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Lied einer Jungfrau - sie ist Nonne geblieben

Ident. Nr.: NG 3/13

ObjID: obj:1386631

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Peter Alvermann (1931 - 2006),
Künstler*in
Datierung
1962
Weitere Titel
Sammlungstitel: Lied einer Jungfrau - sie ist Nonne geblieben
Übersetzung: Song of a Virgin - She Remained a Nun
Material / Technik
Lack, Holz, Glas, Stahl und Gips
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 185 x 83 x 34 cm
Erwerbung
1979 Schenkung des Künstlers, Düsseldorf

Objektbeschreibung

Alvermann umkreiste die Themen Sexualität und Konvention immer wieder. „Die Braut“ (NG 11/13) ist eine fast nackte Schaufensterpuppe in hochhackigen schwarzen Schuhen. Bedeckt wird sie nur durch einen billig wirkenden Brautschleier und eine himmelblaue Blechwanne mit der Aufschrift „ich will dir mein herze schenken“ über der Brust. Gleichzeitig wird die Sexualität durch übertrieben viele Schamhaare betont. Auch die Arbeit „Lied einer Jungfrau – sie ist Nonne geblieben“ (NG 3/13) nimmt den Status der Frau zum Ausgangspunkt. Beide werden auf Objekte reduziert, egal, ob als Verheiratete oder als Nonne, und ihnen fehlt das Persönliche: die Nonne besteht aus Werkzeugen, einer Uhr, einer verkürzten Klaviatur und weiteren Objekten. Als Alvermann die beiden Werke schuf, war der Personenstand durch die Anrede als (Ehe-)Frau bzw. Fräulein (der Begriff wurde 1971 in der BRD aus dem Amtsdeutsch gestrichen) noch für alle erkennbar. Die Zuordnung von Frauen in eine von zwei Gruppen imitierte er mit der Braut und der Jungfrau. Alvermann lud in mehreren Werken dazu ein, den damals üblichen Blick infrage zu stellen: „Man entdeckte, dass die Sexualität im Kapitalismus zum bloßen Gebrauchsgegenstand und zur Ware geworden ist, und bezog das selbstverständlich nur auf die weiblichen Warenangebote.“ (Hans Peter Alvermann, SMB-ZA, II A/NG 0281, Werkkommentar zu „Black Majesty“, NG 5/13) Die Übertreibung dessen, was ohnehin in Kultur und Gesellschaft geschieht, soll ein Weckruf sein. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson