Truppenbetreuung in Vietnam
Ident. Nr.: NG 12/13
ObjID: obj:1386518
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1966
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Truppenbetreuung in VietnamÜbersetzung: Troop Support in Vietnam
- Material / Technik
- Polyester
- Abmessungen
- Höhe x Breite x Tiefe: 171 x 59 x 40 cm
- Erwerbung
- 1979 Schenkung des Künstlers, Düsseldorf
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1386518
Objektbeschreibung
Im Frühjahr 1965 eskalierte der schwelende Konflikt zwischen den Streitkräften der USA und des kommunistischen Nordvietnam zum offenen Krieg, in dem bis 1975 ungefähr 1,3 Millionen Menschen starben. Zehntausende amerikanische Soldaten wurden eingezogen; sie wurden durch Militärkrankenschwestern, Mitarbeiter*innen des Roten Kreuzes und die United Service Organizations gepflegt, betreut und unterhalten. Alvermann, der zu dieser Zeit in Düsseldorf lebte, wird als Kommunist klar gegen den Vietnamkrieg gewesen sein, doch auch allgemein regte sich in der Bundesrepublik Protest. In „Truppenbetreuung in Vietnam“ steht jedoch nicht internationales Recht oder das Leid der Zivilist*innen und Militärangehörigen im Fokus, sondern ein nackter weiblicher Körper. Es ist eine einbeinige Schaufensterpuppe, die zum versehrten Sexobjekt geworden ist. Der Künstler hat die Puppe mit Schamhaar versehen, das explizit und obszön wirkt. Ein großer, klaffender Mund mit stark rot gefärbten Lippen ersetzt den Kopf; darunter bieten sich große Brüste dar. Hier ist nicht jene Truppenbetreuung gemeint, die der Genesung, Erholung oder Erinnerung an die Heimat dient, sondern sexuelle „Betreuung“. Erst Jahrzehnte nach Kriegsende begann man, offener über Vergewaltigungen von Amerikanerinnen, Vietnamesinnen und von Soldaten durch US-Soldaten zu sprechen. Selten wurden die Taten strafrechtlich verfolgt. Die Entwicklung der Sexindustrie und des Sextourismus in Asien hat ihre Wurzeln auch in der weit verbreiteten Prostitution während des Krieges. Der Kommentar zum Krieg reduziert sich auf etwas gleichermaßen Absurdes und Sexuelles: scheinbar inadäquat angesichts der Leiden der Menschen damals, aber im Rückblick ungeahnt treffend. | Emily Joyce Evans
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
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nng@smb.spk-berlin.de