Tête archimboldesque
Ident. Nr.: SSG 21
ObjID: obj:1065863
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Sammlung Scharf-Gerstenberg
E-Mail:
ssg@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1940
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Tête archimboldesqueKopf in der Art von ArcimboldoÜbersetzung: Archimboldoesque Head
- Material / Technik
- Bleistift & Deckweiß auf braunem Papier
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 25 x 32,5 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1065863
Objektbeschreibung
Dicht am unteren Bildrand ist ein weiblicher Akt drapiert. Die Figur nimmt mehr als die Hälfte des Blattes mit ihrem in sich verdrehten und verzerrten Körper ein. Ihr Gesicht ist aus mehreren Frauenkörpern und deren einzelnen Körperteilen zusammengesetzt, Figuren in Strümpfen und Schuhen liegen, bücken und umarmen sich scheinbar schwebend über der Figur. Bellmer greift hier zum einen, worauf der Titel bereits verweist, auf die Kompositionen Giuseppe Arcimboldos, des Hofmalers Rudolfs II., zurück. Dieser setzte die Gesichter der von ihm Porträtierten aus verschiedenen Objekten wie Früchten, Büchern oder menschlichen Körpern zusammen. Zum anderen lehnt sich Bellmer an erotische Postkarten des 19. Jahrhunderts an, die im „Minotaure“ (Nr. 3–4) veröffentlicht wurden und auf denen Gesichter zu sehen sind, die sich aus Mädchenkörpern zusammensetzen. Bellmer beschäftigte sich immer wieder mit der Zerlegung und Neuzusammensetzung des weiblichen Körpers und griff dabei das Prinzip der surrealistischen Kombinatorik auf. Nicht möglichst Disparates wird miteinander konfrontiert, sondern neu zusammengefügt wird, was auch sonst zusammengehört, nur eben anders. Dieses Prinzip entspricht dem des sprachlichen Anagramms: ein Wort oder Satz, aus dem durch Umstellung der Buchstaben neue Wörter und Sätze entstehen. Bellmer selbst sah im Körper dieses syntaktische Potenzial, denn er sagte: „Der Körper, er gleicht einem Satz, der uns einzuladen scheint, ihn bis in seine Buchstaben zu zergliedern, damit sich in einer endlosen Reihe von Anagrammen aufs neue fügt, was er in Wahrheit enthält.“ | Melanie Franke/Nadine Ott
Letzte Aktualisierung: 15.12.2025
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Sammlung Scharf-Gerstenberg
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ssg@smb.spk-berlin.de