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Reliquienostensorium aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 35

ObjID: obj:1819230

Details (Expert)

Datierung
Ende 14. Jahrhundert
Abweichende Datierung: Elfenbeinreliefs: 3. Viertel 14. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: 27,1 x 9,7 x 9,3 cm

Objektbeschreibung

Die beiden Elfenbeinreliefs mit der Darstellung der Verkündigung an Maria und der Kreuzigung Christi wurden zu Seiten eines sechsseitig gearbeiteten, von einem hohen Turmaufsatz bekrönten zylindrischen Schaugefäßes in der Art feststehender Altarflügel sekundär wiederbenutzt. Sie flankieren an dieser Stelle zwei schlanke rundbogige Fenster mit Hornverschluss, hinter denen Reliquien verwahrt wurden. Das handwerklich äußerst schlicht gearbeitete Reliquienostensorium ruht auf einem vierpassförmigen Fuß, zwischen dessen Passfeldern sich kräftige Zwickelsporne befinden. Der Schaft des Ständers ist durch einen ellipsoidförmigen Nodus gegliedert.
Die senkrechten Randstege der sorgfältig geglätteten Rückseiten beider Elfenbeinplatten sind ungleichmäßig beschnitten, woraus auf die Zweitverwendung der Werke an diesem Ostensorium zu schließen ist. Wahrscheinlich zierten beide Reliefs ursprünglich die Außenseiten von Schreibtäfelchen, wie die zur Aufnahme von Wachs geeigneten flachen Umrahmungen an den Rückseiten der Platten vermuten lassen. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa