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Homage to Goldwater

Ident. Nr.: NG 7/13

ObjID: obj:1386453

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Peter Alvermann (1931 - 2006),
Künstler*in
Datierung
1964
Material / Technik
Lack auf Holz und Metall
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: geschlossen 179 x 142 x 108 cm
Höhe x Breite x Tiefe: geöffnet 600 x 142 x 108 cm
Erwerbung
1979 Schenkung des Künstlers, Düsseldorf

Objektbeschreibung

Die ironische „Hommage“ an den US-amerikanischen Politiker Barry Goldwater (1909–1998) vereint mehrere politische und historische Anspielungen mit einem mechanischen Trick. Goldwater, 1964 Präsidentschaftskandidat, befürwortete die Ausweitung der amerikanischen Interessenssphäre im Kalten Krieg und den Einsatz taktischer Atomwaffen. Alvermann setzt ihn in Verbindung mit dem deutschen Militarismus. Vorne auf dem hochgeklappten runden Tisch umgibt der Bibelspruch „Gott mit uns“ (Judit 13,11) rote Lippen. Dieser Spruch wurde als Motto und Schlachtruf vom preußischen Königshaus verwendet, später auch im Kaiserreich und Nationalsozialismus sowie bis 1962 von der Bundeswehr. Mit einer rückseitig montierten Kurbel wird der Tisch geöffnet; weiße Zähne werden sichtbar und es entsteht fast der Eindruck einer Guillotine. Über der Kurbel steht „Prüfe Deine Kraft!“, unten links davon „DRP“, das Kürzel der Deutschen Reichspartei (1950–1965), deren Gründer Mitglieder der NSDAP gewesen waren. Ebenfalls rückseitig ist auf einen roten Kreis ein schwarzes Kreuz gemalt, in Wahrheit ein Hakenkreuz, dessen Arme durch eine dünne rote Farbschicht noch sichtbar sind. Die unzureichende Übermalung zeigt, dass Alvermann die von ihm wahrgenommene Nähe Goldwaters zu den Nationalsozialisten, der DRP und Militarismus betonen wollte. Auch die Kirche wird angeklagt: Unter dem Hakenkreuz liegt ein aufgeschlagenes Gesangbuch. Ein Rundumschlag gegen Establishment, Militarismus und Rechtsextremismus sowie gegen die aktuelle Politik zweier westlicher Länder. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Innenraum-Entwurf

Innenraum-Entwurf

Mies van der Rohe ließ sich während der Weimarer Republik von avantgardistischen Kunstformen inspirieren. Er verwendete Collagen, ein beliebtes Verfahren des Dadaismus, als Medium für seine Entwürfe und eröffnete damit ein gänzlich neues Spektrum für die Architekturdarstellung. Die hier eingefügte Abbildung der Skulptur „Mädchentorso, sich umwendend“ von Wilhelm Lehmbruck (1913/1914, F.V. 77) aus der Nationalgalerie-Sammlung spielte in Mies’ Architekturauffassung eine zentrale Rolle. Sie stand auch in der Villa Tugendhat in Brünn, die er 1929/1930 erbaute. Mies setzte die (bei ihm stets weibliche) menschliche Figur als Kontrapunkt zu seiner geometrischen Architektur. So ist Auguste Renoirs Plastik einer knienden Wäscherin („La Grande Laveuse accroupie/L’Eau“, 1917, NG 10/68) vor der Glasfront zum Garten platziert, in der Sichtachse zum Wasserbecken. Pablo Picassos Wandbild „Guernica“ (1937; Museo Reina Sofia, Madrid) dagegen kommt einer politischen Positionierung gleich. Dieses berühmte Antikriegs-Bild war zwischen 1939 und 1981 im Museum of Modern Art in New York zu sehen und in den USA, wo Mies seit 1938 lebte, durch eine Wanderausstellung sehr bekannt geworden. An der Holzwand auf der rechten Bildseite sind Details von Georges Braques’ „Mann mit Gitarre“ (1911/1912; Museum of Modern Art, New York) zu sehen. In dieser Werkauswahl spiegeln sich Mies’ Kunstvorlieben, der in den USA mehrere Werke seiner Freunde Paul Klee und Kurt Schwitters sowie von Georges Braque, Pablo Picasso und Edvard Munch erworben hatte. Den Collagen zufolge hatte Mies in den Räumen im Untergeschoss einen Terrazzoboden vorgesehen, der durch eingelegte Aluminiumleisten in Quadrate gegliedert sein und so das Raster der Granitplatten im Garten und Foyer fortsetzen sollte. Die Decken waren dagegen als fugenlose Flachdecken konzipiert. In der Ausführung wurde der Vorschlag aus Kostengründen indessen durch ein modulares Deckensystem und einen einheitlichen Spannteppich formal umgekehrt realisiert. | Uta Caspary

Innenraum-Entwurf

Innenraum-Entwurf

Bereits in den 1930er-Jahren entwickelte Mies van der Rohe die Methode der perspektivischen Fotomontagen oder Collagen als Studien zu seinen architektonischen Entwürfen, aber auch als eigenständige Kunstwerke. Sie wirken wie eine Vorwegnahme der computergenerierten Visualisierungen unserer Tage. In seinem Büro in Chicago fertigten Studierende unter seiner Aufsicht eine Vielzahl von Collagen zu den jeweiligen Projekten. Drei solcher Arbeiten, die einen Ausstellungsbereich mit Blick in den Museumsgarten darstellen, gehörten auch zur Präsentation des Entwurfs für den Bau der Neuen Nationalgalerie. Sie sollten, so Mies im Begleittext zur Entwurfsmappe, „den Charakter und Geist dieses Bereiches [des Untergeschosses] sowie seine Beziehung zum Garten klarmachen“ (Kunstbibliothek, Berlin). Feine Tusche-Linienzeichnungen des Raumes werden mit eingeklebten Fotos von einem Wald, die in Schwarz-Weiß mit Grünfilter gefertigt sind, und Fotos von Kunstwerken kombiniert, die teilweise zur Sammlung der Neuen Nationalgalerie gehören, größtenteils jedoch frei gewählt sind. Hier ist Wassily Kandinskys „Schwere Kreise“ (1927; Norton Simon Museum, Pasadena) mit Wilhelm Lehmbrucks „Große Stehende“ (1910; Von der Heydt-Museum, Wuppertal) kombiniert. Diese Werkauswahl spiegelt die Vorliebe des Architekten für die klassische Moderne, mit Lehmbruck war er außerdem persönlich und künstlerisch eng verbunden. Das von Mies bei der Möblierung bevorzugte Brauneichenfurnier verwendete er hier als abstrakten Raumteiler, der an Tresen oder hüfthohe Grafikschränke im Museum erinnert. Im Garten hinter der Glasfront ist ein rechteckiges Wasserbecken eingezeichnet, in dem die Bronze „La Rivière“ (1938–1943) von Aristide Maillol platziert ist. Hinter der Umfassungsmauer wuchert das dunkle Grün des Waldes. Das Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Natur in den Collagen ist charakteristisch für Mies’ Entwurfsprinzip generell. | Uta Caspary

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson