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Menetekel oder Ausgrabungsstück zu bevorstehenden unruhigen Zeiten

Ident. Nr.: NG 1/13

ObjID: obj:1386782

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Peter Alvermann (1931 - 2006),
Künstler*in
Datierung
1961
Weitere Titel
Sammlungstitel: Menetekel oder Ausgrabungsstück zu bevorstehenden unruhigen Zeiten
Übersetzung: Writing on the Wall, or Excavated Piece on Upcoming Unrest
Material / Technik
Gips
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 85 x 173 x 19 cm
Erwerbung
1979 Schenkung des Künstlers, Düsseldorf

Objektbeschreibung

Was den bekennenden Kommunisten Alvermann dazu bewegte, in seinem Werk einen Moment aus einer biblischen Geschichte zu verbildlichen, ist unbekannt. Mit dem Titel bezieht er sich auf eine alttestamentliche Geschichte im Buch Daniel, in der König Balsazar ein ausschweifendes Fest gibt. Während dieser Feier erscheint eine Hand und schreibt Wörter an die Wand, die niemand – nicht einmal die Weisen des Königs – entziffern oder deuten kann (Dan 5,4–5,8). Schließlich wird Daniel hereingeführt und erklärt Balsazar, dieser habe sich versündigt gegen Gott: „[Du hast] die silbernen, goldenen, ehernen, eisernen, hölzernen, steinernen Götter gelobt, die weder sehen noch hören noch fühlen können. Den Gott aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht verehrt. Darum wurde von ihm diese Hand gesandt und diese Schrift geschrieben.“ (Dan 5,23–5,25) Die Inschrift spreche von „mene tekel“, das bedeute „gezählt, gewogen und zu leicht befunden“. Alvermanns Plastik umfasst die wesentlichen Elemente der Geschichte: eine (Schreib-)Hand und einen Schriftzug sowie stellvertretend für den König einen Fuß auf einem Kissen. Die Schrift ist nicht eindeutig einem Alphabet zuzuordnen, und wer sie lesen will, befindet sich in der Position Balsazars, der die Warnung nicht versteht. Links hängt ein Lot, das jede Abweichung vom Senkrechten – moralisierend gesagt: Aufrechten – anzeigt. Der Künstler warnt vor der Überbewertung des Materiellen. Die Ergänzung des Titels durch den Hinweis auf „unruhige Zeiten“ hat mit Blick auf die politischen Umbrüche dieses Jahrzehnts etwas Prophetisches. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson