assistent des Bildhauers Paul Manship arbeitete. Seine eigenen abstrahierenden Arbeiten dieser Zeit sind geprägt von starken Farben, organischen Formen und kultisch anmutenden Zeichen. Die Grundlage seiner Kompositionen bildet häufig ein schwarzes geometrisches Raster wie auf dem kleinformatigen Blatt „Ohne Titel“ (B UHP 136/13). Darin orientieren sich die dargestellten Formen und Farben an dem Netz, sie visualisieren Gefühle, Träume und Erinnerungen, womit sie, nach Pousette-Dart, weniger persönliche Erfahrungen zum Ausdruck bringen als vielmehr auf das Universelle und Kosmische verweisen. Auch der Kreis als Symbol des Himmlischen ist ein wiederkehrendes Moment in den Arbeiten des Künstlers. Auf der „Der Kreis“ benannten Gouache (B UHP 137/13) erscheinen gleich mehrere davon in verschiedenen Größen. Auch sie sind, ebenso wie die anderen organischen Strukturen, die das Bild bestimmen, in einem Gitternetz verankert. Pousette-Dart selbst sagte zu seinen Werken aus den 1940er-Jahren: „Ich versuche die spirituelle Natur des Universums auszudrücken. Malerei ist für mich Gleichgewicht der Kräfte und Vollständigkeit des Lebens. Sie ist geheimnisvoll und übersinnlich, jedoch greifbar und wirklich“ (zit. nach Richard Pousette-Dart, Ausst.-Kat., New York, 1947, o. S.). | Maike Steinkamp