Logo

Armreliquiar des hl. Sigismund aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 18

ObjID: obj:1819340

Details (Expert)

Datierung
Ende 11. Jahrhundert
Bearbeitung: 13./14. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: 73 x 19 x 19,3 cm

Objektbeschreibung

Das Armreliquiar des hl. Sigismund gehört zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen dieses weit verbreiteten Typs der „redenden“ Reliquiare. Nach einer, allerdings erst um 1300 an der Unterseite des Sockels eingeritzten, Inschrift birgt es Reliquien des heiligen Burgunderkönigs Sigismund († 524), den die brunonischen Gründer des Braunschweiger Blasius-Stiftes zu ihren Ahnen zählten.
Das Armreliquiar erhebt sich über einem quadratischen Sockel mit Tatzenfüßen. Das getriebene Rankenwerk an der Oberseite des Sockels steht stilistisch in der Tradition der vegetabilen Ornamentik am Hezilo-Leuchter und an der Rückseite des Hezilo-Kreuzes in Hildesheim. Es bildet zusammen mit dem Filigran an den Borten der Ärmel des Unter- und des Obergewandes sowie an der Zarge und in den Spitzovalen des Sockels einen wichtigen Anhaltspunkt für die Datierung und Lokalisierung der Entstehung des Reliquiars.
Im ausgehenden 13. oder frühen 14. Jahrhundert wurde die ursprünglich wie die Ärmel in Silberblech getriebene Hand durch eine aus Bronze gegossene ersetzt. Diese hält in manierierter Weise zwischen drei Fingern einen Knauf mit aufgesetzter Lilie. Darin wurde die verkürzte Darstellung eines Lilienzepters erkannt. Im Zuge der Ergänzung der Hand wurde der Querschnitt beider Ärmel verkleinert, wodurch sich die außergewöhnlich schlanken Proportionen des Armreliquiars ergaben. Vermutlich noch etwas später wurde der Daumenring mit der gotischen Minuskelinschrift ciismundus (Sigismund) hinzugefügt. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Rastender Herkules (Modellnummer 382)

Rastender Herkules (Modellnummer 382)

Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa