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Schönheiten der vier Jahreszeiten

Ident. Nr.: 253

ObjID: obj:1078941

Schenkung Wilhelm von Bode, Ehemals Sammlung Hayashi Tadamasa

Details (Expert)

Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
Genroku-Ära
Weitere Titel
Sammlungstitel: Schönheiten der vier Jahreszeiten
Übersetzung: Beauties and flowers of the four seasons
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Material / Technik
Querrolle, Farben auf Seide
Abmessungen
Bildmaß: 34,5 x 700,8 cm
Höhe x Breite: 37 x 700,8 cm (Montierung)

Objektbeschreibung

Typische Blumen und Gräser der vier Jahreszeiten rahmen auffällig gekleidete Mädchen und Jünglinge, die entweder einzeln oder in kleinen Gruppen vor einem durch Pflanzen und Blumen als Landschaft definierten, aber weitestgehend leeren Bildgrund posieren. Die Farbigkeit ihrer kostbar dekorierten Gewänder konkurriert mit der leuchtenden Pracht der Blüten.
Weder im Aufwand der Kleidung noch in den Frisuren stehen die Jünglinge hierbei den Mädchen nach und so fällt es schwer, das Geschlecht der Dargestellten zu bestimmen. Insbesondere wenn etwa Hüte die rasierten Stelle auf den Hinterköpfen der Männer verdecken. Aus dem Geschlechterschema fällt auch der kniende Kabuki-Schauspieler im letzten Drittel der Rolle, dessen rasierter Vorderkopf durch ein lila-braunes Kopftuch bedeckt ist, welches zu seiner androgynen Attraktivität beiträgt.
Insgesamt zählt diese Querrolle zwanzig verschiedene Pflanzenarten und eben so viele Figuren, die bei vergnüglichen Beschäftigungen wie Flanieren, Lektüre, Tanz, Shamisen-Spiel oder auch dem Servieren von Tee erfasst sind. Während die Pflanzen einem natürlichen Kreislauf des Werdens und Vergehens im Wechsel der Jahreszeiten unterworfen erscheinen, bieten die Figuren den Betrachtern eine Vision fortwährend verfügbarer Jugend.

Da Trichterwinden und Flaschenkürbisse am Ende der Rolle den Herbst symbolisieren, ist anzunehmen, dass dieses Werk unvollständig ist. Die Signatur des Malers wäre wohl auf dem fehlenden Teil (nach der Darstellung des Winters) zu vermuten. Physiognomie und Proportionen der Figuren deuten auf einen Maler der Hishikawa-Schule. Diese ist nach Hishikawa Moronobu (1618–1694), dem Pionier der hauptsächlich modische Figuren und Szenen aus den urbanen Zentren behandelnden Malerei der „Fließenden Welt“ benannt. Die lockere, entspannte Atmosphäre und die prachtvolle Gestaltung der Gewänder in dieser Darstellung spiegeln die hedonistische, zum Luxus neigende Lebenshaltung der Genroku-Zeit (1688–1704). Die hohe künstlerische Qualität und die Kostbarkeit der verwendeten Materialien lassen auf einen wohlhabenden Auftraggeber aus dem städtischen Milieu schließen.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Der Maskentyp des "Kleinen Gesichts" (ko-omote) wurde für die Darstellungen der anmutigen, jungen Frauengestalten in Drittspielen (Katsura Nô) geschaffen. Er spiegelt das weibliche Schönheitsideal der Heian-Zeit wider. Das ins rundliche gehende ovale Gesicht verjüngt sich zur Stirn hin und wird durch die aufgeschminkten, hoch angesetzten Augenbrauen zusätzlich gelängt. Die Augenwinkel verlaufen in einer geraden Linie, die Sehlöcher sind eckig. Die Nasenlöcher sind weich geformt, ähnlich wie der leicht geöffnete Mund, der die geschwärzten Zähne sichtbar werden läßt. Die Unterlippe ist betont vorgeschoben und endet in hochgezogenen Mundwinkeln. Es formt sich das für die Ko-omote charakteristische jugendlich-unbekümmerte Lächeln. Die Wangen sind füllig, das leichte Doppelkinn wird auffallend plastisch formuliert. Der Ausdruck lieblicher, verinnerlichter Schönheit jedoch, wie ihn die überlieferten Abbilder (utsushi) der dem Schnitzer Tatsuemon (Ende 14. Jahrhundert) zugeschriebenen Prototypen (honmen) besitzen, ist bei dieser Maske einer derberen Nuance gewichen und läßt sie in die Nähe des Maskentyps der Manbi (Tausend Koketterien) rücken. Diese Maske verkörpert die sinnlich-erotischen Aspekte der Frauengestalten im Nô und wurde erstmals zu Beginn der Tokugawa-Zeit, als die Entstehung neuer Spiele neue Maskentypen erforderte, geschaffen. Die drei feinen, seitlich verlaufenden parallelen Haarsträhnen (kegaki) geben jedoch den eindeutigen Hinweis auf den Typ der Ko-omote, da sie bei der Maske der Manbi nicht vorkommen. Im Laufe der Tokugawa-Zeit bildeten sich die repräsentativen Frauenmasken für weibliche Hauptrollen innerhalb der großen Nô-Schulen heraus. Zwei Familien, Komparu und Kita, benutzen den Typ der Ko-omote bis heute dafür. Die anderen Schulen wählten Masken vom Ko-omote-Typ für ihre weiblichen Nebenrollen (tsure). Möglicherweise handelt es sich bei unserer unsignierten Maske um eine solche tsuremen. [SM8HF]

