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Flucht nach Ägypten

Ident. Nr.: W-1966,143

ObjID: obj:1632609

Details (Expert)

Datierung
1510 - 1520
Abmessungen
Höhe x Breite: 205 x 185 cm

Objektbeschreibung

Vor einer hügeligen Landschaft ist mit großen Figuren die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten dargestellt. In der Bildmitte sitzt Maria mit dem Jesusknaben seitlich auf einem nach rechts ziehenden Esel. Sie ist dem Betrachter frontal zugewandt. Joseph, mit einer Keule bewaffnet, führt den Esel an einem Strick. Im linken Hintergrund findet sich die seltene Darstellung des „Kornwunders“: Der Legende nach ließ Gott auf einem Felde, von dem aus die heilige Familie beobachtet wurde, das Korn so schnell wachsen, dass es die Bauern schon nach einem Tag schneiden konnten und die Verfolger, die auf unserem Teppich gerade die Stadt Bethlehem verlassen, durch die Aussage verwirrten, Flüchtende seien zur Zeit der Aussaat vorbeigekommen.
Der Bildteppich besticht durch seine exquisite Farbigkeit, die durch die reiche Verwendung von Seidenfäden in den Gesichtern und von Metallgespinstfäden in den Gewändern kostbar und preziös wirkt. Die Anordnung der Heiligen Familie auf dem Blütenfeld im Vordergrund verrät noch die Anklänge an die Kunst der Spätgotik, doch die Tiefe des räumlichen Aufbaus verweist auf den neuen Geist der Renaissance. Neu ist auch die umlaufende Borte, die dem Bildteppich den Charakter eines Bildes verleiht. Ein Hinweis darauf, dass gegen Ende des 15. Jahrhunderts Wandbehänge zu einem festen Bestandteil der Raumkultur wurden. Es handelt sich um die originale Bordüre, die noch verhältnismäßig schmal ist und die Marien-Symbole: Weintrauben und Rosen zeigt. Diese waren über Jahrzehnte die Hauptmotive der Brüssler Borten der Frührenaissance. Handwerkliche Vollkommenheit, Reichtum an Einzelheiten und prächtige dekorative Wirkung zeichneten die Brüssler Teppiche der Spätgotik und der Renaissance aus.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa