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Zwei Episoden aus den "Erzählungen von prächtiger Blüte" (Eiga monogatari)

Ident. Nr.: 2014-31

ObjID: obj:1947421

Sammlung Klaus F. und Yoshie Naumann

Details (Expert)

Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
spätes 17. oder 18. Jh.
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Abmessungen
Höhe x Breite: 172 x 379 cm (je Stellschirm)
Bildmaß: 154,5 x 360 cm (je Stellschirm)
Erwerbung
Schenkung am 01.07.2014

Objektbeschreibung

Die beiden Szenen auf diesem detailreich und aufwändig ausgeführten Stellschirmpaar entstammen den vergleichsweise selten illustrierten „Erzählungen von prächtiger Blüte“ (j. Eiga Monogatari), welche historische Begebenheiten aus dem 10. und 11. Jahrhundert thematisieren. In der literarischen Version liegt das Hauptaugenmerk auf den Kaisern sowie dem zu höchsten Ämtern und tatsächlichen Machthaber aufgestiegenen Aristokraten Fujiwara Michinaga (966–1028). Auf den beiden hier illustrierten Episoden 7 und 19 spielen jedoch Protagonistinnen die zentralen Rollen. Rechts beobachtet eine ganze Gruppe hofaristokratischer Damen durch die Spalten der Bambusrollos aus den Gemächern eines Palastes den Zug eines von Höflingen und Pagen begleiteten Ochsenwagens über eine Brücke. Es handelt sich um die Prozession von Senshi, der Schwester Michnagas, Frau von Kaiser En’yū (959–191, r. 964–984) und Mutter von Kaiser Ichijō (980–1011, r. 986–1011), die auf Pilgerschaft zum Tempel Ishiyamadera aufbricht. Die Umkehrung der Blickhierarchie von der in Illustrationen höfischer Stoffe häufig anzutreffenden Bildfigur des voyeuristisch heimlich Frauen beobachtenden Mannes zu unbeobachtet schauenden Frauen ist im Fall des linken Schirmes noch deutlicher artikuliert. Der Bildkonvention für die Darstellung von Personen der Elite folgend, die das Vorrecht genießen aus geschützter Position schauen zu können ohne selbst beobachtet zu werden, sitzt die durch ein Bambusrollo verdeckte Tochter Michinagas und Gattin von Ichijō, Kaiserin Shōshi, in einer Palasthalle, während auf der Veranda eine ganze Gruppe männlicher Höflinge den Blicken preisgegeben ist. Sie alle betrachten von erhöhter Position eine Aufführung von Musik und Tanz als Feier für Fruchtbarkeit und gute Ernte (j. Dengaku) des Reisanbaus. Die aus China übernommene Darstellung prosperierenden Ackerbaus ist spätestens seit dem 16. Jahrhundert auch in Japan eine Bekräftigung der bestehenden, auf Einkommen aus Landwirtschaft basierenden Gesellschaftsordnung, die im Auftrag der Herrschenden vielfach gemalt wurde. Es ist also davon auszugehen, dass dieses Schirmpaar, vielleicht als Teil einer Brautausstattung, für eine Dame der herrschenden Elite entstand.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Nô-Maske, Typ “Junge Frau“ (ko-omote)

Der Maskentyp des "Kleinen Gesichts" (ko-omote) wurde für die Darstellungen der anmutigen, jungen Frauengestalten in Drittspielen (Katsura Nô) geschaffen. Er spiegelt das weibliche Schönheitsideal der Heian-Zeit wider. Das ins rundliche gehende ovale Gesicht verjüngt sich zur Stirn hin und wird durch die aufgeschminkten, hoch angesetzten Augenbrauen zusätzlich gelängt. Die Augenwinkel verlaufen in einer geraden Linie, die Sehlöcher sind eckig. Die Nasenlöcher sind weich geformt, ähnlich wie der leicht geöffnete Mund, der die geschwärzten Zähne sichtbar werden läßt. Die Unterlippe ist betont vorgeschoben und endet in hochgezogenen Mundwinkeln. Es formt sich das für die Ko-omote charakteristische jugendlich-unbekümmerte Lächeln. Die Wangen sind füllig, das leichte Doppelkinn wird auffallend plastisch formuliert. Der Ausdruck lieblicher, verinnerlichter Schönheit jedoch, wie ihn die überlieferten Abbilder (utsushi) der dem Schnitzer Tatsuemon (Ende 14. Jahrhundert) zugeschriebenen Prototypen (honmen) besitzen, ist bei dieser Maske einer derberen Nuance gewichen und läßt sie in die Nähe des Maskentyps der Manbi (Tausend Koketterien) rücken. Diese Maske verkörpert die sinnlich-erotischen Aspekte der Frauengestalten im Nô und wurde erstmals zu Beginn der Tokugawa-Zeit, als die Entstehung neuer Spiele neue Maskentypen erforderte, geschaffen. Die drei feinen, seitlich verlaufenden parallelen Haarsträhnen (kegaki) geben jedoch den eindeutigen Hinweis auf den Typ der Ko-omote, da sie bei der Maske der Manbi nicht vorkommen. Im Laufe der Tokugawa-Zeit bildeten sich die repräsentativen Frauenmasken für weibliche Hauptrollen innerhalb der großen Nô-Schulen heraus. Zwei Familien, Komparu und Kita, benutzen den Typ der Ko-omote bis heute dafür. Die anderen Schulen wählten Masken vom Ko-omote-Typ für ihre weiblichen Nebenrollen (tsure). Möglicherweise handelt es sich bei unserer unsignierten Maske um eine solche tsuremen. [SM8HF]

Landschaft

Landschaft

Eingebettet zwischen den monumentalen, hoch aufragenden Bergmassiven im Hintergrund und den sanften Hügeln und Baumgruppen im Vordergrund sind kleine, einfache Siedlungen zu sehen. Vereinzelte Figuren, die alltäglichen Tätigkeiten nachgehen, beleben die idyllische, ländliche Szene. Mittels haarfeiner Hanffaser-Strukturstriche sowie rhythmisch getupfter Moospunkte, die charakteristische Elemente der Literatenmalerei sind, vermochte der Künstler Plastizität und Volumenhaftigkeit der festen Erdmassen zu erzeugen. Subtile ockerbraune und hellgrüne Lavisflächen deuten auf die frühsommerliche Jahreszeit hin und verleihen der Darstellung eine wohltuende Frische. Die dezente Farbgebung evoziert zudem eine lyrische Atmosphäre. Matsumura Gekkei studierte ab 1781 die Malkunst und die Haikai-Dichtkunst beim berühmten Literatenmaler Yosa Buson (1716–1783). Im Jahre 1781 zog Gekkei von Kyoto nach Ikeda, einem kleinen Ort in der Nähe von Osaka, wo er bis 1789 blieb. Das Pseudonym Goshun legte er sich während dieser Zeit, in Anlehnung an den alten Namen Ikedas, zu. Das vorliegende Stellschirmpaar gehört zu den repräsentativsten Werken dieser frühen Schaffensperiode, in welcher der Einfluss Busons sich sehr stark bemerkbar macht. Vor allem in der Behandlung von Felsen sowie in der Charakterisierung von Figuren ist die Handschrift des prominenten Meisters deutlich erkennbar. Goshuns Tendenz zur lyrischen Bildstimmung, die ein Wesensmerkmal seines Werkes ist, tritt hier bereits deutlich zu Tage. Nach seiner Rückkehr aus Ikeda nach Kyoto in den Jahren 1788/89 trat Goshun in das Studio des äußerst populären Malers Maruyama Ōkyo (1733–1795) ein. Von Ōkyo übernahm Goshun den naturalistischen, dekorativen Malstil und verband ihn erfolgreich mit den Elementen der Literatenmalerei, die er von Buson gelernt hatte. Nach Ōkyos Tod im Jahre 1795 führte Goshun ein eigenes Studio, das sich an der Shijō-Straße in Kyoto befand und seiner Schule ihren Namen gab, der Shijō-Schule.