Chansonsängerin
Ident. Nr.: B 58/23
ObjID: obj:968343
Details (expert)
- Creator/Entity
- Date(s)
- Herstellung: 1911
- Additional titles
- Collection title: ChansonsängerinKreolinTranslation: Chanson SingerMulattin / Negerin / Tanzende Negerin
- Provenance
- im Besitz des Künstlers,
1952Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1952–1968 - Material / Technique
- Öl auf Leinwand
- Dimensions
- Höhe x Breite: 150 x 77,5 cm
- Acquisition
- 1952 Ankauf vom Künstler durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/968343
Object Description
Georg Tappert gehörte zu den ersten deutschen Künstlern, die das Berliner Nachtleben und die sich darin bewegenden Frauen als Bildthema entdeckten. Seine Motive fand er vorrangig im Vergnügungsviertel um die Friedrichstraße, das bereits vor dem Ersten Weltkrieg aufblühte. Die zahlreichen Varietés, Kabaretts und Revuen feierten ein neues, befreites Körpergefühl und boten eine schillernde Gegenwelt zur bürgerlichen Prüderie der wilhelminischen Kaiserzeit. In expressionistischem Stil, mit dynamischer Pinselführung und leuchtenden Farben porträtierte Tappert Chansonsängerinnen, Revuegirls, Nackttänzerinnen und Prostituierte. Seine Figuren wirken sinnlich und selbstbewusst, zugleich aber oft von gesellschaftlicher Randständigkeit gekennzeichnet – fern klassischer Schönheitsideale. Das Berliner Vergnügungsmilieu bediente zugleich primitivistische und voyeuristische Fantasien eines weißen Publikums. Weiße Künstlerinnen inszenierten sich zuweilen als Geisha, Haremsdame oder ägyptische Herrscherin und bedienten damit kolonialgeschichtlich geprägte europäische Vorstellungen des sogenannten „Exotischen“. Schon 1901 trat die afro-amerikanische Revuetanzgruppe Louisiana Amazon Guards in Berlin auf. Nach dem Ersten Weltkrieg knüpften Ensembles wie die Chocolate Kiddies an diesen Erfolg an. 1925 wurde Josephine Baker mit ihrer Revue Nègre im Nelson-Theater am Kurfürstendamm zur Sensation. In ihren Auftritten spielte sie humorvoll mit rassistischen Stereotypen. Doch nur wenigen Schwarzen Künstlerinnen gelang es, sich selbst zur Marke zu machen. Der Name der von Tappert dargestellten Chansonsängerin in einem Berliner Varieté ist nicht bekannt.
Last updated: 25.08.2026
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Institution:
Neue Nationalgalerie
Email:
nng@smb.spk-berlin.de