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Leo Kestenberg

Ident. Nr.: FNG 129/07

ObjID: obj:1386771

Erworben durch die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oskar Kokoschka (1886 - 1980),
Künstler*in
Datierung
1926/1927
Geografische Bezüge
Provenienz
Galerie Paul Cassirer, Berlin,
- 4.4. 1927
Kauf: Leo Kestenberg, Berlin/Tel Aviv,
1927–1965
Nachlass/Vermächtnis: Dr. Ruth Gladstein Kestenberg und Rachel Epstein, Haifa,
1965
Galerie Michael Haas, Berlin,
2007
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 127 x 102 cm
Erwerbung
2007 Ankauf von der Galerie Michael Haas, Berlin, durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Leo Kestenberg (1882–1962) war als Pianist ein Liszt-Virtuose, als Musikkenner künstlerischer Berater der Berliner Krolloper, er engagierte sich in Arbeitervereinen und Gewerkschaften für die Volkserziehung und war seit 1918 zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann als Referent und schließlich als Leiter der Musikabteilung im preußischen Kultusministerium unter Carl Heinrich Becker kulturpolitisch verantwortlich unter anderem für die Neuorganisation der Musikerziehung (vgl. Leo Kestenberg, Musikerziehung und Musikpflege, Leipzig 1921). In seinen Memoiren berichtet er anschaulich von den Porträtsitzungen bei Kokoschka, der von Januar bis Mai 1927 im Haus des im Vorjahr verstorbenen Paul Cassirer in Berlin wohnte. Das Bild zeigt Kestenberg mit energisch zu Fäusten geballten Händen. Im Hintergrund sitzt seine Frau am geöffneten Flügel, davor ist schemenhaft ein Arbeiter angedeutet, der eine Last trägt, „als Symbol meiner Verbundenheit mit der Arbeiterschaft“ (Leo Kestenberg, Bewegte Zeiten, 1961, zit. nach WVZ Winkler/Erling 1995, S. 133). Rechts soll laut Kestenberg das Gebäude der Freien Volksbühne angedeutet sein, für die er künstlerische Veranstaltungen organisierte. 1932 wurde Kestenberg als Jude in den einstweiligen Ruhestand versetzt, 1933 emigrierte er nach Prag, 1938 nach Tel Aviv. | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson