Menetekel oder Ausgrabungsstück zu bevorstehenden unruhigen Zeiten
Ident. Nr.: NG 1/13
ObjID: obj:1386782
n/a
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1961
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Menetekel oder Ausgrabungsstück zu bevorstehenden unruhigen ZeitenÜbersetzung: Writing on the Wall, or Excavated Piece on Upcoming Unrest
- Material / Technik
- Gips
- Abmessungen
- Höhe x Breite x Tiefe: 85 x 173 x 19 cm
- Erwerbung
- 1979 Schenkung des Künstlers, Düsseldorf
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1386782
Objektbeschreibung
Was den bekennenden Kommunisten Alvermann dazu bewegte, in seinem Werk einen Moment aus einer biblischen Geschichte zu verbildlichen, ist unbekannt. Mit dem Titel bezieht er sich auf eine alttestamentliche Geschichte im Buch Daniel, in der König Balsazar ein ausschweifendes Fest gibt. Während dieser Feier erscheint eine Hand und schreibt Wörter an die Wand, die niemand – nicht einmal die Weisen des Königs – entziffern oder deuten kann (Dan 5,4–5,8). Schließlich wird Daniel hereingeführt und erklärt Balsazar, dieser habe sich versündigt gegen Gott: „[Du hast] die silbernen, goldenen, ehernen, eisernen, hölzernen, steinernen Götter gelobt, die weder sehen noch hören noch fühlen können. Den Gott aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht verehrt. Darum wurde von ihm diese Hand gesandt und diese Schrift geschrieben.“ (Dan 5,23–5,25) Die Inschrift spreche von „mene tekel“, das bedeute „gezählt, gewogen und zu leicht befunden“. Alvermanns Plastik umfasst die wesentlichen Elemente der Geschichte: eine (Schreib-)Hand und einen Schriftzug sowie stellvertretend für den König einen Fuß auf einem Kissen. Die Schrift ist nicht eindeutig einem Alphabet zuzuordnen, und wer sie lesen will, befindet sich in der Position Balsazars, der die Warnung nicht versteht. Links hängt ein Lot, das jede Abweichung vom Senkrechten – moralisierend gesagt: Aufrechten – anzeigt. Der Künstler warnt vor der Überbewertung des Materiellen. Die Ergänzung des Titels durch den Hinweis auf „unruhige Zeiten“ hat mit Blick auf die politischen Umbrüche dieses Jahrzehnts etwas Prophetisches. | Emily Joyce Evans
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.de