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Mädchen mit Spiegel

Ident. Nr.: NG 27/11

ObjID: obj:1701768

Gestiftet von L. Roy Blumenthal, New York
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Hofer (1878 - 1955),
Künstler*in
Datierung
1945
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mädchen mit Spiegel
Übersetzung: Girl with a Mirror
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1947
Simon Bourgin, Los Angeles,
1947 - mind. 1958
Dietrich und Gisela Spangenberg, Berlin,
2011
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 99 x 71 cm
Erwerbung
2011 Schenkung aus Nachlass Dietrich und Gisela Spangenberg, Berlin

Objektbeschreibung

Hofer behandelte das Sujet der jungen Frau bei der Toilette in zahlreichen Varianten. Ihm wesentlich erscheinende Themen wiederholte der Künstler, zumeist in nur kleinen Abwandlungen, auf der Suche nach einer Qualitätssteigerung. Die Vorläufer des Motivs „Mädchen mit Spiegel“ stammen bereits aus den Jahren 1938 (Verbleib unbekannt, WVZ Wohlert/Eisenbeis 2008, 1370) und 1943 (Privatbesitz, Dortmund, WVZ 1656), betitelt als „Junge Frau mit Spiegel“. Während die Sitzhaltung des sich im Handspiegel betrachtenden Mädchens über die Jahre hinweg identisch blieb, mit übereinandergeschlagenen Beinen und halb entblößter rechter Brust, wies Hofer den zuvor weitgehend undefinierten Umraum in seiner späten Version eindeutig als Atelier aus: Die Dargestellte wird hier in ihrer Rolle als Modell gezeigt, umgeben von mehreren Keilrahmen. Dass sich der vom nationalsozialistischen Regime verfemte Künstler öffentlich gegen jenes positioniert hatte, trug unmittelbar nach Kriegsende zu seiner Berufung als Direktor der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin bei. Bis zu seinem Tod 1955 hielt er an einer figürlichen Darstellungsweise fest, weshalb er im westlichen Kunstbetrieb mitunter als Reaktionär in einer im Aufbruch begriffenen Kunstszene der Nachkriegszeit angesehen wurde. | Irina Hiebert Grun

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson