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Zyklus "Sein", Bild 3

Ident. Nr.: NG 23/13

ObjID: obj:1905245

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Horst Hirsig (1929- 2019),
Künstler*in
Datierung
1973
Abmessungen
Höhe x Breite: 180 x 145 cm
Erwerbung
2013 Schenkung des Künstlers, Berlin

Objektbeschreibung

Von 1949 bis 1956 studierte Hirsig an der Hochschule für bildende Künste im Westteil Berlins. Menschliche Körper in Verschlingungen waren bereits in seinen expressiv-informellen Bildern der 1960er-Jahre auszumachen. In der Folge verfestigten sich die Formen und Hirsig entwickelte mit reduzierter Farbpalette auf cremeweißen Bildgründen einige prägnante Motive, die er immer wieder neu bearbeitete. Verwandte Bilder, deren Entstehungsdaten teils weit auseinanderliegen, fasste er in Zyklen zusammen, etwa unter dem Oberbegriff „Sein“. Das erste Gemälde dieser Reihe stammt aus dem Jahr 1971 und zeigt einen zentralperspektivisch konstruierten Innenraum, in dem sich die Rundungen verschiedener Körperteile um ein Zentrum ballen. Darin befinden sich zwei Köpfe als parallele Silhouetten in Weiß und Schwarz. Wie ein Echo darauf wirken zwei flügelartige Formen an der Rückwand, die herabzugleiten scheinen. In dem zwei Jahre später entstandenen, dritten Gemälde der Serie ist daraus eine Faust geworden, zu der die beiden Figuren von ihrem Bett aus ängstlich hinaufblicken. Die Bedrohung der menschlichen Existenz aus der Luft war für Hirsig, der als Jugendlicher kurz vor Kriegsende noch in einer vormilitärischen Einheit hatte Dienst leisten müssen, eine reale Erfahrung. Doch in seiner Malerei transformierte er thematische Ausgangspunkte wie diesen zu offenen und vieldeutigen Bildkompositionen. Leben und Tod, Ekstase oder Schmerz, Gut versus Böse – das Sein ist immer in der Schwebe und stets gefährdet. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp