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La vague

Ident. Nr.: SSG 162

ObjID: obj:1065609

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Henri Laurens (1885 - 1954),
Künstler*in
Datierung
1932
Weitere Titel
Sammlungstitel: La vague
Die Woge
Übersetzung: The Wave
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 40,5 x 30 x 41 cm
Erwerbung
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Objektbeschreibung

Die noch relativ kompakte Kalksteinskulptur „Kauernde mit Tuch" (SSG 161) und die übermütig bewegte weibliche „Woge“ markieren eine Zäsur bei der künstlerischen Neuorientierung Laurens', obwohl sie zeitlich recht nah beieinander entstanden sind. Von jetzt an beherrschen Ozeaniden, Sirenen und Nereiden, Fabelwesen des Meeres, das Laurens zu jener Zeit noch gar nicht gesehen hatte, sowie Göttinnen der antiken Mythologie als dynamische Figurationen mit weit in den Raum ausgreifenden Gliedern die Bildhauerei des Künstlers. Mit ihrer Anmut und mediterranen Sinnenfreude gelten sie im Allgemeinen als Inbegriff der Figurenkunst dieses Bildhauers, der dem Leitsatz folgte: „Ich strebe nach der Reife der Formen. Ich möchte erreichen, dass ich sie so füllig wiedergebe, dass man nichts mehr hinzufügen kann.“ Die heitere Gelöstheit der Figurenwelt von Laurens ist umso erstaunlicher, bedenkt man das mühevolle, von einer schweren Knochenkrankheit gezeichnete Leben des Künstlers, dem aus diesem Grunde bereits 1914 ein Bein amputiert werden musste. | Anita Beloubek-Hammer

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Für Nichts!

Für Nichts!

Man mag bei dem von Kubin verehrten Francisco de Goya kein unmittelbares Vorbildmotiv finden, gleichwohl erinnert das Blatt „Für Nichts!“ an dessen „Desastres“, in denen Folterszenen unter anderem das Erhängen, Ziehen und Quetschen von Menschen zeigen. In der bis 1904 häufig verwendeten Spritztechnik zeichnet Kubin eine in ein dämmriges Licht getauchte, bodenlose menschliche Erfahrung – die eines bis zum Zerreißen Gequältseins. Das von glühendem Schmerz bis in die Formlosigkeit verzerrte Gesicht des Gepeinigten und die gegen den Himmel gerichtete, offene Mundhöhle erinnern an Vergils Beschreibung der Todesangst des Laokoon: „Noch zu den Sternen erhebt er den Wehruf, schauerlich gellend / Wie der getroffene Stier aufbrüllt, der wund vom Altare flieht […]“. Was jedes Reflexionsvermögen und jede Sprache raubt, kommt hier in einem unartikulierten Schrei zum Ausdruck. Bei Kubin richtet er sich jedoch nicht gegen die Sterne, sondern verhallt ungehört in der Einsamkeit und gähnenden Leere der vegetationslosen Landschaft. Obgleich die Verursacher der Folter mit den beiden am Tau ziehenden Männern, dem Stier im Vordergrund und dem Reitenden mit Hut sichtbar werden, bleibt unklar, für welche Qualen sie sinnbildlich stehen. Der Titel „Für Nichts!“ verweist auf die brutale Grundlosigkeit des Erlittenen. Ist es der befremdlich kultisch wirkende Mann vorn rechts im Bild, der die eigentlichen Fäden in der Hand hat? Kubins umfangreiche Schriften bieten für das Dargestellte keine eindeutige Exegese. Das Blatt kann jedoch als Parabel einer unerbittlichen Wahrheit menschlichen Daseins gelesen werden, die reale menschliche Leiden bis ins Ungeheuerliche steigert. Gezeigt wird der gespaltene Mensch, das bis zur Höllenpein Zerrissensein, ein Abgrund der Seele. Es scheint hier nur eine letzte tröstliche Einsicht zu bleiben: Auch unendlicher Schmerz ist unabdingbar Teil der Conditio humana. | Luisa Fink

