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Phantasien über einen gefundenen Handschuh, der Dame, die ihn verlor, gewidmet

Ident. Nr.: SSG 152

ObjID: obj:1065713

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Klinger (1857 - 1920),
Künstler*in
Datierung
1878
Systematik/Art
Weitere Titel
Phantasien über einen gefundenen Handschuh, der Dame, die ihn verlor, gewidmet
Übersetzung: Fantasies About a Found Glove dedicated to the Lady Who Lost It
Originaltitel: Paraphrase sur la découverte d’un gant, dédiée à la dame qui l‘a perdu
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Leipzig
Provenienz
Auktion: Dr. Ernst Hauswedell,
1970
Galerie Brockstedt, Hamburg,
379142
Abmessungen
Höhe x Breite: a) 29x41,5 cm b)22,2x19 cm c)28,5x10,9 cm d)15,8x10,9 cm e)15x28 cm f)13,8x30,3 cm g)11,7x24 cm h)11x23,5 cm i)9x22 cm j)12x24,5 cm cm
Erwerbung
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Objektbeschreibung

Der erst 21-jährige Max Klinger trat 1878 in Berlin erstmals öffentlich hervor und fand sofort kritische Beachtung. Im Berliner Kunstverein zeigte er die aus Verehrung für die schöne Brasilianerin T. gezeichneten Blätter Phantasien über einen gefundenen Handschuh, der Dame, die ihn verlor, gewidmet. »Ihre Originalität war so tief und so barock, sie waren so unähnlich Allem, was man früher in dieser Art gesehen, dass kein Besucher gleichgiltig [sic] daran vorbeiging. Der gewöhnliche Berliner war allerdings nicht ganz klar darüber, ob dies Genialität oder Wahnwitz sei«, schrieb der Kunst-kritiker Georg Brandes. Andere mutmaßten, Klinger versuche »das Publikum durch Absonderlichkeiten und Verschrobenheiten seines Sujets anzulocken «. Das aber war Klingers Intention nicht: Die intime Form der Zeichnung erschien ihm, ähnlich der Poesie, als eine Möglichkeit, »gegen das Unschöne « anzugehen. Klinger, ein Bewunderer Goyas und Böcklins, erfand mit Leichtigkeit treffende, suggestive Bilder und Motive. Der vorliegende Zyklus schildert Zustände heftiger Verliebtheit. Die Ängste und Wünsche machen sich an dem Handschuh fest, den die Begehrte auf der Rollschuhbahn verlor. Nach zwei realistischen Einleitungsblättern gewinnt das Geschehen ein fantastisches Eigenleben. Der verlorene Handschuh wird zum Fetisch, der stellvertretend die Gefahren und Freuden der Liebe erleidet: Er wird aus Seenot gerettet, gleitet als Triumphator bei aufgehender Sonne über die See, empfängt am Ufer die Huldigung der rosengespickten Wellen, wächst, wieder im Wasser, zu bedrohlicher Größe an, liegt ganz real und scheinbar sicher auf einem Tischchen und wird auf dem nächsten Blatt von einem drachenartigen Wesen durch die nachtdunklen Lüfte entführt. Durch die geborstenen Fensterscheiben recken sich ihm zwei Arme nach, aber sie können das Tier mit der kostbaren Reliquie im Schnabel nicht zurückhalten. Die letzte, morgendliche Ansicht zeigt Amor mit abgelegten Waffen und dem nun ruhenden Handschuh unter einem Rosenbusch. Klinger, der seine Bilder oft im Halbschlaf entwickelte, kannte wohl bereits frühe Veröffentlichungen zur Traumforschung, das bereicherte seine Symbolik. Er bringt, wie es in Träumen häufig vorkommt, in seinen Bildern entfernte Dinge zueinander oder verrätselt reale Situationen, wie er es an Böcklin bewundert hatte. De Chirico wiederum sah seine Arte metafisica bei Klinger vorgeprägt. Ein handgeschriebenes Gedicht, Hommage überschrieben, verzierte er mit einer Skizze nach dem gleichlautenden sechsten Blatt der Paraphrasen über einen Handschuh. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 24.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Mit dieser Fotocollage hat Max Ernst seinen Freunden Sophie Taeuber und Hans Arp ein kleines Denkmal gesetzt. Die Unterlage, den Fond der Arbeit entnahm er der Broschüre Deutsches Kriegsflugwesen von Georg Paul Neumann, die er auch für seine anderen Fotocollagen der DADA-Zeit intensiv ausbeutete. All diese Collagen zeigen kriegsversehrte Menschen, unheimliche Maschinen, Transformationen in neue, fantastische Landschaften. Für sein Doppelporträt drehte Ernst eine Luftaufnahme des Suezkanals um 90 Grad und kombinierte sie mit Abbildungsfragmenten wie dem Panzer eines Krebses und dem Reliefprofil der Voralpen aus dem Kölner Lehrmittelkatalog, einem umfangreichen Musterbuch für Unterrichtsmaterial an Schulen noch aus der Kaiserzeit und Ernsts Vorlagenkompendium für seine Arbeiten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Max Ernst hat ein Doppelporträt in geradezu klassischer Konstellation zusammengestellt, durch die Collage wird diese Form jedoch gleichzeitig konterkariert und verzerrt. Zwar sind noch zwei einander zugewandte Personen im Profil auszumachen, aber ihre Köpfe sind nur noch Schädelknochen, die sich gegenseitig anschauen und ebenso wie ihre Attribute nur noch anhand der Bildlegende zu identifizieren sind. Links im Bild kann man die aus einem Gebiss umgedeutete Pfeife Hans Arps und rechts die Kapuze des Capes von Sophie Taeuber erkennen. In den DADA-Jahren schuf Max Ernst ein kleines Pantheon seiner Familie und Freunde. Für einige der Fotocollagen schrieb er zusammen mit Hans Arp kleine Texte, FATAGAGA genannt, die den Bildern eine poetische Dimension beifügten. Die künstlerische Kooperation war ein echtes Markenzeichen der Kölner Dadaisten, und so hob Max Ernst in seinem vorliegenden Doppelporträt die enge Bindung zwischen Arp und Taeuber hervor, die ebenfalls gemeinsam Kunstwerke geschaffen hatten. Er hat es seinen Freunden zum Geschenk gemacht, die Bildunterschrift stammt aus seiner Feder. Für Hans Arp war die Collage auch noch 1948 wichtig. Er publizierte sie in seinem Buch „On My Way“, das als Sammelband einen Überblick über sein künstlerisches und dichterisches Werk gibt. Die Collage war für ihn, fünf Jahre nach dem Tod seiner über alles geliebten Frau, das beste Doppelporträt von ihnen beiden, ein anderes findet sich im Buch nicht. | Lutz Derenthal