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Et les femmes volcaniques relèvent et agitent, d'un air menaçant, la partie postérieure de leur corps

Ident. Nr.: SSG 86

ObjID: obj:1065458

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Ernst (1891 - 1976),
Künstler*in
Datierung
1929
Weitere Titel
Sammlungstitel: Et les femmes volcaniques relèvent et agitent, d'un air menaçant, la partie postérieure de leur corps
Und die aufbrausenden Frauen heben und schütteln bedrohend den hinteren Teil ihres Körpers / Collage zu "La femme 100 têtes"
Übersetzung: And the Irascible Women Lift and Shake their Backsides in a Menacing Way
Geografische Bezüge
Material / Technik
Collage, Druckfarbe auf Papier
Abmessungen
Höhe x Breite: 20,5 x 20,5 cm

Objektbeschreibung

Nachdem sich Max Ernst in den 1920er Jahren primär der Technik der Frottage und der Ölma-lerei zugewandt hatte, kehrte er Ende des Jahr-zehnts zur Collage zurück. Mit La Femme 100 têtes, wahlweise als ›die hundertköpfige Frau‹ oder lautmalerisch als ›kopflose Frau‹ zu verstehen, Rêve d’une petite fille qui voulut entrer au Carmel und Une Semaine de bonté erschienen zwischen 1929 und 1934 vom Umfang her ganze Collage- Roma ne. Ernst hatte in dieser Technik bereits Einzelblätter geschaffen, bevor er mit La Femme 100 têtes eine Serie von 145 Blättern, zu denen auch das vorliegende gehört, entwickelte. Diese unter-scheiden sich in Quellenmaterial, Zusammen-stellung und Bilddichte deutlich von den Papier-arbeiten der frühen 1920er Jahre. Ernst be-diente sich zwar erneut Literatur jedweder Richtung des 19. Jahrhunderts: Romane, wis-senschaftliche Bücher zur Biologie, Physik, Philosophie und Psychologie, nutzte hier aber die vorgefundenen Illustrationen zusammen-hängender. Dies erklärt auch den gänzlich anderen Aufbau der Collagen aus der DADA-Phase. Ausgangslage der Romancollagen waren meistens Blätter, die bereits über eine flächenfüllende Raumdisposition verfügten, die jedoch durch das Hinzukommen der Ernst-schen Fremdkörper auf gebrochen wurde. Zwar werden auch hier zusammenhanglose Gegen-stände verknüpft, da es sich aber größtenteils um figurative Darstellungen handelt, ist der Identifikationsgrad beim Betrachter höher. Es entstehen Traumwelten von bestrickender bis verstörender Poesie, die einen unwidersteh-lichen assoziativen Sog entwickeln, je länger man sich in sie vertieft. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Weib u. Tier

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Eine weibliche Aktfigur, die wie eine Skulptur aus einem Steinblock herauswächst, lockt ein gazellenartiges Tier mit einer Blume. Das Tier erhebt sich auf den Hinterläufen und macht so ‘Männchen’. Laut Klee symbolisiert es „das Tier im Menschen (im Manne)“. Während in der ersten, im Juli 1903 entstandenen Fassung der Radierung ein geifernder Köter das Geschlecht einer hilflos gestikulierenden Frau beschnüffelt, ist das Verhältnis in der zweiten Fassung, die vom November 1904 datiert, ausgeglichener. Das Tier ist schlanker und mit einem Bockshorn ausgestattet, die Frau steht zwar abgewandt, doch wendet sie Kopf und Arm dem Tier zu. „In Beziehung auf die Psychologie der Handlung steht die Arbeit jetzt insofern höher“, erläuterte Klee seiner Verlobten Lily, „als das Weib sich nicht mehr passiv verhält, das heißt erschrickt, sondern seinen Trieb, zu coquettieren, auch im Moment der brutalen Entscheidung nicht lassen kann.“ Für den satirischen Kommentar auf das Verhältnis der Geschlechter zueinander verwendete Klee verschiedene Motive aus der Kunstgeschichte. Die Frauenfigur geht auf eine antike Statue des Praxiteles zurück, wobei Klee das Venus-pudica- Motiv des Verhüllens der Scham zu einem „Venus- Koketterie-Motiv“ (Gregor Wedekind) des Enthüllens macht. Die sexuell aufgeladene Beziehung zwischen Frau und Tier ist der Grafik des 19. Jahrhunderts entlehnt und begegnet dort unter anderem bei Max Klinger und Félicien Rops. Der zeichnerische Stil, den Klee 1919 rückblickend als „gotisch-klassisch“ bezeichnete, verweist auf die Grafik des 15. Jahrhunderts, vermittelt durch den Einfluss Ferdinand Hodlers, was insbesondere die monumentale Isolierung der Figuren vor dem schwarzen Aquatinta-Hintergrund betrifft. Klee nutzt die groteske bis hässliche Abweichung von der klassischen Form, um die Fragwürdigkeit gesellschaftlicher Ideal- und Rollenbilder wie etwa der reinen und keuschen Frau oder des Edelmannes zu demonstrieren. Die zweite Fassung der Darstellung nahm Klee als Nummer 1 in seinen elf Radierungen umfassenden Zyklus „Inventionen“ auf, mit dem er sich als Grafiker etablieren wollte. | Dieter Scholz

Modemadonna

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Abgegriffen und zerknittert, erscheint die „Mode-Madonna“ auf den ersten Blick wie ein oft betrachtetes und berührtes Ikonenbildchen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sie sich jedoch als eine der „Merz“zeichnungen Kurt Schwitters. Eine schwarz-weiße gedruckte Mariendarstellung hat der Künstler auf ein farbiges Etikett geklebt. Nachträglich hinzufügte Rillen bilden – einem Heiligenschein gleich – einen Halbkreis um den Kopf der Muttergottes. Unter ihr lassen sich die Worte „Manoli“ und „Diva“ entziffern, die sich unten im Rahmen wiederholen. Kurt Schwitters war selbst in der Werbung tätig und schätzte die wechselseitige Einflussnahme von Kunst und Reklame. Daher verwendete er kaum zufällig ein Zigarettenetikett der Marke „Diva“ der Berliner Firma Manoli, welche in ihrer Reklame das Bild der mondänen Frau prägte. Schwitters spielt hier auf das Rollenverständnis der Frau der 1920er Jahre zwischen Modernität und Mütterlichkeit an. Die Frauen konnten nun der Passivität entfliehen, seit 1919 durften sie wählen und sich an der Universität habilitieren. Erstmals rauchten Frauen. Besonders in Berlin zeigte sich die neue Freiheit auch in der Mode: Bubikopf, Hosen und vor allem die Zigarettenspitze waren Kennzeichen der weiblichen Emanzipation, die gerade erst begonnen hatte. Die Geburtenrate hingegen war stark rückläufig, daher wählte Schwitters für seine Ikone eine Maria ohne Jesuskind. Das Blatt stammt aus dem Besitz von Hannah Höch, der einzigen Frau unter den Berliner Dadaisten, mit der Kurt Schwitters eng befreundet war und deren poetisch-skurrile Collagen seiner eigenen Arbeit sehr nahestehen. | Silke Krohn

Disparate Puntual

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Die zwischen 1815 und 1824 entstandenen Radierungen der „Disparates“ ( Torheiten) bilden den letzten Zyklus Francisco de Goyas. 1819 hatte Goya sich aufgrund der anhaltenden politischen Unruhen zwischen Monarchisten und Liberalen in sein Landhaus zurückgezogen und seine berühmten „Pinturas negras“ (Schwarze Bilder) auf die Wände seines Hauses gemalt. In ihnen zeigt er seine düstere Fantasie, die bedrückenden Zeitumstände und die verdorbenen Menschen ohne Moral. Zeitgleich dazu entstanden die Darstellungen der menschlichen Torheiten, in denen sich diese pessimistische Weltansicht und Hoffnungslosigkeit widerspiegeln. Zu seinen Lebzeiten wurden lediglich Probedrucke dieser Blätter angefertigt, erst 1864 wurden die Radierungen unter dem Titel „Los proverbios“ (Die Redensarten) erstmals veröffentlicht. Da die Darstellungen weit über Kommentar oder Sprichwort hinausgehen, ist die Folge heute unter dem Titel „Disparates“ bekannt, einem Titel, den Goya auch auf einigen seiner Probedrucke selbst vermerkt hatte. Sie gehören zu den rätselhaftesten, am schwierigsten zu deutenden Werken des Künstlers. Goya scheint mit dieser Folge der surrealistischen Kunst des 20. Jahrhunderts näher zu sein als seiner eigenen Epoche. In dem Blatt „Präzise Torheit“ bildet der Zirkus den Schauplatz einer eigenartigen Szene: Die hell hervorgehobene Artistin balanciert auf dem Rücken eines Pferdes, das seinerseits auf einem Seil steht. Dabei bleibt unklar, ob die Hufen des Pferdes bereits den Boden berühren. Das Publlikum im Dunkeln verfolgt die Darbietung mit geschlossenen Augen, möglicherweise schläft es sogar. Handelt es sich um eine Satire über die Leichtgläubigkeit des Volkes? Oder illustriert der Balanceakt das Gleichgewicht zwischen Leidenschaften und weiblicher Tugend? | Melanie Wilken