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Prozessionsstraße von Babylon (Gesamtansicht des rekonstruierten Teils)

Ident. Nr.: VA Bab 01379 -01407

ObjID: obj:1744143

Details (Expert)

Datierung
6. Jahrhundert vor Christus
Periode: Neubabylonisch
Geografische Bezüge
Material / Technik
Keramik; glasiert
Abmessungen
Höhe: 12,5 m
Breite: 8 m
Länge: 30 m

Objektbeschreibung

Wer im 6. Jahrhundert v. Chr., sich von Norden der Stadt nähernd, Babylon betreten wollte, musste sich zunächst in eine durch hohe Mauern mit vorspringenden Türmen eingeengte Straße begeben. An ihrem Ende erst, empfangen von einem durch Bastionen geschützten Vorplatz, erreichte er das Tor in den Mauern der Stadt – eines der sieben nachgewiesenen Tore im Befestigungsgürtel Babylons. Während des Durchschreitens dieser etwa 250 m langen und über 20 m breiten Anlage konnte der gewiss beabsichtigte tiefe Eindruck empfangen werden, den der Bauschmuck bei jedem Betrachter hinterlassen musste. Auf einer Teilstrecke von ca. 180 m vor dem Torplatz war den eigentlichen, mehr als sieben Meter starken Mauern eine farbige, reliefierte und zusätzlich mit Farbbändern versehene Verkleidung der Sockelzone vorgeblendet.

Ziegelreliefs schreitender Löwen in leicht verminderter natürlicher Größe und farbig unterschiedlicher Gestaltung bildeten den Blickfang des Baukörpers. Diese Tiere gaben nicht nur einen Widerschein der Macht und Größe des Reiches und seiner Hauptstadt, sie symbolisierten auch – als ihre heiligen Tiere – eine der wichtigsten Gottheiten der Babylonier, die kriegerische und Zeugungskraft verkörpernde Göttin Ischtar. Der offizielle Name der Straße lautete: Aj-ibur-schapu, „nicht habe Bestand der Feind“. Denn diese Anlage war gleichermaßen als Wehranlage vor dem Torzugang zur Stadt wie auch als ein einer Gottheit angemessener kultischer Verehrungsort errichtet worden.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht hatte der neubabylonische (chaldäische) König Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.) die Stadt Babylon zur Errichtung eines Palastkomplexes außerhalb der Mauern nach Norden erweitern lassen. Die östliche Außenmauer dieses Palastes sowie die westliche Mauer eines Befestigungsbaus („Vorwerk“) bildeten zugleich die Einfassungsmauern der Straße. Mehrere Terrainaufschüttungen hatten allerdings zur rampenförmigen Anhebung der Straße geführt, die vor dem Tor eine Höhe von etwa 15 m über dem umgebenden Stadtniveau erreichte. Den Verlauf der Straße hatte Nebukadnezar, wie er in einer Bauinschrift selbst bekundet, nicht anzutasten gewagt. War dies doch der Weg, den während des bedeutendsten religiösen Festes des Landes – dem Neujahrsfest zum Frühjahrsanfang – die gewaltige Prozession der Götter des Reiches entlangzog. Als krönender Abschluss des elftägigen Festes kehrten die Statuen des Reichsgottes Marduk und die der in die Hauptstadt gebrachten anderen Landesgötter vom Neujahrsfesthaus in den Haupttempel zurück. Damit konnte das kultische Jahr der Babylonier seinen Lauf nehmen.

Dieses Ereignis lag der prachtvollen Ausgestaltung des Baukörpers mit glasierten Ziegelreliefs zugrunde. Sowohl die Straße als auch das Tor hatten damit gegenüber den anderen Stadtzugängen eine einzigartige Gestaltung bekommen.

Die Rekonstruktion im Museum hält sich an die bei der Ausgrabung festgestellten Gebäudemaße und zeigt nur etwa 30 m des Straßenverlaufs in auf ein Drittel verminderter Breite. Bauform und Gestaltung wurden ausgeführt sowohl nach den Grundmauerbefunden als auch nach Abbildungen babylonischer Bauwerke auf assyrischen Palastreliefs. Aus Tausenden Bruchstücken der im Laufe der Zeit zerstörten Ziegel wurden 1928 bis 1930 wichtige Teile des Löwenfrieses wiederhergestellt. Der restliche Aufbau, so die oberen Wandteile in Form von Lehmverputz, die farbigen Mauerkronen mit Treppenzinnen, aber auch Teile des Schmuckfrieses selbst, sind aus modernen Ergänzungen gefertigt. [Joachim Marzahn]

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Vorderasiatisches Museum

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Esel-Liste für die Feldarbeit

Esel-Liste für die Feldarbeit

Im Rahmen der Grabungskampagne 1902/03 wurden 170 Keilschrifttafeln entdeckt, die Texte zur Viehverwaltung von Schuruppak (dem heutigen Fara) enthalten und damit einen wichtigen Einblick in die Wirtschaft dieser Region geben. Allein 93 Tafeln befassen sich mit Eseln, die hier gezeigte Liste stellt nach Inhalt, Form, Größe und Anzahl der Spalten – sieben auf der Vorderseite und acht auf der Rückseite – einen der umfangreichsten erhaltenen Texte zur Viehverwaltung dar.Der Text enthält einen Summenvermerk von Eseln für die Feldarbeit, wobei die Gesamtzahl der Tiere in Vierergespannen (Quadrigen) berechnet wird. Die Summe nennt 80 Quadrigen, also 320 Tiere, die für das Pflügen eingesetzt werden sollen. Auf dieser sowie auf weiteren 43 Tontafeln ist die Verwendung des Esels als Zugtier durch die Verbindung der Zeichen für Esel (sumerisch ANŠE) mit dem Wort für Pflugschar (sumerisch apin = ANŠE.apin „Pflugesel“) eindeutig belegt. Des Weiteren enthält die Liste Angaben zu Personen, die Esel erhalten oder zurückgegeben haben, sowie zu deren Berufen.Aus anderen Texten ist bekannt, dass sich die Tiere im Eigentum von Sud, dem Stadtgott von Schuruppak, beziehungsweise der Tempelverwaltung befanden.----The 1902/03 excavation campaign in Shuruppak (modern Fara) yielded 170 cuneiform tablets dealing with livestock management. 93 tablets deal with the administration of donkeys, used as plough animals as proved by the association of the signs for donkey (Sumerian ANŠE) and the word for ploughing (Sumerian apin = ANŠE.apin, 'plough donkey').With seven columns on the front and eight on the back the tablet VAT9079 features one of the most extensive surviving texts on livestock management.The text summarises the number of donkeys rented for the fieldwork - 320 in total - calculated in teams of four (quadrigae). The list also contains information about the individuals who rented or returned the donkeys, such as their names and professions. The costs associated with the loan of the animals were the responsibility of the borrowers, who were required to either pay the rent or provide compensation in the form of work for the temple.The donkeys were the property of Sud, the city god of Shuruppak, represented on earth by the temple administration. The temple was one of the institutions responsible for the city administration.(A.Valsecchi Gillmeister)