Landschaft

Landschaft

Eingebettet zwischen den monumentalen, hoch aufragenden Bergmassiven im Hintergrund und den sanften Hügeln und Baumgruppen im Vordergrund sind kleine, einfache Siedlungen zu sehen. Vereinzelte Figuren, die alltäglichen Tätigkeiten nachgehen, beleben die idyllische, ländliche Szene. Mittels haarfeiner Hanffaser-Strukturstriche sowie rhythmisch getupfter Moospunkte, die charakteristische Elemente der Literatenmalerei sind, vermochte der Künstler Plastizität und Volumenhaftigkeit der festen Erdmassen zu erzeugen. Subtile ockerbraune und hellgrüne Lavisflächen deuten auf die frühsommerliche Jahreszeit hin und verleihen der Darstellung eine wohltuende Frische. Die dezente Farbgebung evoziert zudem eine lyrische Atmosphäre. Matsumura Gekkei studierte ab 1781 die Malkunst und die Haikai-Dichtkunst beim berühmten Literatenmaler Yosa Buson (1716–1783). Im Jahre 1781 zog Gekkei von Kyoto nach Ikeda, einem kleinen Ort in der Nähe von Osaka, wo er bis 1789 blieb. Das Pseudonym Goshun legte er sich während dieser Zeit, in Anlehnung an den alten Namen Ikedas, zu. Das vorliegende Stellschirmpaar gehört zu den repräsentativsten Werken dieser frühen Schaffensperiode, in welcher der Einfluss Busons sich sehr stark bemerkbar macht. Vor allem in der Behandlung von Felsen sowie in der Charakterisierung von Figuren ist die Handschrift des prominenten Meisters deutlich erkennbar. Goshuns Tendenz zur lyrischen Bildstimmung, die ein Wesensmerkmal seines Werkes ist, tritt hier bereits deutlich zu Tage. Nach seiner Rückkehr aus Ikeda nach Kyoto in den Jahren 1788/89 trat Goshun in das Studio des äußerst populären Malers Maruyama Ōkyo (1733–1795) ein. Von Ōkyo übernahm Goshun den naturalistischen, dekorativen Malstil und verband ihn erfolgreich mit den Elementen der Literatenmalerei, die er von Buson gelernt hatte. Nach Ōkyos Tod im Jahre 1795 führte Goshun ein eigenes Studio, das sich an der Shijō-Straße in Kyoto befand und seiner Schule ihren Namen gab, der Shijō-Schule.