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Die Abendkühle am Kamo-Fluß genießen

Ident. Nr.: 2009-120

ObjID: obj:1850574

Sammlung Klaus F. und Yoshie Naumann

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Tosa Mitsunori 土佐光則 (1583 - 1638),
Maler*in
Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
17. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Abmessungen
Bildmaß: 37,5 x 494 cm

Objektbeschreibung

Vom Tor eines Schreines seinen Ausgang nehmend, reiht sich in einer belebten Straße Laden an Laden. Handwerker, Kaufleute und Händler bieten in den zur Straße hin geöffneten Verkaufsräumen die ganze Vielfalt der in der alten Kaiserstadt erhältlichen Erzeugnisse feil. Das Personal dieses Panoptikums eines ‚bürgerlichen‘ Viertels Kyotos promeniert in buntem Zug aus Frauen, Kindern, Mönchen, Herren und Dienern an einem lauen Sommerabend hinunter zum Kamo-Fluss, der die Stadt Kyoto in nord-südlicher Richtung teilt. Inmitten des Flusses sitzen Gruppen von Männern und Frauen auf stegartigen Holzbühnen und genießen die Abendkühle. Allerorten wird gespeist und gezecht. An den Ständen am Ufer werden leichte Snacks verkauft, Bedienstete oder Angestellte umliegender Restaurants waten durch den Fluss und versorgen die dort Sitzenden mit Köstlichkeiten. Shamisen-Spiel und Unterhaltungen untermalen die angeregte Atmosphäre dieses Sommerabends.
Das Werk ist nicht signiert, ein Begleitschreiben des Malers Tosa Mitsusada (1738–1806) schreibt es aber dessen berühmten Vorfahren Tosa Mitsunori zu.
Die bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aufgekommene Bildgattung mit Darstellungen des urbanen Alltags in der Kaiserstadt Kyoto bildet eine wesentliche Grundlage für die Format füllenden Bilder modisch gekleideter Frauen und Männer des zeitgenössischen Lebens, die seit dem 17. Jahrhundert das Hauptthema der Malerei der Fließenden Welt ausmachen.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Der Maskentyp des "Kleinen Gesichts" (ko-omote) wurde für die Darstellungen der anmutigen, jungen Frauengestalten in Drittspielen (Katsura Nô) geschaffen. Er spiegelt das weibliche Schönheitsideal der Heian-Zeit wider. Das ins rundliche gehende ovale Gesicht verjüngt sich zur Stirn hin und wird durch die aufgeschminkten, hoch angesetzten Augenbrauen zusätzlich gelängt. Die Augenwinkel verlaufen in einer geraden Linie, die Sehlöcher sind eckig. Die Nasenlöcher sind weich geformt, ähnlich wie der leicht geöffnete Mund, der die geschwärzten Zähne sichtbar werden läßt. Die Unterlippe ist betont vorgeschoben und endet in hochgezogenen Mundwinkeln. Es formt sich das für die Ko-omote charakteristische jugendlich-unbekümmerte Lächeln. Die Wangen sind füllig, das leichte Doppelkinn wird auffallend plastisch formuliert. Der Ausdruck lieblicher, verinnerlichter Schönheit jedoch, wie ihn die überlieferten Abbilder (utsushi) der dem Schnitzer Tatsuemon (Ende 14. Jahrhundert) zugeschriebenen Prototypen (honmen) besitzen, ist bei dieser Maske einer derberen Nuance gewichen und läßt sie in die Nähe des Maskentyps der Manbi (Tausend Koketterien) rücken. Diese Maske verkörpert die sinnlich-erotischen Aspekte der Frauengestalten im Nô und wurde erstmals zu Beginn der Tokugawa-Zeit, als die Entstehung neuer Spiele neue Maskentypen erforderte, geschaffen. Die drei feinen, seitlich verlaufenden parallelen Haarsträhnen (kegaki) geben jedoch den eindeutigen Hinweis auf den Typ der Ko-omote, da sie bei der Maske der Manbi nicht vorkommen. Im Laufe der Tokugawa-Zeit bildeten sich die repräsentativen Frauenmasken für weibliche Hauptrollen innerhalb der großen Nô-Schulen heraus. Zwei Familien, Komparu und Kita, benutzen den Typ der Ko-omote bis heute dafür. Die anderen Schulen wählten Masken vom Ko-omote-Typ für ihre weiblichen Nebenrollen (tsure). Möglicherweise handelt es sich bei unserer unsignierten Maske um eine solche tsuremen. [SM8HF]

Landschaft

Landschaft

Eingebettet zwischen den monumentalen, hoch aufragenden Bergmassiven im Hintergrund und den sanften Hügeln und Baumgruppen im Vordergrund sind kleine, einfache Siedlungen zu sehen. Vereinzelte Figuren, die alltäglichen Tätigkeiten nachgehen, beleben die idyllische, ländliche Szene. Mittels haarfeiner Hanffaser-Strukturstriche sowie rhythmisch getupfter Moospunkte, die charakteristische Elemente der Literatenmalerei sind, vermochte der Künstler Plastizität und Volumenhaftigkeit der festen Erdmassen zu erzeugen. Subtile ockerbraune und hellgrüne Lavisflächen deuten auf die frühsommerliche Jahreszeit hin und verleihen der Darstellung eine wohltuende Frische. Die dezente Farbgebung evoziert zudem eine lyrische Atmosphäre. Matsumura Gekkei studierte ab 1781 die Malkunst und die Haikai-Dichtkunst beim berühmten Literatenmaler Yosa Buson (1716–1783). Im Jahre 1781 zog Gekkei von Kyoto nach Ikeda, einem kleinen Ort in der Nähe von Osaka, wo er bis 1789 blieb. Das Pseudonym Goshun legte er sich während dieser Zeit, in Anlehnung an den alten Namen Ikedas, zu. Das vorliegende Stellschirmpaar gehört zu den repräsentativsten Werken dieser frühen Schaffensperiode, in welcher der Einfluss Busons sich sehr stark bemerkbar macht. Vor allem in der Behandlung von Felsen sowie in der Charakterisierung von Figuren ist die Handschrift des prominenten Meisters deutlich erkennbar. Goshuns Tendenz zur lyrischen Bildstimmung, die ein Wesensmerkmal seines Werkes ist, tritt hier bereits deutlich zu Tage. Nach seiner Rückkehr aus Ikeda nach Kyoto in den Jahren 1788/89 trat Goshun in das Studio des äußerst populären Malers Maruyama Ōkyo (1733–1795) ein. Von Ōkyo übernahm Goshun den naturalistischen, dekorativen Malstil und verband ihn erfolgreich mit den Elementen der Literatenmalerei, die er von Buson gelernt hatte. Nach Ōkyos Tod im Jahre 1795 führte Goshun ein eigenes Studio, das sich an der Shijō-Straße in Kyoto befand und seiner Schule ihren Namen gab, der Shijō-Schule.