Ohne Titel

Ohne Titel

Der Tscheche František Kupka lebte seit 1896 in Paris, wo er seinen Lebensunterhalt vor allem mit Beiträgen für satirische Zeitschriften verdiente; seit 1900 kamen Buchillustrationen dazu. Laut Beschriftung ist dieses Blatt eine Illustration zu dem 1909 erschienenen Gedichtband „La négresse blonde“ (Die blonde Negerin) von Georges Fourest, eine tatsächlich illustrierte Ausgabe von František Kupka ist jedoch nicht bekannt. Kupka geht sehr frei mit den Sprachbildern des Dichters um, auf deren Variationsbreite und Vielzahl die übereinandergestellten Gemälde im Vordergrund verweisen. Fast scheint es so, als übertrage Kupka die Stilmittel von Fourest – Disharmonie, unerwartete Wendungen und derben schwarzen Humor – in seine Illustration. Mag das Oberteil des Skeletts auch an einen Matrosen, den typischen Bordellbesucher, denken lassen, verraten die Haartolle, das Monokel, die Zigarette im Mundwinkel, der wohlgenährte Bauch der Knochenfigur, die behandschuhte Hand und insbesondere die lässige, selbstbewusste Haltung einen Mann der Bourgeoisie, jener Bürgerschicht, die Fourest in vielen seiner Gedichte satirisch betrachtete, der er aber selbst angehörte. Möglich ist, dass Kupka in seinem Aquarell auf den Lebensstil des Dichters anspielt. Der Pantoffel, in der Ikonografie oft Symbol der Weiberherrschaft, stellt im Zusammenhang mit der betont herausgestellten männlichen Potenz ein weiteres ironisches Moment dar. Der Fötus ist ein Zitat aus Kupkas 1900 entstandenem symbolistischem Zyklus „Les Nénuphars“ (Lebensanfang). Auf dem hier gezeigten Blatt wird der Embryo von Absinth, erkennbar an Löffel und Zuckerstück, dem „Getränk der Künstler und Literaten“ im Paris der Jahrhundertwende, genährt. Inspiriert durch Georges Fourests literarisches Werk zeigt František Kupka einen sarkastischen Lebenszyklus seiner Zeit. | Silke Krohn

Le mystère est exempt de pudeur

Le mystère est exempt de pudeur

Georges Hugnet, zunächst vor allem als Dichter und Kunstkritiker in Erscheinung tretend, ist einer der ersten, der über die neuen Tendenzen in der Kunst der Grafik, darunter auch DADA, schreibt. In seinen seit 1928 regelmäßig in einschlägigen surrealistischen Kunstzeitschriften wie „Cahiers d’Art“ und „Minotaure“ erscheinenden Artikeln stellt er unter Beweis, dass er die Bedeutung der künstlerischen Bewegungen seiner Zeit und insbesondere die des Surrealismus erkannt hat. Ein solcher Artikel erweckt 1932 das Interesse André Bretons, woraufhin Hugnet im selben Jahr Mitglied der surrealistischen Vereinigung wird. Mitte der 1930er Jahre beginnt Hugnet, der sich eingehend mit den Werken der Dadaisten Hannah Höch und Raoul Hausmann beschäftigt hat, eigene Collagen anzufertigen, „um die Realität zu lenken und um auf diese Art in das Gebiet des Wunderbaren einzudringen, indem die Bilder von ihrem ursprünglichen Ziel und ihrer banalen Bedeutung abgekehrt werden“. Ausgehend von den Erotikzeitschriften, die er und seine Freunde sammeln, wird sein zentrales Thema das Bild der Frau, welches er mit Hilfe von Schere und Kleber symbolträchtig in immer wieder neue Sinnzusammenhänge setzt. Die beiden Szenen in der vorliegenden Arbeit, verbunden durch die Meereslandschaft, die in die Welt des Geheimnisvollen einlädt, wirken wie Sequenzen aus einem Film, dessen Erzählstrang abrupt unterbrochen zu sein scheint, vom Betrachter jedoch wieder aufgenommen werden kann. Durch die farbliche Überarbeitung der Abbildungen erreicht Hugnet eine groteske Übersteigerung. Schüren die Gitterstäbe bereits die Begierde, erscheint die halb in ein Skelett verwandelte Frau verführerisch und unerreichbar zugleich. Frei von Schamhaftigkeit verweist Georges Hugnet auf Sadismus und Nekrophilie, Themen, die die Surrealisten in zahlreichen Werken beschäftigen. | Silke Krohn

Jean Paulhan diable noir

Jean Paulhan diable noir

Das Porträt des französischen Schriftstellers Jean Paulhan gehört zu einer Reihe von Bildnissen bekannter Pariser Intellektueller, denen Dubuffet im Salon der amerikanischen Mäzenin Florence Gould begegnete. Jean Paulhan war Mitherausgeber der Zeitschrift „Nouvelle revue française“, die den Strömungen vom Symbolismus bis zum Dadaismus gleichermaßen zugewandt war. Der herkömmliche Abbildcharakter spielt für die Bildnisse Dubuffets allerdings keine Rolle. Indem er auffällige Eigenheiten und Merkmale der Dargestellten mit ungewöhnlichen Substanzen und Malmaterialien zum Ausdruck bringt, entwickelt er eine neue Form des Porträts. Im Falle Jean Paulhans erschafft er mit Zement und Kalk eine zerklüftete Oberfläche, auf der die Gestalt des Schriftstellers als brüchige Präsenz sichtbar wird. Ein Jahr bevor dieses Materialbild entstand (1946), hatte Dubuffet die ganze Figur des Schriftstellers mit Kohle festgehalten. (SSG 58). In Anlehnung an Darstellungsformen bei Kindern zeigt Dubuffet Jean Paulhan nun (1947) als ‘Kopffüßer’, ohne Arme und mit einem im Verhältnis zum Körper überdimensional großen Kopf, aus dem die Augen, zwei schwarze Punkte, starr herausblicken. Ohne Volumen und räumliche Tiefe breitet sich der ‘Teufel in Schwarz’ auf der krustigen Fläche aus. Die kindliche Anmutung spielt mit dem vermeintlich Diabolischen der schwarzen Gestalt zusammen. Mit dieser unkonventionellen, an unverbildete Ausdrucksformen erinnernden Darstellungsweise will Dubuffet seine Freunde und Bekannten keineswegs karikieren. Vielmehr geht es ihm darum, die ‘wahre Gestalt’ einer Person zu vermitteln, die in der Begegnung mit dem Betrachter auch dessen sinnlich-haptische Empfänglichkeit ansprechen soll: „Es schien mir, indem ich meine Modelle entpersönlichte und auf eine elementare, menschliche Gestalt reduzierte, daß ich es meiner Meinung nach dem Betrachter des Bildes leichter machte, seine Phantasie und Vorstellungskraft anzuregen, und gleichzeitig die Macht des Bildnisses verstärkte.“ | Melanie Franke

Interno metafisico

Interno metafisico

Das „Interno metafisico“ (Metaphysisches Interieur) steht in einer Reihe von klaustrophobisch anmutenden Interieurs, die de Chirico in einer Phase der persönlichen Isolierung in der italienischen Stadt Ferrara schuf. Dorthin übersiedelte der Künstler, der Einberufung zum Kriegsdienst folgend, im Jahre 1915. In die irreale Bildkonstruktion dieser Bilder, die aus befremdenden Konglomeraten wie geometrischen Instrumenten und anderen rätselhaften Gegenständen bestehen, ist ein vermeintlich realer Ausblick in Form eines Himmelsausschnittes oder, wie hier, urbaner Gebäude einbezogen. Während die Scheiben des Fensters in der linken Bildhälfte blind bleiben, ist das architektonisch ungerahmte ‘Bild im Bild’ an das Ende der zentralperspektivisch angelegten Raumflucht verschoben. Das moderne Hochhauspanorama bildet dabei einen Kontrast zu dem antik-ionischen Kapitell des Pilasters neben dem Fenster und dem seiner tragenden Funktion enthobenen barocken Baluster. Diese Architekturfragmente fassen ein auf perspektivisch verzerrten und geometrisierten Sockeln basierendes, unentwirrbares Puzzle aus Reißschienen, Winkeldreiecken, Vermessungsgeräten und trigonometrischen Instrumenten ein. Diesen Gegenständen mit ihrer mysteriösen Existenz haftet zudem durch das Fehlen jeglicher Orientierung eine erstarrte Kälte an. Indem de Chirico die Verbindlichkeit dieser subjektvergewissernden Perspektive in Frage stellt und die gewohnte optische Wahrnehmung außer Kraft setzt, entlarvt er die Welt als Scheinwelt. De Chiricos „Metaphysisches Interieur“ erhebt das Transzendente zum Bildinhalt, wobei der Künstler das Metaphysische nicht hinter, sondern in den Dingen sucht. So werden seine Innenräume zu geheimnisvollen, beunruhigenden Rätseln. | Hanna Strzoda

La plus belle

La plus belle

Auf einem bossierten, kegelförmigen Fuß ist die schmale, glatt polierte Gestalt, den Oberkörper in der Taille leicht nach rechts gebeugt, aufgesteckt. Auf einem sehr langen, zarten Hals ruht der überproportioniert große Kopf, der Biegung des Körpers in entgegengesetzter Richtung antwortend. Einer Kinderzeichnung gleich formen zwei tiefgesetzte Punkte und ein leicht nach oben gebogener Strich das Gesicht. Überhaupt wirkt die Figur bis auf den leichten Taillenschwung gänzlich androgyn – erst durch den Titel wird das Geschlecht bestimmt. In seinem knapp 20 Jahre zuvor entstandenen bildhauerischen Hauptwerk „Capricorne“ verfuhr Max Ernst im Zusammenfügen der Abgüsse von Fundstücken ähnlich wie in seinen Collagen. Viele andere seiner Skulpturen folgen ebenfalls mehr oder weniger dieser Art von Assemblage, an denen der Arbeitsprozess ablesbar bleibt. „La plus belle“ hingegen bildet eine glatte, in sich geschlossene Form, lediglich der kleine Absatz zwischen Sockel und Körper suggeriert eine Mehrteiligkeit der Skulptur. In ihrer Torsohaftigkeit erinnert „La plus belle“ an antike Statuen, die häufig ohne ihre Extremitäten aufgefunden wurden. Unter ihnen gilt vor allem die „Venus von Milo“ als Inbegriff antiker, zeitloser Schönheit. Der Titel von Max Ernsts Skulptur und eine ähnliche Körperlenkung der beiden Statuen lassen vermuten, dass sich der Künstler hier an einer Adaption des klassischen Schönheitsideals versuchte, so wie er sich Ende der 1950er Jahre dem Schaffen von Leonardo da Vinci zuwandte, sich also in seinem Spätwerk doch noch mit den Heroen der Kunstgeschichte auseinandersetzte, statt sich, wie zu Beginn seiner künstlerischen Karriere, über sie hinwegzusetzen. | Katharina Wippermann