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Kanzan weist auf den Vollmond hin

Ident. Nr.: 205

ObjID: obj:1891245

Schenkung Wilhelm von Bode, Ehemals Sammlung Hayashi Tadamasa

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Muxi 牧溪 (1210?-1269?),
Maler*in
Datierung
Nanbokuchō-Zeit
14. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Material / Technik
Hängerolle, Tusche auf Papier
Abmessungen
Bildmaß: 57,4 x 29,7 cm
Höhe x Breite: 132 x 45 cm (Montierung)

Objektbeschreibung

Im Vorwort der Tang-zeitlichen Gedichtssammlung Gedichte des Meisters „Kalter Berg“ berichtet ein gewisser Lüqiu Yin, dass er die Verse zusammentragen ließ, die ein Dichter namens Hanshan (j. Kanzan) unbekümmert auf Bäume, Felsen und Hauswände schrieb. Dieses Vorwort ist die einzige Quelle für die Biographie des Hanshan, der am Ende des 8. oder am Anfang des 9. Jahrhunderts auf dem Tiantai-Berg in der Provinz Zhejiang gelebt haben soll. Was davon Legende und was historische Wahrheit ist, lässt sich nicht mehr entscheiden. In späteren Jahrhunderten wurde die Figur des exzentrischen Hanshan zu einem Lieblingsthema der Chan-(j. Zen-)buddhistischen Literatur und Malerei.
Kanzan ist hier mit emporgestreckter linker Hand dargestellt. Mit dieser Geste weist er auf die im Bilde nicht sichtbare, runde Mondscheibe und zugleich auch auf sein wahres Selbst hin. Der Bildtyp stammt aus China, ist aber nur in Japan überliefert.

Der klare Vollmond ist ein im Buddhismus oft gebrauchtes Symbol. Der Blick auf seine runde Scheibe gleicht dem Erschauen der vollen, reinen Buddhanatur, was für den Chan-Buddhisten identisch mit dem schauenden Erkennen des eigenen Selbst sein soll. Auch in Hanshans Gedichten findet sich diese Symbolik. Einer seiner berühmtesten Verse beginnt mit der Zeile „mein Herz gleicht einem Herbstmond“.
Von den üblichen Darstellungen Kanzans mit etwas grotesken Gesichtszügen und struppigem Haar unterscheidet sich dieses Bild durch das rundliche Gesicht mit dem besinnlichen Ausdruck und dem offenen halblangen Haar. Einen ähnlichen Kopftyp zeigen Bilder des sogenannten Nawa Monju, einer Inkarnation des Monju Bosatsu als Jüngling in einem Strohgewand. Diese Ähnlichkeit ist wahrscheinlich beabsichtigt, galt doch Kanzan als eine Inkarnation des Monju Bosatsu.
Die Aufschrift in der oberen linken Bildecke trägt die Signatur und das Siegel des chinesischen Priesters Pingshi Ruzhi (1268–1357), sie ist jedoch nachweislich eine japanische Kopie. Auch die Zuschreibung auf dem Aufbewahrungskasten an den in Japan populären Mönchsmaler Muqi ist nicht haltbar. Die durch einen auffälligen Kontrast zwischen feinen, dünnen Linien und breiten, flächigen Pinselzügen an den Säumen des Gewandes charakterisierte Malerei deutet vielmehr auf die von dem chinesischen Maler Yintuoluo (14. Jh.) begründete Maltradition hin.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Der Maskentyp des "Kleinen Gesichts" (ko-omote) wurde für die Darstellungen der anmutigen, jungen Frauengestalten in Drittspielen (Katsura Nô) geschaffen. Er spiegelt das weibliche Schönheitsideal der Heian-Zeit wider. Das ins rundliche gehende ovale Gesicht verjüngt sich zur Stirn hin und wird durch die aufgeschminkten, hoch angesetzten Augenbrauen zusätzlich gelängt. Die Augenwinkel verlaufen in einer geraden Linie, die Sehlöcher sind eckig. Die Nasenlöcher sind weich geformt, ähnlich wie der leicht geöffnete Mund, der die geschwärzten Zähne sichtbar werden läßt. Die Unterlippe ist betont vorgeschoben und endet in hochgezogenen Mundwinkeln. Es formt sich das für die Ko-omote charakteristische jugendlich-unbekümmerte Lächeln. Die Wangen sind füllig, das leichte Doppelkinn wird auffallend plastisch formuliert. Der Ausdruck lieblicher, verinnerlichter Schönheit jedoch, wie ihn die überlieferten Abbilder (utsushi) der dem Schnitzer Tatsuemon (Ende 14. Jahrhundert) zugeschriebenen Prototypen (honmen) besitzen, ist bei dieser Maske einer derberen Nuance gewichen und läßt sie in die Nähe des Maskentyps der Manbi (Tausend Koketterien) rücken. Diese Maske verkörpert die sinnlich-erotischen Aspekte der Frauengestalten im Nô und wurde erstmals zu Beginn der Tokugawa-Zeit, als die Entstehung neuer Spiele neue Maskentypen erforderte, geschaffen. Die drei feinen, seitlich verlaufenden parallelen Haarsträhnen (kegaki) geben jedoch den eindeutigen Hinweis auf den Typ der Ko-omote, da sie bei der Maske der Manbi nicht vorkommen. Im Laufe der Tokugawa-Zeit bildeten sich die repräsentativen Frauenmasken für weibliche Hauptrollen innerhalb der großen Nô-Schulen heraus. Zwei Familien, Komparu und Kita, benutzen den Typ der Ko-omote bis heute dafür. Die anderen Schulen wählten Masken vom Ko-omote-Typ für ihre weiblichen Nebenrollen (tsure). Möglicherweise handelt es sich bei unserer unsignierten Maske um eine solche tsuremen. [SM8HF]

Landschaft

Landschaft

Eingebettet zwischen den monumentalen, hoch aufragenden Bergmassiven im Hintergrund und den sanften Hügeln und Baumgruppen im Vordergrund sind kleine, einfache Siedlungen zu sehen. Vereinzelte Figuren, die alltäglichen Tätigkeiten nachgehen, beleben die idyllische, ländliche Szene. Mittels haarfeiner Hanffaser-Strukturstriche sowie rhythmisch getupfter Moospunkte, die charakteristische Elemente der Literatenmalerei sind, vermochte der Künstler Plastizität und Volumenhaftigkeit der festen Erdmassen zu erzeugen. Subtile ockerbraune und hellgrüne Lavisflächen deuten auf die frühsommerliche Jahreszeit hin und verleihen der Darstellung eine wohltuende Frische. Die dezente Farbgebung evoziert zudem eine lyrische Atmosphäre. Matsumura Gekkei studierte ab 1781 die Malkunst und die Haikai-Dichtkunst beim berühmten Literatenmaler Yosa Buson (1716–1783). Im Jahre 1781 zog Gekkei von Kyoto nach Ikeda, einem kleinen Ort in der Nähe von Osaka, wo er bis 1789 blieb. Das Pseudonym Goshun legte er sich während dieser Zeit, in Anlehnung an den alten Namen Ikedas, zu. Das vorliegende Stellschirmpaar gehört zu den repräsentativsten Werken dieser frühen Schaffensperiode, in welcher der Einfluss Busons sich sehr stark bemerkbar macht. Vor allem in der Behandlung von Felsen sowie in der Charakterisierung von Figuren ist die Handschrift des prominenten Meisters deutlich erkennbar. Goshuns Tendenz zur lyrischen Bildstimmung, die ein Wesensmerkmal seines Werkes ist, tritt hier bereits deutlich zu Tage. Nach seiner Rückkehr aus Ikeda nach Kyoto in den Jahren 1788/89 trat Goshun in das Studio des äußerst populären Malers Maruyama Ōkyo (1733–1795) ein. Von Ōkyo übernahm Goshun den naturalistischen, dekorativen Malstil und verband ihn erfolgreich mit den Elementen der Literatenmalerei, die er von Buson gelernt hatte. Nach Ōkyos Tod im Jahre 1795 führte Goshun ein eigenes Studio, das sich an der Shijō-Straße in Kyoto befand und seiner Schule ihren Namen gab, der Shijō-Schule.