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Weißgewandeter Kannon

Ident. Nr.: 2009-171

ObjID: obj:1886017

Details (Expert)

Beteiligte
Datierung
Muromachi-Zeit
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Material / Technik
Hängerolle, Tusche auf Papier
Abmessungen
Bildmaß: 98,9 x 34,3 cm

Objektbeschreibung

Auf einem von Wellen umspülten Felsen sitzt Kannon, der Bodhisattva der Barmherzigkeit, in ein schlichtes, weißes, fließendes Gewand gekleidet. Häufig steht neben dem Bodhisattva eine Vase mit einem Weidenzweig. Hier hält die Figur nur ein Zweiglein, das sie in eine kleine, mit Wasser gefüllte Schale taucht. Zudem ist die ganze Szene in eine opulente Landschaft eingebettet.
Das Thema des „Weißgewandeten Kannon“ ist eine Variation des im China der Tang-Zeit (618–907) aufgekommenen Sujets des „Wasser-Mond-Kannon“, welches auf einem Kapitel des Lotus-Sutra basiert. Dort wird beschrieben, dass der Bodhisattva auf dem Berg Potalaka residiere, der von chinesischen Buddhisten als eine Insel nahe der Hafenstadt Ningbo aufgefasst wurde. So zeigt der meistverbreitete Kompositionstyp den Bodhisattva auf einer Klippe am Meer. Japanische Pilger brachten solche Darstellungen seit dem 12. Jahrhundert aus China nach Japan. Dort wurde dieses Thema unter den Maler-Mönchen der großen Zen-Klöster in den Städten Kamakura und Kyoto beliebt.
Im Laufe der Zeit haben sich mehrere stilistische Traditionen entwickelt, die sich in der Behandlung der Gewandfalten, der Ausführung der Hintergrundlandschaft oder der Physiognomie des Bodhisattvas unterscheiden. Hierzu zählen die Malereiwerkstatt des Tempels Tōfukuji in Kyoto, die vom Maler-Mönch Minchō (1351–1431) geleitet wurde, sowie die Ateliers seiner Nachfolger Sekkyakushi und Reisai (beide tätig 1. Hälfte 15. Jahrhundert). Die Behandlung der Felsen auf dieser nicht signierten Hängerolle zeigt Ähnlichkeiten mit Bildern Sekkyakushis und kann daher als Werk von ihm oder von Malern in seinem Umfeld betrachtet werden.
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Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Kaiserlicher Thronsitz

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Der Thronsitz und der zugehörige dreiteilige Paravent stellen unter den erhaltenen Arbeiten mit Perlmuttereinlagen aus den kaiserlichen Werkstätten das Hauptwerk der beginnenden Ära Kangxi (1662–1722) dar. Die reichen szenischen Darstellungen auf den goldgrundigen Bildfeldern der Schauseiten gelangen durch die virtuose Anwendung von zahllosen rosa, violett und grün changierenden Perlmutterteilchen (frz. laque burgautée) zu einem Farbspiel von grandioser Wirkung. Sie wird gesteigert durch die in großer Mannigfaltigkeit gestalteten Bordüren des Rahmenwerkes, die eine staunenswerte technische Meisterschaft und Größe des künstlerischen Entwurfs offenbaren. Die verschwenderische Fülle des Dekors dieses Ensembles bringt Wünsche für langes Leben und Glück verheißende Botschaften aller Art zum Ausdruck Das Hauptthema der Bildfelder auf den Innenseiten von Arm- und Rückenlehnen des Thronsitzes sowie der drei großen Bildfelder der Schauseite des Paravents ist das daoistische »Westliche Paradies«, das von Xiwangmu, der Königinmutter des Westens, beherrscht wird. Ausschnitthaft geben die Darstellungen auf dem Thronsitz die Gebirgs- und Seenlandschaft mit Terrassen, Pavillons und Palästen wieder, die auf dem Paravent in voller majestätischer Große erscheint. Gezeigt wird die Ankunft der Königinmutter des Westens, Xiwangmu, die auf einem Phönix reitend in die Paradieslandschaft herabkommt, wo die Unsterblichen ihrer harren. In den Darstellungen auf dem Thronsitz und dem Paravent erwarten sie die »Acht daoistischen Unsterblichen« an prominenter Stelle. Auf der Mitteltafel des Paravents sind sie auf der großen zentralen Terrasse vereint, zahlreiche weitere Unsterbliche beleben zu Wasser und zu Lande die paradiesische Landschaft. Auf den beiden Innenseiten der Thron-Armlehnen schreiten jeweils vier der »Acht daoistischen Unsterblichen« auf die zentrale Terrasse zu, wo die Göttin erwartet wird. Thronsitz und Paravent wurden 1924 durch einen französischen Kaufmann von chinesischen Vorbesitzern in Tianjin, Provinz Shandong, erworben. Wie aus einem damals beigegebenen chinesischen Dokument hervorgeht, stammt das Ensemble aus dem kaiserlichen Reisepalast von Panshan im Bezirk Jizhou, Provinz Zhili (heutige Provinz Hebei), den die Mandschu-Kaiser auf ihren Reisen in ihre Sommerfrische in Chengde, etwa 250 Kilometer nordöstlich von Beijing, benutzten. Unter den Kaisern Kangxi (reg. 1662–1722), Yongzheng (reg. 1723–1735) und Qianlong (reg. 1736–1795) erlebte China eine mehr als hundertjährige Blütezeit und erreichte die größte territoriale Ausdehnung in seiner Geschichte. Die Einzigartigkeit und Erhabenheit der Kaiser fand auch in der Bildkunst ihren Niederschlag. In vielfältigen Rollen kaiserlicher Repräsentation begegnen uns auf zahlreichen Bildern die Kaiser thronend in prächtiger Staatsrobe, bei kaiserlichem Zeremoniell, als Literaten und Connaisseure, als Jäger und auch als religiöse Heilsgestalt. Das Thema auf dem Thronsitz und Paravent lässt die herrscherliche Autorität der sich auf das Mandat des Himmels gründenden Regierung des Kaisers in besonderem Lichte erscheinen und unterlegt den Wunsch, dass sie ewig währen möge. Nahm der Kaiser auf dem Thronsitz Platz, saß er im Zentrum des Paradieses der Unsterblichen und wurde sozusagen ein Teil desselben. [SM8HF]

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Diese Stadtlandschaft zeigt den nördlichen Abschnitt der wichtigsten Einkaufsstraße der Stadt Edo, der von der Imagawa-Brücke im Bezirk Kanda bis zur berühmten Nihonbashi-Brücke führt. Eng aneinander gereiht stehen die verschiedensten Geschäfte, darunter auch der Hauptsitz des Stoff- und Bekleidungsgeschäfts Mitsui Echigoya, das heute unter dem Namen Mitsukoshi weltweit als Warenhaus bekannt ist. Mit akribischer Genauigkeit, erfrischendem Humor und großer Liebe zum Detail werden eine Vielfalt von landwirtschaftlichen und handwerklichen Produkten sowie eine enorme Zahl von Geschäften, Verkaufsständen und Gebäuden abgebildet. Wohl nachträglich aufgebrachte Titelkartuschen nennen den jeweiligen Standort. Auf der Hauptstraße und den Nebengassen tummeln sich Menschen unterschiedlichster Berufe, Altersstufen und Stände. Von Samurai bis zu Bettlern, von vornehmen Bürgersfrauen bis zu Dirnen, von Mönchen bis zu Straßenhändlern ist das gesamte Spektrum der städtischen Bevölkerung vertreten.Das Bild trägt weder eine Signatur noch eine Datierung, doch weisen bestimmte Details auf eine Entstehung um das Jahr 1805. Die entsprechende Jahresangabe Bunka 2 findet sich im Zusammenhang mit dem Tempelnamen Ekōin als Aufschrift auf der Kiste eines Lastenträgers. Er bildet den Abschluss des Gefolges eines Mönchs, der wohl Spenden für den Bau der Haupthalle dieses Tempels sammelt. Die Bezeichnung „Haupthalle“ hondō ist auf der Fahne eines weiteren Begleiters zu erkennen. Der insgesamt vier Personen umfassenden Gruppe vor dem Buchladen Suharaya unweit der Ortsbezeichnung Surugachō, folgen drei ältere Frauen, wohl Laienanhänger des Tempels, welche die Bittprozession durch das Schlagen von Handglocken akustisch untermalen. Der Entstehungszeitraum der Rolle wird ferner durch das Todesjahr des 1814 verschiedenen Schreibers der Titelkalligraphie, Sano Tōshū, eingegrenzt.Aufgrund der hervorragenden malerischen Qualität und des bemerkenswerten Formats der Bildrolle (12 Meter lang und 44 cm hoch) kann angenommen werden, dass ein potenter Auftraggeber, der sich besonders für das Alltagsleben der Hauptstadtbewohner interessierte, dieses dokumentarische Werk speziell bei einem Malatelier anfertigen ließ. Als wahrscheinlichste Kandidaten gelten Mitglieder der Kaufmannsfamilie Mitsui, Eigentümer des Echigoya, oder Mitglieder der Aristokratie, die sich nicht unter das Volk mischen, aber eine Anschauung von dessen Leben sehen und besitzen wollten.Die Informationsfülle und die Lebendigkeit der Darstellung sind einzigartig. Die Darstellung von Stadttopographien hat aber eine Tradition, die wenigstens bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht und vor allem durch Darstellungen der Sehenswürdigkeiten Kyotos belegt ist. Aus der Titelkartusche geht hervor, dass diese bis vor wenigen Jahren in Berliner Privatbesitz tradierte Bildrolle zu einem zwei- oder gar dreiteiligen Set gehört. Hinweise auf den Verbleib der anderen Rolle/n sind dringend erwünscht. Ein Faksimile dieser Rolle ist seit 2011 in einem Schaufenster des Kaufhauses Mitsukoshi ausgestellt, das in einer Untergrundpassage auf die U-Bahn-Station Mitsukoshi-mae weist und täglich von Tausenden Menschen passiert wird. [SM8HF]